Tagebuch der Herzruine 2

Aus den Aufzeichnungen der Lady Amira

En’Kara im ersten Jahr der Regentschaft ihrer Herrlichkeit, der Tatrix hinter der goldenen Maske

Atris, dies verräterische, verkommene Sklavenmädchen, hat heute meine Füße mit ihren unwürdigen Händen umklammert und um Gnade gefleht. Während ich alle anderen Besitzer von Sklavinnen weitgehend enteignet und die Mädchen vor die Wahl gestellt habe, ob sie weiter im Kragen bleiben wollen, weil die tierische Natur sie bereits bis ins Innerste verdorben hat oder ob sie Teil der großen und starken Gemeinschaft der Silbermasken werden wollen, stellte ich Atris vor diese Wahl NICHT. Und das, wo ich weiß, dass ihr gesamtes Sehnen und Handeln seit ihres Verkaufs nach Kasra nur von diesem Wunsch geleitet war, endlich wieder die Freiheit zu erlangen.

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Aber ich habe nichts vergessen. Sie hat ihren Vorteil gesucht, kurzfristig und unbedacht, und hat bei Gar über Catos leichtsinnige Äußerungen im Feuerkrug damals geplaudert. Da bin ich sehr sicher. Ich sah es in ihrem nervösen Blick und der Art, wie sie mir danach aus dem Wege ging. Wie sie geweint und geschrien hat, als ich ihr die Chance nicht gab, die doch alle anderen bekommen haben! Es war mir ein inneres Fest. Davon abgesehen war mir natürlich klar, dass die Tatrix ihre Sklavin vermutlich behalten möchte. Einige werden sicher den Kragen wählen und die brauchen wir auch. Gelegentlich müssen wir den Tieren, die uns treu und gut gedient haben, ein paar Löcher zu stopfen geben, sonst werden sie wirr im Kopf. Diese Aussicht erhöht ihre Motivation ungemein und damit die Leisstungsspanne der neuen Kriegerkaste erheblich. Mir ist natürlich klar, dass einige Subjekte versuchen werden ihre Sklavinnen vor uns zu verbergen. Das Problem muss ich in den nächsten Tagen angehen.

Die Gefangenen im Kerker finden die Haftbedingungen unmenschlich. Ich dagegen finde sie sehr passend. Ich muss an dieser Stelle nicht erwähnen, dass die Meinung von Gefangenen für mich derart unerheblich ist, wie wenn im Torvaldsland ein Bosk kotet. Vermutlich sind in diesem Moment meine Urteile schon vollstreckt und ihre schmutzigen Hälse ziert ein Kragen. Heute hat das Weib den Sklavenbrei nicht durch die Gegend geworfen, sondern gegessen. Außerdem wollte sie mir ihre unentgeltliche Arbeit als Silbermaske in den Diensten unserer „Tyrannei“ antragen und „sogar die Arbeit einer Schriftgelehrten“ erledigen. Im Gegenzug sollte ich ihren Geliebten freilassen. ((an dieser Stelle ist die Schrift leicht verwackelt, vielleicht wurde lauthals gelacht)) Ich bin immer noch eine Verfechterin der Theorie von Weinschläuchen in den Mündern nordischer Säuglinge. Natürlich hat sie sich damit weder die Ehre der silbernen Maske noch die Aufnahme in die Kaste der Schriftgelehrten von Kasra verdient. Hätte sie mir was Interessantes anzubieten, wären die Umstände vielleicht anders. Nützlichkeit hat oberste Priorität.

Außerdem hatte ich ein langes Gespräch mit Claudius con Ar. Leider war er nicht bereit sein Schwert in unsere Dienste zu stellen, obwohl wir immer noch anwerben. Sicher, die Lage beruhigt sich langsam, nachdem auch der letzte Ochse begriffen hat, dass sein vermeintliches Heldentum blutig enden kann. Eine Sleentrainerin ist zurück in der Stadt und macht mir den Eindruck, eine ebenfalls sehr taugliche und konsequente Schwester der Maske zu sein. Ebenso die Händlerin, an die nun ein Drittel der versklavten Fremden gehen wird, damit sie ihren und unseren Reichtum in den Salzminen der Tahari mehren kann.

Aber zurück zu Claudius con Ar. Während des Gesprächs entwickelte sich in meinem Kopf ein Plan, wie ich mich des Problems Cato vorerst entledigen kann. ((die Schrift wird nun wieder unruhig, als hätten ihre Hände gezittert))

Cato.

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Wenn er um mich ist, neige ich dazu Schwäche zu zeigen. Deshalb muss er fort aus meinem Sichtkreis und aus meiner Wahrnehmung und das schnell. Selbst hinter der Maske kann ich spüren, wie jedes Wort von ihm in mein Herz eindringt und sich dort breitmacht wie Läuse auf den Blättern junger Pflanzen. ((teilweise sind hier die Buchstaben wieder feucht und verwischt).) Er nimmt mir meine Kraft und meinen Glauben an den Sieg der Gerechtigkeit unter den Masken, also muss er verschwinden. Wenn ich in seine Augen sehe, möchte ich in seinen Armen liegen und weiß doch, dass das unser beider Tod bedeuten kann. Es gibt keinen Weg mehr. Die Würfel sind geworfen und gefallen.

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