Briefe aus Chrysos 5

Mein gütiger Vater, liebe Mutter,

ich weiß nicht, wie ich es euch beibringen soll oder ob dieser Brief euch jemals erreichen wird. Vermutlich wird er auf den Stapel gelegt und bald vermodern, so wie mein toter Leib auf dieser Insel.

Gestern Abend erklang die Alarmglocke der Siedlung und wir eilten alle nach oben auf die Befestigung um in Erfahrung zu bringen, was genau gesichtet worden war. Immerhin hofften wir nach wie vor auf eines oder mehrere Schiffe aus Kassau. Doch weit gefehlt. Was sich dort am Horizont zeigte war eine Flotte, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. Vom Norden her näherten sich unzählige Schlangenschiffe der Insel, wie man sie von den Torvaldsländern her kennt. Es waren so viele Vater, das müssen mehrere Clans sein, die da am Strand landeten. Eine kleine Hoffnung hegte ich noch, dass sie nur Frischwasser aufnehmen wollten, doch diese zerschlug sich, als sie begannen dort unten am Strand ihre Zelte aufzuschlagen.

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(Gefahr – Schlangenschiffe auf Chrysos)

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(Die Torvaldsländer richten sich häuslich ein)

Wir wussten nicht genau, wer oder was den Norden nach Chrysos geführt hat, aber wir sind so gut wie ohne Verteidigung. Einige Krieger nur und eine gute geographische Lage unserer Siedlung hoch oben auf dem Felsen sind unsere einzigen Vorteile. Und unten in den Minen schuften die Torvaldsländer Sklaven, ich wollte mir den Sturm des Zorns gar nicht ausmalen, wenn die Nordleute wirklich unseretwegen hier gelandet waren!

Mittlerweile sind wir schlauer und die Befürchtung wurde traurige Gewissheit. Die Nordleute sind hier und sie wissen über das Gold Bescheid, das unter uns im Berg ruht. Das ist der schlechte, der wirklich schlechte Teil, den wir erfahren haben. Der gute Teil ist, dass auch der Süden eine Flotte geschickt hat, die uns beistehen soll.

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(Blick auf das Lager des Südheers)

Sie segelt unter dem Banner von Belnend. Ich erinnere mich, dass du, Vater, mit dem Kommandanten von Belnend immer gut ausgekommen bist, so dass ich voller Hoffnung bin, dass sie uns wirklich beistehen wollen gegen den Nordsturm, der sich da zusammenbraut. Die Verhandlungen mit Belnend haben wir in die Hände von Jona, dem hohen Wissenden gelegt, ich war jedoch zugegen. Da Belnend offenbar auf Schürfrechte aus ist als Gegenleistung zu unserem Schutz, werden die Verhandlungen heute fortgesetzt.

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(Ist Kommandant Bo wirklich wegen unseres Wohlergehens hier?)

Ich hoffe, dass dies nicht meine letzten Zeilen an euch sind. Aber wenn dem so sein sollte, so seid gewiss, dass ich euch von ganzem Herzen liebe.

Eure Tochter

Dionyza

Insel Chrysos, 12. Tag der ersten Hand im Monat En’Kara, 10,166 CA

***

–> Was sonst noch geschah

 

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