Unter dem Mantel des Schweigens…

…ist schon manches erstickt, was man doch behüten wollte.

Ermuntert von der freundschaftlichen Wärme, die Lady Freya ihr entgegengebracht hatte, hatte Eleah das Schwarz wieder abgelegt und verließ ihre Kemenate häufiger um an die frische Luft zu gehen. Freya Stark hatte nun eine Wölfin als Begleiterin. Wer wen zum Begleiter erwählt hatte, war in diesem Falle durchaus fraglich. Eleah hatte gleich am ersten Tag die Zugänglichkeit des Tieres gespürt, dessen Geist so weich und offen war, dass die fast ohne Absicht einen Augenblick mit den Augen der Wölfin gesehen hatte. Trotz der wachsenden Vertrautheit, wagte Eleah es nicht, gegen Ryans Gebot zu verstoßen und sich Freya anzuvertrauen. Zu tief saß die Angst, als „Tierling“ bezeichnet zu werden und so dem Haus Forrester zu schaden.

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Es war gar nicht so leicht gewesen, ihr Schweigen zu bewahren. Denn Lady Freya sprach das Thema ganz von sich an, als habe die Vertrautheit der Wölfin das Interesse daran geweckt: Gestaltwandler, so erinnerte sie sich, hatten eine Fähigkeit, die noch von den ersten Menschen stammte. Und es war gar nicht so selten, dass sie sich in dieser Fähigkeit verloren. Dabei hatte sie Eleah prüfend gemustert. Aber die hatte den Kopf geschüttelt und behauptet, davon nichts zu wissen.

Als sie ihrem Gemahl von der Wölfin erzählte, war der in seiner gewohnt sturköpfigen Art der Meinung, dass ein Wolf kein Haustier sei, selbst wenn er das Wappentier der Starks sei – schließliche führe ja Lord Mormont auch keinen Bären spazieren. Eleahs langsam besser werdende Laune konnte seine laut kundgetane Meinung jedoch nicht trüben und auch Freya nahm es humorvoll, als sie am Abend des folgenden Tages gemeinsam vor dem Burgtor standen.

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Die Stimmung veränderte sich erst, als Lady Freya Ryan die Ereignisse vor, während und nach der Befreiung von Alester Glover schilderte. Eleah blickte ihrem Gemahl ins Gesicht und erkannte auch ohne dessen geballten Fäuste, dass das Schweigen, das sich auf der gesamten Insel mit der Gefangennahme des Eisenmannes ausgebreitet hatte, ihn nicht erfreute. Nun erfuhren sie, dass Cypria Schnee verdächtig war irgendeinen Dolch zum Alester Glover gebracht zu haben, außerdem hatte Alester Glover offenbar nicht nur bei seiner Befreiung tobend auf seine Befreier eingeprügelt, sondern auch nach Verbringung auf die Bäreninsel Ser Robin niedergestreckt, so dass dieser mit ernsthaften Verletzungen fürs erste außer Gefecht war. Währenddessen hüllte Lord Mormont sich weiter in Schweigen.

Eleah sah Freya aufmerksam an. Sie erkannte zwei Dinge: Freya Stark versuchte Ryan zu besänftigen und Lord Mormonts Schweigen damit zu erklären, dass er nun über die ungute Situation nachdenken musste, in die Alester Glovers Angriff auf Ser Robin die Häuser Mormont und Glover gebracht hatte. Außerdem war in Freyas Gesicht eine gewisse Wut darüber abzulesen, dass der von ihr gestellte Eisenmann auf verräterische Weise aus der Bärenburg verbracht werden konnte.

Eleah indessen war durchaus erleichtert, dass Ryan sein Leben nicht für den verkommenen Drittgeborenen seines Lehnsherren hatte einsetzen müssen. Aber was blieb, war die Tatsache, dass Mormont trotz der vorigen Absprachen niemanden der Lords der Nordens ins Vertrauen gezogen hatte. Was den Norden hatte einen sollen, drohte nun den Frieden mit erneuten Heimlichkeiten zu belasten. Er habe die Söhne der hohen Häuser nur schützen wollen, hatte Freya versichert.  Aber wo ein Gespräch hätte Klarheit schaffen können, hatte es nur wieder Schweigen gegeben.

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Als Ryan sich Richtung Schmiede aufgemacht hatte, kam das Gespräch zurück auf die Reise zum Letzten Herd. Freya wollte sie auf dieser Reise begleiten und würde wohl Ser Robin zu ihrem Schutz mitnehmen – vorausgesetzt, dessen Genesung schritt schnell genug voran. Eleah versprach ihren Großeltern zu schreiben und die ersten Vorbereitungen zu treffen. Der Zeitpunkt war günstig.

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