Verflucht sei der Acker

Und zu Adam sprach er: Dieweil du hast gehorcht der Stimme deines Weibes und hast gegessen von dem Baum, davon ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen, verflucht sei der Acker um deinetwillen, mit Kummer sollst du dich darauf nähren dein Leben lang.
Dornen und Disteln soll er dir tragen, und sollst das Kraut auf dem Felde essen.
Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis daß du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.

1. Mose 3

Als Tyr die Augen aufschlug, zog über ihm eine weiße Wolke friedlich über einen strahlend blauen Himmel, als habe der Herr selbst entschieden, dass es ein guter Tag war um weiterzuleben. Seine Finger tasteten Sand unter seiner nackten Haut und tatsächlich fand er sich mit nichts als ein paar Lumpen bekleidet auf dem Boden liegend, wenn man von einer Vielzahl von Schrammen und Blessuren absah, die seine Haut fast vollständig bedeckten. Nur seine bloßen Füße wurden von der Brandung umspült. Vorsichtig richtete er sich auf und bewegte die von der Nachtkälte steifen Glieder, dankte Gott für die Unversehrtheit seiner Knochen und sah dann auf den Ozean hinaus, nachdem er in Blickweite am Strand entlang keine weiteren Überlebenden auszumachen vermochte, die möglicherweise seiner Hilfe bedurften.

Nachdem er niemanden gefunden hatte, macht er sich daran die Umgebung zu erkunden, vor allem aber daran, trinkbares Wasser zu finden, das seinen Durst löschen und seine aufgesprungenden Lippen kühlen würde. Einen langen Fußmarsch lang fand er weder Quelle, noch Bach, deshalb stürzte er sich hungrig auf die wurmbefallenene Äpfel, die ein kümmerlicher Apfelbaum ihm bot, der am Rande einer Listung im Schatten großer Eichen vor sich hinvegetierte. So lief er einige Tage lang. Für sich allein und vor allem – auf sich selbst gestellt. Keiner Menschenseele begegnete er und so blieb ihm nur der Herr selbst als Gesprächspartner. Vor allem in den Nächten überstand er so seine Angst von wilden Tieren zerrissen zu werden. Denn warum sollte der Herr ihn hier sterben lassen, wenn er ihn doch nahezu unbeschadet das Unwetter hatte überstehen lassen, das das Schiff auf das Riff getrieben hatte? Sicher waren die Wege des Herrn unergründlich, aber Tyr hielt es nicht für ausgeschlossen, dass auch Gott, der Herr, der Vernunft nicht ganz abgeneigt war. Nur war er eben manchmal so über alle Maßen vernünftig, dass die Menschen seinen Plan nicht zu durchschauen vermochten. Nur wer den Pfad der Zuversicht verließ, der war bereits verlassen.

An einem der folgenden Sonnenaufgänge, an dem Tyrs Magen beim Gedanken an Äpfel und essbare Wurzeln bereits rebellierte, gelangte er an das Ufer eines Sees. Wie in einem Spiegel fand er das rotglühende Angesicht der Sonne vor sich im Wasser und mit einem Dankgebet warf er sich nieder und trank das kühle, klare Wasser. Erst dann umrundete er den See auf der Suche nach einem Ast und brauchbaren Pflanzenfasern, die sich zu einer Angel machen ließen. Schon bei dem Gedanken an gebratenen Fisch, fing sein Magen an zu rumoren. Bislang hatte er auch noch keine Vorstellung, wie er ohne Hilfsmittel ein Feuer entzünden sollte, da roch er es. Er hob ruckartig den Kopf und ließ den Blick über den Horizont schweifen. Am östlichen Seeufer stieg eine kleine Rauchfahne empor bis über die Baumwipfel und so beschleunigte Tyr seinen Schritt und stieß auf eine armselige kleine Hütte, vor der lustig ein kleines Feuer prasselte.

Er starrte noch fasziniert auf die Flammen, als er plötzlich die grob behauene Klinge einer Steinaxt im Nacken spürte und ein Knurren vernahm. Langsam hob er die Hände und beteuerte, dass von ihm keinerlei Gefahr ausginge. Dass er zum einen keine Waffe bei sich trug und zum anderen seine Hände keine Waffen seien, sondern Werkzeuge des Herrn und dem Werk der Nächstenliebe verplichtet. Er versuchte langsam den Kopf zu drehen und einen Blick auf den Bewohner der kleinen Hütte zu richten, aber ein erneutes Knurren ließ ihn wieder geradeaus sehen.

