Sex und so

A great man once said, everything is about sex. Except sex. Sex is about power.

(Frank Underwood in House of Cards)

 

Nachdem mein Blog ein wenig in den Dornröschenschlaf gefallen ist, ließ mich Shanarys Beitrag heute früh dann doch zustimmend nicken und ein wenig schmunzeln. Es würde jede Menge Zeit brauchen um jetzt alle RP-Sims Revue passieren zu lassen, die zu den jetzt folgenden Schlüssen beigetragen haben, aber grundsätzlich und unabhängig vom Genre lassen sich folgende Dinge beobachten, die dem RP in SL wirklich wenig zuträglich sind:

 

Das „Boss auf meiner Scholle – Syndrom“

Leute haben zwar weder eine neue Idee, noch die Fähigkeit oder den Ehrgeiz, eine alte Idee gelungener zu gestalten, aber sie wollen unbedingt „was eigenes“ machen, wo sie dann der Boss sind und in Ruhe mit 1-3 Groupies herumvögeln können.

 

Das „Gesucht, gefunden, abgetaucht“ Phänomen

Man könnte meinen Leute gehen auf eine RP Sim um RP zu haben. Ob allein, zu zweit oder als Gruppe ist erstmal irrelevant, wobei zu zweit oder als Gruppe sicher einfacher sein mag. Meine Beobachtung ist allerdings, dass Leute ins RP gehen um sich einen OOC Partner zu suchen und mit dem dann in die trauer Zweisamkeit zu entschwinden. Der Zyklus der SL-Liebe dauert so etwa 2-4 Wochen. Dann tauchen sie wieder auch, greifen den nächsten ab und verschwinden wieder in ihre vermutlich mit Herzchen dekorierten Skyboxen oder auf private tropische Pixelparadiese.

 

Die „Grenzenlos Kreativen“

Sie halten sich für derart kreativ, einzigartig und brilliant, dass das Setting ihnen und ihren Ideen angepasst werden muss, falls es nicht passst. Dass es nicht passt, merken sie selbst eigentlich nie, sondern man muss es ihnen immer wieder sagen. Dann fühlen sie sich in ihrer spielerischen Freiheit eingeschränkt und machen Mimimi.  Ihnen scheint die grundsätzliche Fähigkeit Ideen IN einem Setting zu entwickeln, schwer zu fallen.

Manchmal werden sie dann zum Boss auf eigener Scholle und wundern sich, dass keiner ihre Ideen kapiert oder sehen sich plötzlich selbst mit einer Horde Grenzenloser konfrontiert.

 

Die „Unbeachteten“

Sie fühlen sich immer aus dem Geschehen ausgeschlossen. Meistens stehen oder sitzen sie etwas abseits, lesen eine Weile mit, im besten Fall grüßen sie oder werden sie gegrüßt und stellen dann fest, dass niemand sie „einbezieht“. Sie haben nicht verstanden, dass sie sich aktiv einbringen müssen, wenn sie Teil einer Szene oder eines RPs werden wollen. Wer nur da ist, ist eben nur da. Es ist die eigene Idee, die eigene Story, die einen ins Spiel bringt, nicht die bloße Präsenz.

 

Die „Rampensäue“

Rampensäue sind grundsätzlich gut für ein RP, wenn sie das nötige Taktgefühl haben, Dinge vorantreiben und dennoch die Fähigkeit haben, andere einzubinden und zu ermutigen. Fühlt sich eine Rampensau jedoch nicht genug beachtet oder wird eine Idee von den anderen Spielern nicht so aufgenommen wie erhofft, haben sie eine deutliche Neigung zum OOC Drama und mutieren zur beleidigten Diva.

 

Die „Elite-Paras“

Nein, Para steht nicht für Parasiten, sondern für Paragraph-RP. Hat man drei von ihnen in der Szene, kann man bis zum nächsten Emote kochen, die Wohnung staubsaugen und noch die Tasche für den nächsten Tag packen gehen. Vorteil: meist keiner, es sei denn man will zwischendurch noch eine Folge House of Cards bei Netflix gucken.  Nachteile: Kein RP-Fluss. Man muss gefühlte 3 Din A4 Seiten lesen um den Satz rauszufiltern, der in dem Emote eigentlich Relevanz hat. Der Rest ist Flitter, manchmal schön geschrieben, manchmal so, dass man sich wünscht, die Person würde es bei 1-2 Sätzen in korrekter, verständlicher Sprache belassen.

Manche Elite-Paras glauben, dass lange Emotes ein Synonym für gutes RP ist. Fakt ist, eigentlich halten sie oft nur den Betrieb auf und nehmen jede Dynamik aus der Szene.

 

Die „Meine Perversion für alle“ Kandidaten

Sie tragen in jedes RP ihre Version von BDSM, D/S, Fetisch oder eine sexuell dekorierte charakterliche Abartigkeit und halten es für legitim, das jedem aufzudrücken. Eigentlich spielen sie kein RP, sondern sich selbst im Kostüm. Entsprechend sensibel sind sie, wenn ihr Samen auf keinen fruchtbaren Boden fällt oder von anderen eher kritisch aufgenommen wird.

