Viata Induri (3)

Er hat viele Stunden lang geschlafen, doch jetzt ist er wach. Ich lenke meine Schritte an das Gitter, an das ich ihn kettete und betrachte ihn. Die Wunde auf seinem Rücken. Er ist gezeichnet. Ich vergesse zuweilen, dass die Sterblichen hungrig und durstig sind, wenn man sie zu lange allein lässt und sie nicht füttert. Heute schleudert er mir keine Verwünschungen umgeben, sondern legt seine Hände bittend auf meine Hüften. Ich spüre, das er verstanden hat. Es gibt kein Entkommen, er kann nur die Art seines Fort- und Ablebens in meiner Abhängigkeit beeinflussen, indem er mich in gute Stimmung versetzt. Darüber hinaus ist er noch ein Mann, im Zweifelsfall wird er seinen Trieben folgen.

Ich lasse ihn von meiner nackten Haut kosten und binde ihn dann los. Das Eisen um seinen Hals bleibt, denn gelegentlich wird der Kapitän in ihm zum Vorschein kommen, der er gestern noch war. Dann werde ich ihn disziplinieren müssen. Aber vorerst genieße ich seine unterwürfige Geilheit im Angesicht meiner Erscheinung. Die anderen beiden sind draußen und treiben die letzten Menschlein in den Turm, denn heute findet das große Fest statt.

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Ein Mädchen tanzt schon im Festsaal. In Trance versetzt erkennt sie nicht einmal mehr den Kapitän, der nun zwischen meinen Beinen kniet. Es scheint als habe er sich für ein Dasein der lüsternen Ausschweifungen und des ewigen Lebens entschieden und unterbreitet mir seine vollmundigen Versprechungen immer dann, wenn seine Lippen sich kurz von meiner Scham lösen. Ich streichle seine harte Männlichkeit mit meinem Fuß und schließe einen Augenblick die Augen. Es ist fast zu einfach. Das Spiel. Aber es ist so, wie SIE gestern sagten. Meine Macht wächst mit jeder genommenen sterblichen Seele. Und sie wächst um ein Vielfaches mehr, wenn es mir gelingt, sie der Finsternis zuzuführen als einen von uns. Ich lasse meine Erinnerung treiben, während das Mädchen auf meinen Befehl hin die Kleider ablegt und gar kein Mädchen ist, sondern ein Hermaphrodit. ER wird das mögen. Ich sollte beginnen ihn Lamenius zu nennen, denn bald schon werde ich ihm ebenbürtig sein. Dieser Mensch hier hat dreimal versucht mich zu töten und es steckt dunkles Potential in ihm, aber er wird dann nicht mehr meiner Lust dienen, sondern seiner.

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Und er dient gut. Seine Zunge ist beweglich und sie steht seinen Fingern in nichts nach. Und doch… die Verführungen sind groß und ich gebe beiden nach, ziehe ihn hoch zwischen meine Schenkel und lasse ihn wählen, ob er die Phiole trinken möchte, die ich ihm anbiete und mit der ich ihm ewiges Leben an meiner Seite zusichere. Er trinkt und umfasst dann meine Hüften, wähnt sich am Ziel und ich lasse ihn in mich hinein und umfasse mit meiner Hand fest die verborgene Klinge. Der kleine Tod ist als Erlebnis nicht zu verachten, aber er ist noch süßer, wenn ich dabei jemandem den großen Tod schenken kann. Deshalb stoße ich ihm, während meine Muskeln sich noch um seine Männlichkeit krampfen und er in seiner eifrigen Geilheit alle Mühe an den Tag legt, meine Lust lange anhalten zu lassen,  den spitzen Dolch in seinen Hals, drehe ihn einmal kurz um, den Blick auf seine aufgerissenen ungläubigen Augen gerichtet, ziehe die Klinge dann wieder heraus und lache, als die Fontäne frischen roten Blutes mein Gesicht und meine Brüste benetzt.

„Hab keine Angst, wir sehen uns wieder.“ sage ich sanft, als seine Männlichkeit langsam erschlafft. Tatsächlich soll er nicht leiden, ich will ihn gerade an meine Brüste ziehen und sanft wiegen bis der letzte Hauch seine Lippen verlässt, da schiebt sich eine zarte Hand zwischen uns, die ihm das erbärmliche Leben eines Sterblichen zu bewahren sucht.

