Das Büchlein mit dem bestickten Einband (1)

Ich will der Ordnung halber chonologisch vorgehen, denn manches, was zuerst unwichtig erschien, hat sich im Nachhinein doch als bedeutungsvoll herausgestellt.

Von Lord Mormont wurden wir auf der Bäreninsel freundlich aufgenommen und mir schien, dass ein Band besteht zwischen Lord Forrester und Lord Mormont, gewoben aus Freundschaft und geschmückt von Ehre. Uns wurde ein Gemach im unteren Teil der Burg zugewiesen, nicht luxuriös, aber behaglich und mit allem Notwendigen ausgestattet. Dort verlebten wir einige glückliche Nächte und die Tage waren erfüllt mit dem Kennenlernen der Bewohner der Feste und der Bäreninsel insgesamt. Niemand anderes war ich dort als Eleah Forrester, Ryans Frau. Und man nahm mich herzlich auf und ohne Vorbehalte. Eine Cypria Schnee sorgt für das leibliche Wohl auf der Burg. Wessen Bastard sie ist, getraute ich mich nicht zu fragen, verrichtet sie doch ihre Arbeit gut und hat ein angenehmes Temperament. Neben Cypria lernte ich noch die Hofdame kenne, die Orchi gerufen wird und von etwas stämmigem Körperbau ist.

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Zu meiner Verwunderung weilen auf der Bäreninsel noch einige Mitglieder namhafter Häuser von Westeros: So machte ich Bekanntschaft mit  Ser Jonathan Manderly, Lady Freya Stark – offenbar als Mündel aufgewachsen bei Lord Mormont und seiner Gemahlin – und Lady Charis aus dem Hause Vikary. Warum Lannister-Vasallen so weit im Norden weilen, vermag ich nicht zu beurteilen, aber mir scheint es liegen persönliche Beweggründe vor, um die allein Lady Charis weiß. Ryan hat versucht mehr zu erfahren, aber sie verschloss sich nur wie die Blüte einer Nachtviole, wenn es Tag wird.

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Ryan, den ich so sehr liebe, hat sich mit seinen Fragen vermutlich keine Freundin in Lady Charis geschaffen. Auf der Burg lebt außerdem die Schwägerin von Lord Mormont, Lady Dyrka. Sie stammt aus Rosengarten und neben ihr in ihrem schillernden Gewändern und mitsamt ihren exotischen Kopfputzen, komme ich mir fast vor wie eine Magd. Ich weiß nicht wie lange sie schon Witwe ist und wie lange der Tod von Lord Mormonts Bruder her ist, aber offenbar ist das Haus Mormont von einigen Schicksalsschlägen gebeutelt worden. So deutete Lord Mormont auch den Verlust eines Kindes an. All dies mag seine Gastfreundschaft und sein ausgleichendes Temperament in allen Streitfragen zum Teil erklären. Er ist ein Lord, den die Bewohner mehr achten als dass sie ihn fürchten müssten. Gerade deshalb hat Lord Forrester Ryan vermutlich zu ihm  auf die Bäreninsel geschickt, damit er von Lord Mormont lernen kann.

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Die Bäreninsel sieht sich in Bedrängnis durch einige Überfälle durch Eisenmänner. Es ist aber unklar, ob diese Überfälle über das übliche Maß hinausgehen und vor allem – ob sie unter Umständen provoziert wurden vom Vorgehen des Alester Glover, dem drittgeborenen Sohn des Hauses. Ryan geriet damit in eine unangehme Lage. Die Forresters sind Vasallen des Hauses Glover, aber ich konnte deutlich spüren, dass er Alester Glover für einen Maulhelden und unter Umständen sogar Schlimmeres hält. So kam es denn auch zu einem Streit zwischen den beiden. Ich hoffe und bange für Ryan, dass er nicht zwischen die Fronten gerät, die sich offenbar zwischen Lord Mormont und dem Spross der Glovers langsam aufbauen.

Neben Manderly, Glover, Vikary und Stark, weilen auch noch Mitglieder des Hauses Tallhart auf der Insel. Allerdings war die Bekanntschaft mit den Tallharts eher flüchtig und konnte in der Kürze der Zeit noch nicht vertieft werden. Viel zu kurz war die Zeit, denn wir sind wieder zurück in Ironrath. Zumindest vorläufig. Lady Forrester hatte einen Raben gesandt, dass es noch schlechter um den alten Lord Forrester steht und so war unsere Anwesenheit auf Ironrath notwendig um ihm in seinen letzten Stunden beizustehen.

