Das Büchlein mit dem bestickten Einband (2)

Zurück auf der Bäreninsel.

Ich kann nicht sagen, dass es mir schwergefallen ist, Ironrath zu verlassen. Der Tod scheint wie Pech an seinen Burgzinnen zu kleben, während der alte Lord mit jedem Atemzug mit dem Tod ringt. Ein Kampf, den er nicht gewinnen kann, sagt der Maester. Selbst das Lachen der Mägde, wenn sie Hühner rupfen im Burghof, klingt nicht so fröhlich wie es einmal war. Am schwersten waren die Tage, als Ryan fort war um das Holzfällerlager zu besuchen. Rickards unerträgliche Eingenommenheit von seiner eigenen Person. Die Blicke von Lady Forrester beim Essen, wenn sie überhaupt für wenige Momente die Gemächer verließ und vom Bett ihres Gemahls wich. Zwischen all den düsteren Gedanken, die mich quälten, versuchte ich zu Lady Lyanna einen Kontakt aufzubauen. Liebt sie Rickard, das Scheusal? Und wenn ja, wie kann sie nur?

In den Nächten, in Ryans Armen, lässt sich die Kälte und die Dunkelheit vergessen. Wenn ich fühlender Leib bin und zum Gefäß werde. Für sein heißes, bebendes Fleisch und seinen klebrigen Samen. Das sind die Momente, wo ich spüre, dass alles richtig war und alles gut werden wird. Bald werden wir ein Kind haben, bald. Ich will weiter zuversichtlich sein. Was ist schon ein Jahr? Wir sind noch jung und der Erfolg wird sich bald einstellen.

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(Gespräch mit Lady Freya)

Lady Freya suchte mich auf um mir ein mit Kräutern gefülltes Säckchen für meine Truhe zu bringen, das duftet und Ungeziefer fernhält. Die Gelegenheit nahm ich wahr um sie zu fragen, was ich tun könnte um endlich ein Kind zu empfangen. Sie sagte, sie könnte nicht mit Sicherheit sagen, dass die Verzögerung auf meiner Seite begründet läge, solange man nicht weiß, ob Ryan vielleicht schon einen Bastard gezeugt hat. Aber das wirklich Beunruhigende an dem Gespräch war ihr Hinweis darauf, dass es unter Umständen eine von Menschenhand erzeugte Verzögerung war, hervorgerufen von jemandem, der mir übel gesinnt ist und nicht will, dass ich den Erben von Ironrath unter dem Herzen trage. Sie sprach von Tränken, die in mein Essen gemischt, solcherlei bewirken könnten. Ich erschrak darüber sehr. Auch wenn ich versucht habe, meine Gefühlsregungen zu verbergen, trage ich nun die Saat des Misstrauens im Herzen und bin noch glücklicher darüber, dass Ironrath hinter mir liegt. Zumindest für eine Weile. Ich werde Lady Freya wieder aufsuchen, wenn die Blutungen vorüber sind, auch wenn ich die alten Götter darum angefleht habe, dass die Blutungen ausbleiben.

Und doch sind sie da. Und mit ihnen kamen die Träume wieder. Diesmal war es eine Wölfin. Ich konnte das Saugen der kleinen Welpenschlünder an meinen Zitzen spüren und spürte ihr feuchtes Fell unter meiner Zunge. Wenn sich eines zu weit aus dem Bau wagte, packte ich es sanft mit meiner Schnauze und trug es zurück zu den anderen. Wenn ich aufwache, finde ich mich wieder in meinem Bett, meinen Leib leer und blutend. Aber diese Träume sind beunruhigend schön. So schön, dass ich mich darin verlieren könnte. Ryan sagt ich sei blass. Ich werde in den nächsten Tagen mehr an die frische Luft gehen und ein wenig die Bäreninsel erkunden. Meine Gedanken müssen leicht und frei sein, glaube ich. Das ist unseren Plänen zuträglicher.