„Hure!“ zische ich und sende einen Energiestoß, dem ein erschreckter Aufschrei folgt. Den Moment lasse ich mir nicht nehmen von einem dieser panischen Menschenkinder. Dieses hat blondes Haar und Augen wie ein Engel. Die anderen sind zurück und haben alle in den Turm und in den Festsaal getrieben. SIE hängt das engelsgleiche Mädchen mit einem Energiestoß an die Decke und fixiert sie dort reglos in einem eisernen Gestell.

Als mein Sklave nicht mehr bei Bewusstsein ist, lasse ich ihn auf den Teppich gleiten und ausbluten. Mein Fuß ruht dabei bequem auf seiner Lende. Es ist Zeit Abschied zu nehmen, denn er wird sich bald wandeln. Mit den Augen folge ich den Vergnügungen der anderen. Wer wird heute sterben, wer wird lange leiden, wer wird ein Sklave im Turm werden? Ich mustere sie der Reihe nach, aber dann vollzieht sich zu meinen Füßen die Wandlung.

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Spinnen kriechen über meinen Fuß und ich spüre, dass etwas Großes geboren wird. Spinnentiere bedecken einen Augenblick die Überreste und dann ersteht aus dem Gewusel von Körpern und achtpaarigen Beinen eine neue dämonische Gestalt. Aus dem vorderen Teil des Spinnenleibs ragt eine in Teilen noch menschlich zu nenennde Gestalt und beginnt zischend zu sprechen und mir, seiner Mutter und Schöpferin davonzukriechen. Ich verstehe. Er hat Hunger. Rasch ist ein Faden gesponnen und er nähert sich dem hilflosen blonden Menschlein an der Decke. Der Gedanke, dass ich dieses Wesen geboren habe, gefällt mir.

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Das Fest eilt seinem alles verzehrenden Höhepunkt entgegen und ich trinke einen Glas Wein. Er stammt aus den Ruinen der Stadt, in der ich eins als Mensch unter Menschen lebte*, bis ich mich entschloss dabei zu helfen das Portal zu öffnen. Im Morgengrauen wird dieses Fest vorüber sein und wir müssen unsere Sinne nach neuen Opfern und Zerstreuungen ausrichten. Doch das Meer ist groß und auf ihm fahren viele Schiffe.

„Auf Viata Induri!“, es ist SIE, Aranea, deren Stimme ich vernehme. Leise ächzt das hölzerne Laufrad zum Klang der Musik. Aranea mag es sie zu hetzen, bis sie schließlich bereit sind ihr jeden Wunsch zu erfüllen.

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Ich hebe meinen Pokal und stimme mit ein. „Auf Viata Induri!“

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* Tagebuch von Lucrezia Moscatelli, gefunden in einem unterirdischen Gewölbe unter den Ruinen der Stadt

((das Tagebuch ist stark beschädigt, nur stellenweise lassen sich noch handschriftliche Einträge entziffern, große Teile sind aber völlig unleserlich und so ergeben sich große Lücken, vorne im Einband ist noch ein Name zu erkennen: Lucrezia Moscatelli))

Viata Induri, 23.Mai 1753

Dies verschlafene kleine Nest in dem alles mäßig ist, bringt mich noch um den Verstand. Die Landschaft ist mäßig, die Männer sind mäßig und am mäßigsten ist meine eigene Sippe. Dabei spüre ich, dass ich zu Großem geboren bin und mich eines Tages über all das erheben werde, aber noch ketten mich die Konventionen an meinen Platz und ich verfüge nicht über die Mittel mich zu erheben. Vielleicht ist der seltsame Fremde mir hilfreich, den die Leute hinter ihren Vorhängen verborgen angaffen als wäre er ein Wesen aus der Hölle. Er übt eine geradezu diabolische Anziehungskraft auf mich aus, wenn er seine Spaziergänge durch die Stadt macht. Die Menschen hier erzählen sich, dass er aus Rom stammt. Er soll exkommuniziert worden sein wegen Dingen, die anständige Menschen nicht einmal aussprechen möchten. Ich könnte es auch anders formulieren: Es ist die übliche Verlogenheit und Gottestreue, die den Menschen die Zunge lähmt und mich beflügelt alles über ihn herausfinden zu wollen.