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Die Begrüßung zwischen Mutter und Sohn fiel herzlich aus, aber als sie mich kurz in ihre Arme schloss, hatte ich das seltsame Gefühl von totem, kaltem Holz berührt zu werden. Lady Forrester hat von Anfang an keinen Hehl daraus gemacht, dass sie mir misstraut und Ryan lieber in einer anderen Verbindung gesehen hätte. Mittlerweile bewahrt sie oberflächlich den Anschein als sei ich Teil des Hauses Forresters geworden, aber ich spüre, dass immer noch eine Wand zwischen uns ist. Und ich bin immer noch nicht in freudiger Erwartung. Ein Jahr sind Ryan und ich nun schon verbunden und ich nähere mich meinem Gemahl so oft es geht und tue es auch gern, so gern wie Ryan mit mir sein Lager teilt und wir uns leidenschaftlich verbinden. Aber es will sich einfach kein Erbe ankündigen.

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Ryan schlug vor, dass ich den Maester aufsuche und um Rat bitte, aber da ich nicht weiß, wie viel vom Maester an Lady Forrester getragen wird, werde ich abwarten und eine andere Lösung finden, sobald wir wieder auf der Bäreninsel sind. Das Mündel von Lord Mormont, Lady Freya Stark, scheint heilkundig zu sein und unter Umständen fällt es mir leichter, die Sache mit einer Person zu bereden, die nicht dem Haus Forrester verpflichtet ist.

Aber zurück zum Grund unserer Rückkehr nach Ironrath. Lord Forrester weilt nur noch als Schatten seiner selbst unter uns. Er ist nicht mehr in der Lage das Bett zu verlassen und nur noch in wenigen Momenten wach und ansprechbar. Als ich ihm meine Aufwartung machte, wollte er mir etwas sagen, aber seine Stimme war zu schwach. Also brachte ich mein Ohr dicht an seinen Mund und lauschte den Worten, die möglicherweise seine letzten an mich sein würden, bevor Ryan und Lady Forrester den Raum betraten.

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Halte deine Freunde nah, aber deine Feinde noch näher.

Lady Forrester bekam gerade noch mit, wie ich mich wieder aufrichtete und als ich für Ryan Platz machte, stellte sie sich direkt hinter mich. Ich kann nicht umhin, vor mir selbst zuzugeben, dass ich sie derart ungern in meinem Rücken habe, dass sich meine Arme mit Gänsehaut überzogen in diesem Moment.

Als Ryan vom Sterbebett seines Vaters in die große Halle zurückkehrte, nahm er zum ersten Mal den Platz am Kopfende des Tisches ein. Der Maester hatte ihn nicht im Zweifel darüber gelassen, dass es nur noch eine Frage von Stunden oder Tagen war und keine Aussicht mehr auf Genesung des alten Lord Forrester bestand. Ryan musste nun die Geschicke des Hauses führen. Und ich, so erkärte er unumwunden, würde bald Lady Forrester sein, ob es seiner Mutter gefiel oder nicht.

Um meiner neuen Aufgabe gerecht zu werden, kümmerte ich mich bereits jetzt um die am Vortag angereisten Gäste aus den Sturmlanden. Ser Rickard Baratheon, der Bruder von Lady Forrester, sowie seine Gemahlin Lady Lyanna. Rickard Baratheon war mir vom ersten Moment an zutiefst zuwider, aber ich hülle meine Abneigung in ein freundliches Lächeln. Er behandelt sie Mägde grob und herablassend und sein Gemüt scheint von Grausamkeit geprägt zu sein, die er als notwendige Härte bezeichnet. Ein Pferd zu töten, weil es vor dem Wolfsgeheul scheut und ihn abwirft…

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Doch es erscheint mir unklug mir noch mehr Feinde auf Ironrath zu schaffen und wie es aussieht, wird er eine Weile bleiben und seiner Schwester Beistand leisten. Seine Gemahlin, Lady Lyanna, scheint jedoch von angenehmem Gemüt zu sein. Vielleicht kann sie mir die Vertraute werden, die ich so dringend brauche, damit Ironrath ein echtes Zuhause werden kann.

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