Das Büchlein mit dem bestickten Einband (11)

Ein langer Aufenthalt auf Ironrath liegt hinter mir. Bei unserer Rückkehr fanden wir die Bäreninsel äußerlich unverändert vor. Die Fischer gingen ihrem üblichen Tagwerk nach und Lärm veranstalteten vor allem die kreischenden Möwen an der Anlegestelle. Statt uns gleich zurückzumelden, gönnten wir uns ein Bad in einer der eisigen Buchten. Eisig fühlte sich das Wasser zwar an, aber ich weiß, dass es sogar recht warm war für die Bäreninsel.

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So hielten wir es auch nicht lange im Wasser aus und suchten nackt und nass einen windgeschützten Platz zwischen einigen Felsen auf, wo wir einander wärmten. Der Segen der Götter lässt immer noch auf sich warten. Nach meinem letzten Mondblut habe ich damit begonnen Lady Freys Trank einzunehmen. Solange die Götter uns ihren Segen noch verwehren, versuche ich so gelassen zu bleiben wie Ryan. Er sagt, dass wir noch jung sind und uns viele Jahre bleiben um eine Menge Kinder zu zeugen. Ich glaube er hat Recht. Es gibt keine Eile in dieser Sache, aber jeden Grund jede Minute und jede Stunde mit meinem Gemahl zu genießen. Es kann jedenfalls nicht daran liegen, dass wir zu wenig beieinander lägen. Manchmal komme ich mir fast vor wie ein Freudenmädchen und nicht wie seine Gemahlin.

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Lasse redet mir täglich ins Gewissen, dass ich nicht zu viel Zeit mit dem Fliegen verbringen darf. Er sagt, dass Jax kein guter Begleiter für mich ist und dass ich Anleitung brauche, damit ich mich nicht verliere. Ich weiß nicht genau was er meint. Wie kann ich mich verlieren, wenn ich Ryan hier habe, der auf mich wartet? Es ist wahr, so manches Mal, wenn Ryan in den Wäldern unterwegs war, habe ich den ganzen Tag verträumt und bin mit Jax geflogen, habe mit seinen Augen und auf seinen Schwingen den Wolfswald durchquert, gejagt und mich in Acht genommen vor den Krähen und Falken. Seine Beute war meine Beute und wenn ich erwachte, war noch der Geschmack von Blut in meinem Mund ich fühlte mich satt und zufrieden. Ironrath ist ein Gefängnis verglichen mit dem Wald vor seinen Toren. Und auch auf der Bäreninsel darf ich mich nicht mehr frei bewegen auf meinen eigenen Beinen.

Lady Dannya ist wieder gesund, aber der Überfall auf sie war hart und brutal und alle haben um ihr Leben gebangt. Aber die große Neuigkeit erfuhren wir am Tag nach unserer Rückkehr von Lord Mormont: Offenbar ist Alester Glover in Gefangenschaft auf einer der Eiseninseln geraten. Man hatte einen Eisenmann aufgegriffen und gefangen nehmen können, der sich heimlich mit Cypria Schnee getroffen hatte um dieser wohl von Glover versprochenes Gold abzunehmen, damit man ihn wieder laufen ließ. Dieser Plan wurde jedoch vereitelt und nun sitzt der Unhold hinter Gittern und soll den Aufenthaltsort von Alester preisgeben.

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Mir ist völlig klar, dass Ryan dem drittgeborenen Sohn seines Lehensherrn für einen üblen Maulhelden hält, der sich genau dieses Schicksal verdient hat mit seinem unsinnigen Gebaren die Eisenmänner betreffend, aber er wird sich kaum entziehen können, wenn Mormont zu den Waffen ruft und sie in See stechen um Alester zu befreien. Der Gedanke, dass er dorthin gehen wird, auf diese Inseln, wo sie einen ertrunkenen Gott anbeten, versetzt mich in Angst und Schrecken. Wenn ich ehrlich bin, dann wünschte ich man würde Alester im feuchten Kerker verschimmeln lassen statt das Leben vieler guter Männer aufs Spiel zu setzen: Stark. Mormont. Manderly. Tallhart. Und meinen Ryan. Ich würde ihn gern anflehen, sein Schwert nicht in diesen Kampf zu führen, aber ich darf das nicht tun und es wäre auch vergebens. Es gibt kein stärkeres Band als die Pflicht und die Ehre. Und wenn der Norden gegen die Eiseninseln zieht, dann gibt es keinen ehrenhaften Ausweg. Ich darf nicht daran denken, was geschehen würde, wenn ich Ryan verlöre. Mein ganzes Schicksal hängt von seinem Wohlergehen ab. Ich brauche mir gar nicht erst die Frage zu stellen, was seine Mutter mit mir tun würde, wenn Ryan nicht mehr in der Lage wäre mich zu schützen.

Lord Mormont hat am gestrigen Abend mit keinem Wort erwähnt, dass Lord Stark eine Verbindung zwischen Lady Freya und diesem Graufreud wünscht und ich wagte nicht danach zu fragen. Vermutlich soll der Mantel des Schweigens darüber liegen und ich bin mir sicher, dass Lady Dyrkas lose Zunge nicht im Sinnes des Lords der Bäreninsel war. ich weiß etwas, das ich nicht wissen sollte. Wenn aber Lord Stark eine Verbindung zwischen diesen Häusern wünscht, wie kann es ihm dann Recht sein, wenn Mormont gegen die Eiseninseln zieht? Dieser Gedanke beunruhigt mich. Ich werde Lady Freyas Einladung annehmen und heute das Gespräch unter vier Augen mit ihr suchen. Den Norden zu einen um Alester Glover zu befreien und den Eisenmännern eine Lektion zu erteilen mag eine ehrenvolle Sache sein, aber gegen den Willen von Lord Stark zu handeln? Er ist der Wächter des Nordens.

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