Viata Induri, 19.Juni 1753

Die Leute sind einfältig wie Schafe. Das sechste Mädchen ist gestern verschwunden und wenn sie könnten, würden sie sofort für alles was ein Kleid trägt eine Ausgangssperre verhängen. So wie auch mein belämmerter und gottgläubiger Vater es bei mir versucht hat. Natürlich bin ich auch in dieser Nacht aus dem Fenster gestiegen und bin ihm gefolgt, dem Fremden. Ich weiß nicht, ob er weiß, dass ich ihm seit Tagen folge und ich weiß, was er getan hat. Immer wenn er sein Werk vollendet hat, habe ich meine Finger auf ihre Augenlider gelegt und dafür gesorgt, dass sie so aussehen als würden sie schlafen. In der Nacht sieht Blut so schwarz aus wie die Finsternis selbst, in der sich die Himmelslichter spiegeln. Das Berühren der Mädchen versetzt mich in einen merkwürdigen Erregungszustand, ganz so als wäre ich Teil von etwas Großem. Mir ist, als würder er mich beobachten und doch ist da nie jemand, wenn ich mich umdrehe. Er erbringt Opfer mit ihrem Blut an einem Platz, den er sorgfältig vorbereitet. Nach allem was ich gelesen habe in den Büchern, weiß er was er tut. Es wird nicht mehr lange dauern, dann kann er ein Portal öffnen.

Viata Induri, 13.Juli 1753

Heute Nacht stand er unter meinem Fenster. Wir sind zusammen durch die Nacht gelaufen und ich trage nun das Zeichen der Ziege auf meinem Bauch. Bald werde ich sterben und wieder erwachen und wir werden zusammen unsterblich sein. Wenn der Mond sich schwarz färbt, werden sich zwei Schatten über eine schattenlose Welt erheben und wir öffnen das Portal mit meinem Jungfrauenblut.
Viata Induri, 666, im Jahr des Bösen, eine neue Zeitrechnung beginnt
((der Eintrag ist mit veränderter Handschrift verfasst und die Tinte – ist es Tinte?! – ist braunrot, der Eintrag markiert die letzte Seite im Buch))

Ich bin gestorben unter Schmerzen und wieder auferstanden von seiner Hand. Das Sprechen fällt mir noch schwer und ich glaube noch Schmerzen zu haben. Das Portal geöffnet und sie sind gekommen auf ihren dunklen Schwingen. Ich kann sie hören. Sie und die Schreie der Menschen, die verbrennen und zu Staub zerfallen. Manche von ihnen leiden länger zur Ehre und Freude der großen Bösen. Ich darf lernen wie man Qualen verlängert und diene nun den großen Bösen. In meiner Brust hat mein Herz aufgehört zu schlagen und als mein Vater starb, habe ich in seine Augen gesehen und gelächelt. Es wird alles gut werden. Das Ende alles Mäßigen ist über diese Stadt gekommen und der Wandel ist im Gange. Betet zu eurem lächerlichen Gott am Kreuze, betet Ihr Menschen – Ihr werdet alle sterben und eure Mauern werden brennen. Ich diene den großen Bösen und werde mich über alle Begrenzungen erheben wie sie zu tun es in der Lage sind. Stirb, Viata Induri, du Heimat der Weinerlichen und Sterblichen. Es lebe das Böse in seiner mannigfaltigen Gestalt. Die Finsternis ist heraufgestiegen aus den dunkelsten Tiefen der Welt.

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Mein Dank geht OOC an die Organisatorin, Lady Aranea, die nicht nur die Idee zu dem zeitlich begrenzten und in sich abgeschlossenen RP hatte, sondern auch Viata Induri dafür zur Verfügung stellte. Die Sim ist wirklich sehenswert und hat eine ganz besondere Atmosphäre.

Außerdem geht mein Dank aber auch die tollen, kreativen und vor allem stressfreien Mitspieler, im Besonderen an den wackeren Kapitän. 🙂

Hier kann man mehr lesen, aus Sicht der unterschiedlichen Charaktere:

Aranea

Lily

Varosh

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