4-HOUR STORIES – Die Kreolin

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Es war stickig im Raum. Dicke Vorhänge, die nur selten geöffnet wurden, schirmten den Straßenlärm ab, der sonst durch die Fenster eingedrungen wäre in den Raum, in dem Marie sowohl Rituale durchführte als auch Gris-Gris herstellte, das bei Männer und Frauen gleichermaßen beliebt war. Gegenstände, die helfen sollten, die große Liebe zu finden oder sie zu erhalten. Amulette, die vor dem Bösen schützten. Oder Pülverchen, die die Manneskraft erhielten oder steigern sollten. Heute war es ein Gris-Gris für die Gattin des Bürgermeisters. Marie zerstieß den filigranen Katzenknochen in ihrem Mörser zu feinem Staub. Es war die letzte Zutat, die sie brauchte.

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Von weit entfernt wehten Fetzen von Musik und Gelächter bis zu ihr. Es war Mardi-Gras in New Orleans, aber sie trug Trauer. Seit ihr Mann am gelben Fieber gestorben war, nannte sie sich Witwe Paris. Aber für alle anderen blieb sie Marie Laveau. Manche nannten sie die Königin. Oder weniger schmeichelhaft: Die Hexe. Wenige Augenblicke drang ein Geräusch in ihre Ohren, das näher war als die Bruchstücke von Melodien und Stimmen. Es war der Klang von Männerschritten auf der Veranda, dann ein kräftiges Klopfen an ihrer Tür. Marie runzelte die Stirn. Sie waren zu früh. Oder sie waren es nicht und statt dessen ein unangemeldeter Besucher. Was schlimmer war, wusste sie selbst nicht so genau.

Sie füllte das Knochenpulver in die Schale, rührte einige Male um und ging dann langsam nach unten um nachzusehen. Die Rituale, die sie für die Weißen veranstaltete, waren anders als die, die sie mit den Schwarzen beging. Ihr war völlig klar, dass die Weißen aus Sensationsgier und zur Befriedigung voyeuristischer Gelüste Geld zahlten, um Marie Laveau in Ekstase zu erleben. Da sie es als nicht schädlich erachtete, bot sie das Gewünschte. Einmal oder zweimal im Monat. Sie wäre nie auf die Idee gekommen Geld von ihren schwarzen Brüdern und Schwestern zu nehmen.

Nur einen Spalt breit öffnete sie die Tür und sah hinaus. Das Gesicht des gut gekleideten, jungen Weißen war ihr unbekannt. Etwas Forsches und Unverschämtes lag darin. Und darunter verborgen eine Spur von Unsicherheit und Angst. Marie strich mit ihrem nackten großen Zehen durch den roten Ziegelstaub an der Türschwelle.

Sie kommen ohne Termin, Mister….“

Cameron. Davy Cameron. Ich bin hier, weil Gerüchte umgehen, dass in diesem Haus unchristliche Dinge vor sich gehen und man den Teufel anbetet. Ich bin gekommen um das zu unterbinden. Und ich brauche keinen Termin. Ich bin der neue Bezirksstaatsanwalt.“

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Marie versperrte ihm noch einen Augenblick den Weg. Die Öllampe auf der Veranda beleuchtete ihr fein geschnittenes Gesicht. Sie war Kreolin. Weniger schmeichelhaft war der Begriff der Mulattin. Man sagte sie sei das Kind einer ehemaligen Sklavin und eines reichen weißen Plantagenbesitzers. Ihre Haut war nicht so dunkel wie die der meisten Schwarzen, sondern hatte eher einen dunklen Bronzeton. Ihre dunklen Augen durchbohrten ihn. Sie war schön. Jeder konnte das sehen und Cameron ebenso.

Dann ließ sie ihn herein und deutete auf das Kruzifix an ihrer Wand. „Ich bin eine gute Katholikin, Mister Cameron. Ich gehe am Sonntag in die heilige Messe und werde meine Kinder taufen lassen. Fragen Sie Pater John. Ich helfe sogar im Armenhospital aus und kämpfe dort mit den Schwestern gegen das gelbe Fieber.“

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Cameron trat ein und ließ den Blick über die Einrichtung wandern. Beim Kreuz nickte er bedächtig. Der Salon unten war unverfänglich, wenn man von den Buchstaben absah, die auf den Tisch aufgemalt waren. Sie benutzte ihn um mit den Geistern Verstorbener in Kontakt zu treten. Cameron fragte nicht danach, sondern nahm Platz, als sie auf den Sessel deutete.

Es gibt gewisse Gerüchte, Mrs. Laveau. Und wir wollen doch nicht, dass eines Tages der wütende Mob Ihr Haus anzündet, weil er sich vor Teufelsanbetung und vor bösen Flüchen fürchtet…“

Sie ging an ihm vorbei. Das schwarze Kleid lag eng um ihren wohlgeformten Leib. Hinter ihm schenkte sie zwei Tassen Tee ein. In eine der beiden ließ sie eine gute Dosis weißen Pulvers rieseln, bevor sie umrührte. Es war nicht tödlich, nicht einmal schädigend. Es versetzte in einen entspannten Zustand und sorgte dafür, dass die Körpermitte besonders gut durchblutet wurde. Zum Tee reichte sie Gebäck. Auch dieses war nicht ganz ohne besondere Zutaten gebacken. Es versetzte in eine Art Rauschzustand, in dem man enthemmter war als gewöhnlich.