 

Die Quest-Junkies

Sie wären eigentlich in einem Computerspiel besser aufgehoben. Einloggen, NPC  aufsuchen, Aufgabe erledigen. Quest-Junkies im RP suchen sich meist einen Boss und erwarten dann, dass man sie mit abendfüllenden Aufgaben für ihr RP versorgt. Sie sind meist an der völlig fehlenden Eigeninitiative zu erkennen. Ohne Job sind sie meist in der Kategorie „Unbeachtete“ zu finden.

 

Die Dramaqueens und -kings

Schwierigkeiten mit dem/der Ex, mit vermeintlichen Stalkern, andere Spieler anschwärzen  – die Admins oder Owner sind ihre Ansprechpartner für alle „Ungerechtigkeiten“, die ihnen IC oder OOC widerfahren, wobei IC und OOC bei ihnen meisten nicht ganz trennscharf behandelt wird. Meist kündigen sie mehrfach ihr Gehen an, bleiben dann doch oder kommen wieder und haben die Tendenz zu „Gesucht, gefunden, abgetaucht“. Bis sie dann in zwei Wochen wieder mit einem psychopathischen Ex zu kämpfen haben und das natürlich auch jedem wieder auf die Nase binden müssen.

In jeder Aktivität sehen sie in jedem Fall eine Verschwörung gegen ihre eigene Person: Haben sie viel RP, fühlen sie sich gestresst und meinen, andere tun zu wenig. Haben sie kein RP, fühlen sie sich unbeachtet oder gemobbt. Dass mittlerweile viele sie aus gutem Grund einfach meiden, haben sie noch nicht realisiert oder sehen auch das als Mobbing.

 

Die Cliquenspieler

Cliquenspieler sind eine Art Verbund aus Rampensäuen oder Elite-Paras. Sie sind sich in der Regel selbst genug und halten sich für extrem gute Spieler. Deshalb spielen sie auch meist nur untereinander und im Kreis.

 

Die konsumierenden Wanderer

Sie haben meist Gruppen von 3-5 aktiven RP Sims im Profil und springen von Action zu Action. Manchmal schaffen sie es auch tatsächlich sich 14 Tage mal irgendwo einzubringen, aber in der Regel folgen sie den Ansammlungen grüner Punkte wie wie Lemminge dem Ruf der Klippe. Die konsumierenden Wanderer sorgen für eine Traffic-Wellenbewegung, die sich gleichmäßig wie Ebbe und Flut über alle RP-Sims zieht.

 

Was man dagegen tun kann? Nichts. Entweder nimmt man die Dinge, wie sie sind oder man hört auf, den Leuten eine RP-Plattform anzubieten. Klar, einige Phänomene kann mit strikten Regeln und Konsequenz eindämmen, andere aber auch nicht. Solange jede Woche zwei neue RP Sims eröffnen, hat jeder Spieler die Möglichkeit sein persönliches Muster und sei es noch so schädlich für das Rollenspiel, immer und immer wieder zu inszenieren.

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Comments
5 Responses to “Sex und so”
  1. ganzbaf sagt:

    was bleibt da noch? oder anders ausgedrückt, man kann jeden menschen in eine schublade packen, diese beschriften und schließen. menschen sind herdentiere, wie gnus, solange auf dem weg zum wasserloch, bis sie elendig verenden. die viel gepriesene individualität ist schwachsinn, da nicht existent. nach diesen lebensbejahenden zeilen schreiten wir zur erläuterung:

    ich erkenne mich in einigen deiner aufgelisteten kategorien. manchmal eine rampensau, manchmal ein fetischist oder besser ausgedrückt, das ausleben der liebhaberei zum irrsinn und chaos. und manchmal eben einen cliquenspieler, einfach weil es mit den leuten gut geklappt hatte und man sich versteht. offen gesagt, ich kann daran nichts schlimmes finden. solange man das grundsetting einhält und etwas zur geschichte beiträgt, zumal sich der char verändert mit der zeit. angefangen hatte ich mit einem irren, der 3 persönlichkeiten inne hatte. das war aber für alle (mich inkl.) schwer und vorallem völlig unübersichtlich, da hilft auch kein titler über dem kopf. am schluss von nyc waren es dann noch 1,5 persönlichkeiten. auf penny island ist noch eine übrig geblieben, die derzeit eine wandlung vom fleischindustriellen zum kleindealer durchlebt. es braucht eben seine zeit, da ich nur mittwochs spielen kann. btw. ich habe auch nichts dagegen, wenn jemand anderes das restaurant als spielstätte in meiner abwesenheit nutzt und dann mittwochs eben einen ruhetag einlegt. 😉

    was aber auf jeden bleiben wird, dass ich mittwochs meine anwesenheit und bereitschaft zum außerhäusigen rp im gruppenchat, wie auch immer geartet, ankündigen werde. ;P

  2. shanary sagt:

    Lach, du hast es noch deutlicher formuliert, man sollte ein Buch herausbringen. Ein SL RP Nachschlagewerk. 🙂

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