Dunkle Schwingen, dunkle Worte

Die vom Wind bewegten Äste zeichneten dunkle Muster auf ihr ohnehin schon schwarzes Kleid. Vom letzten Herd war eine Antwort eingetroffen, nur leider nicht die, die sich Eleah von ihre Großeltern erhofft hatte. Es war Lord Umber selbst, der sie darüber in Kenntnis setzte, dass ihre Mutter nicht mehr zu antworten vermochte. Der sie wissen ließ, dass Lady Corin bei einem Unwetter mit ihrem Pferd einen Abhang hinuntergestürzt war und der Maester ihr nicht mehr helfen konnte. Die Beisetzung hatte auf Highpoint stattgefunden. Ohne Eleah. Dort lag Lady Corin nun als Lady Whitehill in der Familiengruft.

Eleah war unfähig eine Träne zu vergießen. Es war als sei sie von einer Eisschicht umgeben, außen wie innen, die ihr Gesicht lähmte und ihr die Brust beim Atmen schmerzen ließ. Sie sprach mit niemandem mehr außer Ryan und nahm von niemandem mehr Notiz. Die Tage auf der Bäreninsel zogen dahin. Tag und Nacht wechselten ohne dass es sie berührt hätte. Ryans blieb bei ihr, ohne sie zu bedrängen, hielt ihre Hand, ohne zudringlich zu werden. Aber erst als er sie eines Tages in seine Arme gezogen hatte, war das Eis aufgebrochen und heiße Tränen waren aus ihren Augen gestürzt. Es war vorbei. Und sie konnte nichts mehr tun.

Fast nichts. Es gibt etwas, das deine Mutter für dich hiergelassen hat, Eleah.  Als sie Ryan davon erzählte, versprach er, dass sie so bald wie möglich zu den Umbers reisen würden. Sobald es die Umstände zuließen. Denn noch war die Sache mit Alester Glovers Befreiung in der Schwebe und Ryan fühlte sich Lord Mormont verpflichtet seit dem letzten Gespräch über den möglichen Befreiungsschlag durch den Vereinten Norden.

Was daraus geworden war, wussten nur die Götter. Seit Tagen war die Bäreninsel wie ausgestorben. Die fertig bestickte Säuglingsdecke für die Tallharts wartete geduldig in Eleahs Truhe. Sie hatten weder den netten, noch den unausstehlichen Manderly und auch nicht die junge Lady Mathilda getroffen. Nicht Mori, nicht ihren Bruder und dessen Weib. Nicht den Waldläufer, der so gern in Rätseln sprach. Nur Lasse und Nairna waren sie vor der Nachricht der Umbers noch auf dem Markt begegnet. Freya arbeitete an einer wichtigen Rezeptur und konnte nicht zugegen sein. Lord Mormont verbrachte seine Tage still in der Abgeschiedenheit seiner privaten Räume.

Es konnte kaum die Sorge um den drittgeborenen Glover-Spross sein, die alle so lähmte. Eleah war sich sogar sicher, dass der überwiegende Teil Alester lieber tot als lebendig sähe. Es war etwas anderes. Etwas, das man so deutlich spürt wie die Anwesenheit eines Verfolgers in einer dunklen Gasse, ohne sich umzudrehen. Etwas, für das man einen anderen Sinn brauchte, als zu sehen, zu hören oder zu tasten. Es ließ die Felsen karger wirken, die hart arbeitenden Fischer ärmer, das Meer kälter und den Wald dunkler. Eleah hätte gern mit Freya darüber gesprochen, aber dafür musste sie sich gedulden.

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