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Nichts davon trifft zu und der Mob würde es nicht wagen, Mister Cameron. Denn ich setze mich unentgeltlich für die Nöte und Sorgen der Menschen ein. Ich berate sie. Helfe, wenn sie krank sind. Natürlich kommen auch Weiße zu mir. Menschen wie Sie. Alle kennen und schätzen Marie Laveau. Böses Gerede, Mister Cameron, kommt nur von denen, die im Glauben nicht fest genug sind und Angst vor mir haben ohne mich je gesprochen zu haben. Sind Sie fest in Ihrem Glauben?“ Sie reichte ihm Tee und Gebäck. Dankend nahm er beides an, vorerst jedoch ohne davon zu trinken oder zu essen.

Wie helfen Sie denn den Menschen?“ fragte er forsch.

Ich fertige kleine Amulette oder Gegenstände, manchmal Pulver oder Tees. Und sorge so dafür, dass Dinge wieder in Ordnung kommen. Ihr Tee wird kalt. Es wäre schade drum. Oder denken Sie etwa, ich hätte ihn verhext, Mister Cameron?“

Er schnaubte entrüstet. „Das ist alles Aberglaube, Mrs. Laveau. Und deshalb glaube ich auch, dass sie in Wirklichkeit nichts weiter als eine Betrügerin sind. Nehmen Sie Geld für diese Dinge?“ Um seine Aussage zu untermalen, nahm er rasch einen Schluck Tee und aß ein Plätzchen.

Ruhig sah sie ihn an. Sie hatte ein Bein unter ihren Hintern gefaltet und wirkte in der Ecke des Sofas zart und gleichsam befehlsgewohnt wie eine verwöhnte Katze.

Wären die Leute unzufrieden, Mister Cameron, würden Sie sich betrogen fühlen. Könnte ich den Menschen nicht wirklich helfen, dann hätten Sie sicher bereits etwas in der Hand, nicht wahr? Aber das ist nicht der Fall. Sie haben niemanden, der gegen mich aussagen würde, so ist es doch? Wo kommt ihr eifriger Ehrgeiz her, Mister Cameron? Ist es, weil sie neu in der Stadt sind und sich noch beweisen müssen? Soll ich Ihnen helfen?“

Er leerte die Tasse nun in einem Zug. „Ich brauche Ihre Hilfe nicht. Beenden Sie diesen gottlosen Unsinn und seien Sie kooperativ. Wie viel Geld nehmen Sie und womit stellen Sie Ihre Waren her?“

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Sie lächelte. „Solches Wissen gehört nicht in die Hände von Außenstehenden, Mister Cameron. Ich bedaure. Jeder, der es sich leisten kann, spendet mir etwas. Ich fordere nichts außer Respekt. Wer nichts hat, gibt auch nichts. Ist Ihnen warm?“

Er hatte den hohen, steifen Kragen an seinem Hals gelockert und starrte sie an. Sie stellte ihre Tasse auf dem Tisch ab und ging langsam auf ihn zu. „Ist Ihnen warm, Mister Cameron? Sie schwitzen ja.“ Sie wiederholte ihre Frage erneut und beugte sich zu ihm runter um ihm direkt in die Augen zu sehen.

Er schüttelte stumm den Kopf und kämpfte gegen die Erektion an, die sich gegen die Enge seiner Hosen drückte. Sein Blick wanderte auf den Ansatz ihrer Brüste, die sich beim Atmen im Kleid hoben und senkten. Dann richtete sie sich auf und begann die Hüften zu wiegen.

Heute Abend findet das Ritual für Erzulie statt. Erzulie ist eine Art Engel, eine Vermittlerin zwischen Gott und uns Menschen. Ja, so kann man das nennen, damit Sie es verstehen können, Mister Cameron. Erzulie ruft man an, wenn man um Liebe ersucht oder um Erfüllung in der Liebe. Sie ist eine Art Madonna der Nigger, verstehen Sie?“ Ihre Stimme klang nun anders. Heiser, rauchig. Auch sie hatte vom Gebäck gegessen.