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(vor der Bärenburg mit Lady Dyrka und Orchi)

Von Lady Dyrka erfuhren wir, dass Alester Glover jede Gunst bei Lord Mormont verspielt hat. Offenbar gab ein Wort das andere und schließlich wurde Alester beleidigend, so dass Mormont ihn der Insel verwies und ihn zum toten Mann erklärte. Zumindest klang es bei Lady Dyrka so, aber ich glaube sie hat einen tiefen Hang zu Übertreibungen, nicht nur was ihre Gewandungen angeht. Sollte das Haus Glover dies als Kriegserklärung betrachten, kommt auf uns eine schwierige Zeit zu. Als Vasallen der Glovers müssten auch wir vermutlich die Insel verlassen und unserem Lehnsherrn beistehen, obwohl unser Mitgefühl Lord Mormont mehr gilt als den Glovers. Aber hier bleibt uns nichts als abzuwarten.

Mit Lord Rannug Regn schloss ein Ryan ein Geschäft über Eisenholz ab. Er braucht außerdem einige unserer Handwerker um es vor Ort verarbeiten zu können sowie eine Truppe Bogenschützen zur Absicherung. Was den Handel mit Eisenholz angeht, freue ich mich für Ryan. Er ist dabei die Geschäfte der Forresters zu übernehmen und das mit Erfolg. Was die Bogenschützen angeht, so plagt mich ein ungutes Gefühl. Womöglich geraten wir in Gewässer, die uns mit Untiefen überraschen, denen wir nicht gewachsen sind. Unser Heim ist der Wolfswald. Wir kennen uns aus im Norden und nicht umsonst sagt man, dass das Gespinst der Intrigen im Süden dichter gewebt ist.

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(mit Lord Regn bei den Verhandlungen)

Am gleichen Abend traf überraschender Besuch auf der Bäreninsel ein. Die Tür der Schenke tat sich auf und herein trieb es Rickard Baratheon und Lady Lyanna. Der Schreck fuhr mir durch alle Glieder, als ich gewahr wurde, dass die harmonische Zweisamkeit mit Ryan fern von Ironrath unter Umständen gestört werden könnte. Hat Lady Forrester ihren Bruder geschickt um aus der Ferne ein Auge auf uns zu haben? Zu meiner Schande muss ich mir eingestehen, dass ich am folgenden kleinen Disput nicht ganz unschuldig war. Aber der Gedanke, dass Rickard eines von unseren Pferden tötet, weil er mit dem Tier nicht umzugehen in der Lage ist, bringt mein Blut in Wallung und die Art wie er sich mit Grausamkeiten brüstet, lässt meine Zunge unvorsichtig werden.

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(hereingeweht: Rickard und Lyanna)

Gestern spielte der Zufall uns eine junge Frau in die Hände, die eine Anstellung auf der Bäreninsel suchte. Ryan gewährte ihr einen Vertrauensvorschuss und einige Münzen, damit sie die Nacht nicht im Freien verbringen musste. Sie gab mir im Gegenzug den Schal ihrer Mutter als Pfand zur Verwahrung und ich bot ihr an, dass ich sie zur Probe als Zofe anstelle. Wir werden sehen, ob die jungen Frau – Mori mit Namen – Wort halten wird oder auf und davon ist.

Den Abend verbrachten wir mit einem Vorstellungbesuch bei den Tallharts. Anders als der Besuch bei Lady Charis, bei dem Ryan erneut versuchte diese der Lüge zu überführen und ich mich ein wenig schämte über seine Hartnäckigkeit in dieser Sache, war der Besuch bei den Tallharts angenehm und unbelastet. Lady Ariana bat uns freundlich herein und wir kamen schnell ins Plaudern. Später am Abend stieß auch ihr Gemahl hinzu. Ich war gelöst und entspannt, bis Lady Ariana fragte, ob wir schon Kinder hätten. In diesem Moment war es mir, als sei mir plötzlich der Raum zu eng und die Luft darin zu wenig um noch atmen zu können. Ich stammelte eine Entschuldigung und floh aus der behaglichen Kate ins Freie.

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(bei Tallharts daheim)

Ich werde in den kommenden Tagen noch einmal hingehen und mich für mein Verhalten entschuldigen. Lady Ariana schien interessiert an den alten Ammenmärchen über den Winter und die Mauer und die unheimlichen Wesen, die jenseits der Mauer lauern sollten. Wenn mein Verhalten sie nicht allzu sehr brüskiert hat, kann ich meinen plötzlichen Aufbruch vielleicht damit wieder gut machen.

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