By way of strategy thou shalt do war

Valerie van Dyke stand am Kamin und wartete einige Atemzüge lang. So wie Nathan Finch aus allen Wolken gefallen war, würde auch Elisa Harper-Silverstein gleich erleben, wie es war, wenn ein Riss quer durch das verlief, das sie als Wirklichkeit wahrgenommen hatte.
Elisas Finger hielten den isrealischen Ausweis von Valeria Noa Gúzman und das Foto war unverkennbar die Frau, die sie als Valerie van Dyke kennen gelernt hatten. Die Tarnung aufzugeben, war ihr angesichts der Bedrohungslage und der Notwendigkeit einer Zusammenarbeit, weise und strategisch sinnvoll vorgekommen.

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Es war Finch, der die Stille durchbrach: „Grämen Sie sich nicht, Elisa. Ich bin ebenfalls hereingefallen. Mein Kompliment dem Mossad für diese überaus gelungene Tarnung.“ Immer noch kam kein Wort von Elisa. Valerie spürte ein leichtes Ziehen in der Brust. Sie kannte das. Es waren Reste ihres Gewissens, die sich immer dann regten, wenn sie jemanden, den sie eigentlich mochte, hinters Licht geführt hatte. Und Elisa und Valerie waren Freundinnen geworden. Sie hatten gemeinsam im Pub zuviel getrunken und waren nach Paris zum Shoppen geflogen. Nur, dass Valerie eben streng genommen nicht die Valerie war, für die sich ausgab.

Dann – endlich – erklang ein Lachen von Elisa. „Ich habe dich wirklich für eine leichtfertige und abenteuerlustige junge Frau gehalten.  Respekt. Einzig, die Tatsache, warum eine reiche Erbin einen solchen Club leiten sollte, hat mich irritiert, aber die Überprüfung deiner Papiere gab nichts her. Was habt ihr mit der echten Valerie van Dyke gemacht, ich hoffe sie sitzt nicht in irgendeinem Bunker, denn sie ist amerikanische Staatsbürgerin.“

Valerie fiel ein Stein vom Herzen und das Ziehen in der Brust löste sich auf. „Sie will Isreal kennen lernen und lebt in einem Kibbuz für mindestens ein Jahr. Man musste sie nicht dazu zwingen, den Finanzberatern und wohlmeinenden Ratgebern zu entfliehen. Du weißt ja, wie das ist, Elisa.“

Nachdem auf der persönlichen Ebene nun keine Steine mehr im Weg lagen, ging man zum geschäftlichen Teil des Gesprächs über. Die Icequeen war den Agenten in Sologubowka erneut zuvor gekommen und im Vasilovschen Schließfach hatte man zwar Unterlagen gefunden, aber die wesentlichen Forschungsergebnisse waren geschwärzt. Klarheit hatte man aber nun über die Bedrohungslage, die der gesamten westlichen Welt galt, zumindest betraf sie alle Länder, die so etwas wie einen Sommer kannten. Und damit auch Israel: Der Arktische Hammer war ein Virus, dessen Anfangssymptome denen einer Grippe ähnelten, das aber im Verlauf zu einem weder besonders angenehmen noch schön anzusehenden Tode führten. Das Besondere war, dass das Virus bei Temperaturen unter 30 Grad Celsius inaktiv blieb und erst bei sommerlicher Hitze seine Wirkung entfaltete. Vasilov hatte während seiner Forschungsarbeiten in der Sowjetunion sein Gewissen entdeckt und war mit den Ergebnissen geflohen. Eine Entscheidung, die sich umfänglich auch auf seine damalige Frau Galina Vasilova und seine kleine Tochter Anja ausgewirkt hatten. Dann hatte er in London sein neues Glück gefunden und erneut eine Familie gegründet. Zumindest glaubte er sein Glück gefunden zu haben, bis er entführt worden war und ihm ein Sprengsatz der Icequeen den Kopf vom Rumpf riss.

Es war nun die Icequeen, die über die Forschungsunterlagen verfügte, die Vasilov zu verbergen versucht hatte und die die Sowjets als ihr Eigentum betrachteten. Im Schließfach hatte sich ein Tonband der Icequeen befunden, auf dem sie keinen Zweifel darüber ließ, dass sie die Entwicklung des Virus abschließen wollte um ein großes Spiel damit zu spielen. Was die Icequeen unter Spielen verstand, das hatte zumindest Elisa schon am eigenen Leib erfahren dürfen. Sogar zweimal, wenn man die Detonation der Bombe in der US Botschaft mitrechnete.

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Valerie kannte das Tonband noch nicht und bat darum, es anhören zu dürfen. „Vielleicht gibt die Aufnahme Aufschluss darüber, wo man nach ihr suchen kann. Denn wenn ich es richtig sehe, ist sie uns immer einen Schritt voraus – wir sollten versuchen diesen Mechanismus umzukehren.“

Sowohl Nathan Finch als auch Elisa Harper-Silverstein nickten.

Es galt in diesem Spiel mehr zu werden als eine Maus, die durch Gänge rennt, die die Katze für sie gebaut hatte.

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