Das Büchlein mit dem bestickten Einband (9)

((der Rand der Seite ist ein wenig angeknabbert, so als hätte eine ungeduldige junge Eule sich an ihr zu schaffen gemacht, während Eleah schrieb))

Von Lady Freya werde ich in den nächsten Tagen einen Trank erhalten. Damit er aber die bestmögliche Wirkung entfalten kann, soll ich  unmittelbar nach der nächsten Blutung mit der Einnahme beginnen. Ich werde ihn sicher in meiner Truhe verwahren und muss erneut Geduld aufbringen. Lady Freya erzählte noch etwas von einem alten Stein im Wald, der uns etwas über unser Schicksal verraten kann. Ich war ehrlich und habe gesagt, dass ich von meinem Schicksal gar nichts wissen möchte. Angenommen es nimmt ein blutiges Ende oder werde niemals einen Sohn bekommen oder ich werde frühzeitig Witwe. All das will ich nicht wissen, sonst kann ich keine einzige Stunde mehr glücklich sein.

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Der Anlass des Gesprächs mit Lady Freya war allerdings ein anderer. Sie hatte Ryan gefragt, ob er erneut mit gegen die Eisenmänner ziehen würde, wenn Mormont zu den Waffen befiehlt und inwiefern unsere Verpflichtung den Glovers gegenüber sich auswirken könnte. In Anbetracht des wie ein Waldbrand auf der Insel schwelenden Misstrauens bekam er die Frage in den falschen Hals und reagierte unklug gereizt, gleichwohl er klar machte, dass er nicht dem drittgeborenen Sohn verpflichtet sei, sondern dem alten Lord Glover. Und dass immer noch über allen Vasallenhäusern das Haus Stark steht. Ich besänftige ihn und riet ihm dann, eher mit Lord Mormont zu sprechen, sobald dieser zurückkehrt. Lady Freya scheint sich zwar sehr für politische Angelegenheiten zu interessieren, scheint mir aber für Ryans aufkommende Fragen nicht die Verantwortliche zu sein.

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Ryan war nicht der einzige, der gestern etwas gereizt reagierte. Ich selbst geriet mit der Zofe von Lady Charis aneinander und hätte große Lust gehabt mich mit ihr zu raufen wie früher mit meinen Brüdern, wenn sie mich aufzogen. Leider muss ich davon absehen. Das würde sich noch viel weniger schicken und die Ladies waren ohnehin schon schockiert über mein Mundwerk. Ich frage mich, warum eine Lady beständig so tun muss, als könne sie nur freundlich lächeln und Blüftendüfte furzen. Wenn ich zornig bin, bekommt das jedenfalls jeder mit und weiß, woran er ist.  Natürlich bin ich damit meinem Vorsatz meine Gefühle zu verbergen, kein Stück näher gekommen und damit auch kein Stück näher dran eine richtige und würdevolle Lady Forrester zu werden. Absurderweise fühle ich mich für mich selbst viel würdiger, wenn ich offen zeige, was ich fühle und denke. Wie ich dieses Problem lösen kann, weiß ich noch nicht.

Jax ist immer noch bei mir. Ich versuchte gestern ihn zurück in den Wald zu schicken, aber das erwies sich als schwieriges Unterfangen. Er flog immer nur kurz davon und kehrte dann zurück auf meine Schulter. An der Brücke traf ich dann zwei seltsame Fremde und ich könnte beschwören, dass die beiden zusammen über die Brücke kamen. Der Mann trug einen schwarzen Umhang, die Kapuze ungewöhnlich tief ins Gesicht gezogen – so wie es nur Leute tun, die etwas zu verbergen haben. Er stellte sich vor als der Bastard eines Lords aus den Flusslanden mit Namen Schnee! Die Frau starrte vor Schmutz, hattte offenkundig nicht mehr wirklich alle Latten am Zaun und suchte Anstellung auf einem Hof. Ein ungleiches Paar und als Ryan hinzu kam, machte er den Kerl auch gleich darauf aufmerksam, dass man Bastarde in den Flusslanden nicht Schnee nennt. Es flogen noch einige Worte hin und her, aber als Ryan die Hand an den Schwertknauf legte und ich langsam hinter ihn trat, verließen beide – obwohl sie vorgaben nichts miteinander zu schaffen zu haben – über die Brücke das Dorf und verzogen sich Richtung Stallungen und Wald.

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Lasse habe ich angewiesen mit Ser Manderly, dem Älteren, einen trinken zu gehen. Ich hoffe darauf, dass Manderly ordentlich mit seinen Heldentaten prahlt und ich mir so ein Bild davon machen kann, ob und wie gut er mit einem Schwert umgehen kann.

Ansonsten gibt es nicht viele Neuigkeiten. Bisher kam kein Rabe aus Ironrath, was mich verwundert, weil Ryans Mutter doch sonst nur schwer von ihrem Sohn lassen. Und  es kam auch kein Rabe von Ser Rickard, der für meinen Gemahl nach Castamere reisen wollte. Ah, wo ich jetzt von den Raben schreibe, fällt mir doch noch etwas ein: Ein Maester ist auf der Bärenburg eingetroffen, den offenbar die Zitadelle geschickt hat um die Tierwelt der Insel zu studieren. Er war von Jax ganz angetan und sagte, Jax sei keine Eule, sondern ein Bartkauz. Für einen Maester sieht er ziemlich verwegen aus mit seinen Narben im Gesicht und seiner Augenklappe. Es leuchtet mir aber ein, dass nicht alle Maester schon alt und runzlig das Licht der Welt erblicken, es muss also auch jüngere unter ihnen geben als die, die ich bisher kennen lernte.

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