***

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Dies alles war einige Monate her. Der Grobian mit der Steinaxt war Varrek gewesen. Tyr hob einen Augenblick lang den Kopf und sah hinaus. Das kleine Fenster bot ihm Ausblick auf den kleinen Acker, den sie der Wildnis abgetrotzt hatten und Varrek lief soeben dort vorbei, einen Baumstamm geschultert, den er hinüber trug zu dem Platz, an dem sie den zweiten Stall errichten wollten.  Rund um das Fenster, mit dünnen Seilen und Nägeln an der Wand befestigt, hingen die gesammelten Kräuter, die Tyr in den nächsten Tagen verarbeiten wollte.  Sie waren zu dritt und bislang gab es keine Spuren anderer Siedlungen, jedenfalls nicht im Umkreis von 10 Tagesmärschen.

Varrek war der Mann für Eisen und Stahl. Im Schweiße seines Angesichts schürfte er in der Mine und widerstand der Hitze des Schmiedefeuers, wenn seine Hammerschläge durch die kleine Siedlung hallten. Vermutlich irgendwo im Wald fällte Titus die Bäume, die Tyr markiert hatte. Tyrs Gespür für die Natur hatte dafür gesorgt, dass sie nicht mehr vom Sammeln lebten, sondern von der Acker- und Viehwirtschaft. Aber er war unerbittlich darin, der Natur nichts zu nehmen, was man ihr nicht auch wieder zurückgab, deshalb wachte er darüber, dass für jeden abgeholzten Baum zwei neue von besserer Qualität gepflanzt wurden. Titus war ein ebenso grober Gesell wie Varrek und noch viel wilder und ungestümer im Wesen. Meistens fand man ihn draußen auf der Jagd oder bei Zielübungen. Und dennoch, wenn es sein musste, zogen alle an einem Strang und halfen dabei, ihren Lebensstandard zu erhalten oder auszubauen.

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Das Überleben war ein täglicher Kampf mit den Naturgewalten. Gerade jetzt wurde Tyr das wieder klar. Ganz anders als das behütete Leben in dem Kloster, in dem er aufgewachsen und erzogen worden war. Hier waren sie auf sich gestellt und spürten sehr viel deutlicher, wie sehr sie doch in Gottes Hand waren. Gerade gestern hatte ein Unwetter in der Nacht die halbe Flachsernte vernichtet, die sie doch so dringend brauchten um Seile herzustellen und Stoff zu weben. Tyr seufzte. Er trug zwar keine Lumpen mehr, sondern einen einfachen Kittel, aber sobald die Schafe genug Wolle gegeben hatte, würde er sich wieder eine Mönchskutte schneidern.

„Bis dahin, oh Herr“, murmelte er leise vor sich, „muss mein Handeln allein zeigen, dass ich mit vollem Herzen in deinen Diensten stehe.“ Er hob die kleine Glasflasche an und prüfte sie. Allmählich gelang ihm die Glasbläserei besser und besser. Rasch war der Trank, der gegen Vergiftungen helfen sollte,  in das Gefäß gefüllt und verkorkt.

***

OOC

Da ich lieber in Geschichten schreibe, gibt es den Zwischenstand aus Life is Feudal heute auch als Episode von Bruder Tyr. Es hat einige Tage gedauert, bis ich mich an die Spielmechanik gewöhnen konnte. Es ist wirklich deutlich gelungen, die Mühen des Mittelalters abzubilden und wenn man nicht im GM Modus cheatet, ist jedes Gerät und jedes Gebäude wirklich eine echte Leistung, die ziemlich viel Mühe macht.

Mittlerweile sind wir zu viert auf dem kleinen Server und die Siedlung ist schon ganz gut erkennbar jetzt. Je mehr Spieler sich Aufgaben teilen, desto schneller geht es für alle und auch für den einzelnen vorwärts – das Spiel ist eindeutig auf Teamplay ausgerichtet.

Wenn jemand gern eine eigene Siedlung aufziehen möchte, auch dafür gibt es noch schöne Plätze und austauschen könnte man sich auch so, mit Ratschlägen oder wichtigen Handelsgütern. Falls jemand also Lust hat, mal reinzuschnuppern, einfach Nachricht an Beric. Der bekommt seine IM auch offline, glaub ich, während sie bei mir im Nirvana der „too many instant messages“ verschwinden.

In den nächsten Tagen geht es dann weiter mit einem wirklich sehr kurzen Einsteiger Guide für Live is Feudal. Und ich stelle auch vor, was es so für Berufe gibt und was man sonst noch so machen kann bei uns.

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