Er nickte stumm, die Augen weit aufgerissen. Etwas in ihm wusste, dass etwas nicht stimmte, dass er so schnell wie möglich dieses Haus verlassen sollte, aber er konnte nicht. Er starrte diese Frau an, diese Hexe und wollte sie berühren, von ihr berührt werden. Sein Schwanz wurde jetzt so hart, dass es schmerzte. Von irgendwoher erklangen nun Trommeln. Er konnte nicht sagen, ob sie von oben, aus einem Nebenraum oder von der Veranda her erklangen, aber der Rhythmus ließ die Bewegungen von Maries Hüften intensiver werden. Dann beugte sie sich zu ihm runter und knöpfte ihm das Hemd auf, strich mit ihren Händen über seine Brust und flüsterte. „Kommen Sie. Erzulie wird sich Ihnen zeigen. Das Schicksal hat Sie ausgewählt.“

Sie nahm ihn bei der Hand und führte ihn nach oben. Er war nun jenseits der Gebiete, in denen Verstand und Kontrolle noch Einfluss hatten. Dann begann sie erneut zu tanzen. Mit entblößten Brüsten erst, dann vollkommen nackt. Cameron saß mit heruntergelassenen Hosen im Sessel und sah ihr zu. Das ausblutende Huhn, das an einer Kette von der Decke baumelte, nahm er nicht wirklich wahr. Auch nicht die vielen kleinen Dinge, die hier oben auf Regelbrettern, Anrichten und dem Opferaltar ausgebreitet lagen und auf ihre Verwendung warteten. Totenschädel, Masken, getrocknete Spinnen und Insekten. Tierknochen. Marie tanzte auf einem Teppich in der Zimmermitte. Sie geriet nun langsam in Ekstase und ihr Leib war bereits schweißbedeckt. Sie spürte ihr Herz in einem Rhythmus mit ihrem Unterleib pochen. Erzulie war in sie hineingefahren und forderte ein Opfer.

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Wenige Minuten später trafen auch die anderen ein. Allesamt hohe Würdenträger der Stadt, die Cameron mit einem kurzen Nicken grüßten. Das Ritual konnte beginnen. Die Trommeln erklangen schneller. Marie deutet auf Cameron und formte mit den Lippen die Worte. „Du bist auserwählt. Komm!“ Dann kletterte sie auf seinen Schoß und rieb sich mit ihrer nackten Spalte an seinem Schwanz. Er griff nach ihren Brüsten ohne zu wissen, was er da tat. Sie brannte lichterloh und er berührte sie in wildestem Verlangen. Grob und ohne jede Zurückhaltung gruben sich seine Finger in ihr Fleisch. Sie begann zu stöhnen, entzog sich ihm dann wieder und wand sich vor ihm auf dem Teppichboden, rieb sich die Spalte und schob das Becken in die Höhe. Jede ihrer Bewegungen war eine Einladung an Cameron, der in diesem Moment mehr wie ein Tier empfand als noch menschliche Regungen verspürte. Er stürzte sich auf sie, während zwei andere ihre Schenkel noch weiter auseinanderhielten.

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Dann fickte er sie. Es war als würde er seinen Schwanz in etwas stecken, das er schon seit Jahren schmerzlich gewollte hatte. Jedes Denken war ausgelöscht. Es zählte nur noch das harte Fleisch in diesen zuckenden, weichen Leib zu stecken. Die Wucht seiner Erregung ließ sie schreien. Dies war der Moment höchster Wonnen, wenn man eins war mit der Natur, wenn Mann und Frau sich vereinten. Vor ihrem Blick verschwamm der Raum. Rein und raus. Rein und raus. Sie spürte wie sein Schwanz durch ihre Nässe ritt und dann schrie sie. Das warme Blut, das man über ihr ausgoss, fühlte sich an wie das pure Leben. Sie berührte ihre Brüste während sie sich zuckend eng um seinen Schwanz schloss und ihn in sich hinein saugte. Dann kam auch er. Verteilte seinen Samen in ihr, keuchend und schwitzend, während die anderen Männer selbst Hand anlegten. Sie hatten alle ihr Opfer darzubringen. Auf und in ihrem Leib.

Cameron taumelte zurück auf seinen Sessel. Sie erhob sich und folgte ihm. Noch war Erzulie nicht ganz befriedigt. Sie schien an diesem Abend unersättlich zu sein. Marie nahm Camerons nassen Schwanz in ihren Mund und streichelte seine Hoden bis ihm der Saft erneut aufgestiegen war. Dann hockte sie sich über ihn und ließ seinen Schwanz langsam durch die hintere Pforte eintreten. Diesmal war sie es, die IHN zu ficken begann.

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Erst nach über einer Stunde ließ sie von ihm ab. Erzulie war satt. Das Opfer war angenommen. Die anderen Männer waren schon nach unten gegangen um sich zu stärken, nur Cameron hing noch mit verschwommenem Blick in seinem Sessel.

Mister Cameron? Sie sollten sich anziehen und nun zu den anderen gehen und ein wenig mit ihnen reden. Sehen Sie, es ist immer gut Beziehungen zu wichtigen Männern zu pflegen, wenn man neu in der Stadt ist.“

Marie stand vor ihm. Nackt. Das lange schwarze Lockenhaar fiel ihr über den Rücken. Brust und Bauch waren bedeckt mit klebrigem Blut und Samen. Die Vernunft in ihrer Stimme stand in einem schmerzhaft deutlichen Widerspruch zu ihrer absonderlichen Erscheinung.

Er nickte und raffte mit hochrotem Kopf seine Kleidung zusammen, während sie an den Altar trat und ihn im Spiegel musterte. Zuletzt setzte er seinen Hut wieder auf und sagte verlegen:

Ich werde diesen Dingen nicht weiter nachgehen.“

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Dann verschwand er hastig über die Treppe nach unten.

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