Tagebuch der Herzruine 1

Aus den Aufzeichnungen der Lady Amira

En’Kara im ersten Jahr der Regentschaft ihrer Herrlichkeit, der Tatrix hinter der goldenen Maske

Die Kerker sind voll. Ich kann ihr Wehklagen bis in den Turm hören, aber ich glaube das ist nur meine Einbildung. Gestern habe ich begonnen die Sklavinnen vor ihre Wahl zu stellen. Die erste war unfähig eine zu treffen und ist nun zum Leichentsorgungsdienst eingeteilt. Lang genug haben die verfaulenden Kadaver nun als Zeichen gedient, dass man sich uns besser nicht in den Weg stellt.

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Eine Zeit voll intensiver Arbeit an der Errichtung des neuen Herrschaftssystem fordert meine volle Aufmerksamkeit. Auch die Söldner kommen kaum noch mit dem Verfolgen der Widerständler nach. Allesamt törichte Helden in Verkennung ihrer Lage. Ein neuer Söldner brachte mir als Zeichen seiner aufrechten Gesinnung seinen Bruder und dessen Begleitung, als ich es ihm auftrug. Beide standen ganz oben auf meiner Liste wegen Beleidigung der Silbersmasken und Widerstandes gegen meine Anordnungen. Die Überraschung, vom eigenen Bruder ausgeliefert zu werden, stand ihnen noch in die dummen Gesichter geschrieben.

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Ich frage mich, ob der Mann nicht von der Erde stammt. Oder beide. Ernsthaft kamen sie mir mit seltsamen Begriffen, die ich aus den Forschungen meines Großvaters über die Erde kenne: Freiheitsberaubung zum Beispiel. Wie ja jeder weiß, ist eine der drei Säulen Gors die Sklaverei. Die Frau äußerte gar den Wunsch einen anderen Richter haben zu wollen. Natürlich bin ich nicht weiter auf solche Unsinn eingegangen. Wer sich in einer Stadt nicht an die Gesetze hält, trägt die Konsequenzen. Zuweile frage ich mich, ob man den Säuglingen im Norden statt der Mutterbrust einen Weinschlauch in den Mund hängt, der frühzeitig ihr Gehirn schrumpfen lässt.

Sobald ein Söldner dazu kommt, wird das Urteil vollstreckt. Kragen für beide. Sie wird in den Kerkern arbeiten, er darf in der Arena zur Unterhaltung der Tatrix antreten. Die Kunde meiner Großzügigkeit um Umsicht soll die Runde machen. Außerdem ist es langsam an der Zeit dem restlichen Volk wieder ein wenig Zerstreuung zu bieten.

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Vor ein größeres Problem stellte mich Cato. Ein paar widerständige Nordmänner sind eine Sache, öffentlicher Widerstand meines Gefährten eine gänzlich andere. Obwohl ich ihm entgegen kam und den faulenden Kadaver des Regenten vom Torbogen schneiden ließ, hörte er nicht auf, unsere Herrschaft der Gerechtigkeit öffentlich anzufeinden. Schließlich war ich zu einem Exempel gezwungen und ließ ihn am Basar anprangern. Leider eskalierten die Dinge dort ein wenig. Eine meiner Schwestern wollte das Lied der Gerechtigkeit von seinen Lippen hören. Als er es verweigerte, verstieß er gegen das Gesetz und untergrub darüber hinaus weiter meine Autorität als oberste Richterin. ((an dieser Stelle wird die Handschrift undeutlich, fast so, als habe die Hand gezittert, die die folgenden Zeilen schrieb))

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Also ließ ich die Peitsche sprechen. Nein, ich ließ sie BRÜLLEN. Es kam so weit, dass der Linientreueste unter unseren Kriegern vorschlug gnädig zu sein und Cato mit einem raschen Schnitt durch die Kehle zu erlösen. Ich wollte schon das Todesurteil vollstrecken lassen, als eine meiner Schwestern bemerkte, dass er nicht mehr bei Bewusstsein war. Ich hielt inne und der Krieger zeigte mir ein verächtliches Grinsen, weil ich zu weich war. Ich las in seinen Augen, dass ich zu weich war. Diese unverschämte Kreuzung aus einer Boskkuh und einem Kur war der Ansicht, dass ich zu weich war! ((teilweise sind die Buchstaben hier verwischt, als wären Wassertropfen oder Tränen auf das Pergament gefallen, die Schrift ist nun nur noch schwer zu entziffern))

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Ich ließ Cato in meinen Turm schaffen. Auch dies ein Zeichen meiner Schwäche, gut getarnt jedoch als Versuch ihn dort oben mit speziellen Techniken zu brechen. Als ich versuchte ihm etwas zu trinken einzuflößen, war er immer noch nicht wieder bei Bewusstsein. Warum muss er mich zu solchen Dingen treiben?

Die Nacht ist wieder da. Aber sie bringt mir auch diesmal keinen Schlaf. Ich MUSS Cato irgendwie zur Vernunft bringen. Sonst wird mir nichts anderes übrig bleiben, als irgendwann das Todesurteil über meinen Gefährten zu sprechen.

***

OOC-Anmerkungen

Das RP geht ziemlich ab und das trotz der momentanen Login-Problematik und der extremen Performance-Schwierigkeiten, wenn man im Spiel ist. In den nächsten Tagen muss ich versuchen mehr Helfershelferinnen für Amira zu finden, sonst erleidet sie nach einer Woche schon Erschöpfungszustände.

Bisher sind keine Superhelden-Problematiken besonders schwerer Art zu verzeichnen, was mich ziemlich freut. Vielleicht hat sich doch allmählich was getan und die Mechanismen und die innere Logik des Settings haben sich dank unermüdlicher Aufklärungsarbeit an vielen Fronten und durch viele engagierte Leute doch in manches Hirn gefressen.

Es ist für mich ungewohnt alles so knallhart durchzuspielen. Und bei vernünftigen Mitspielern braucht es dafür nichtmal Combat und keine Force-Formulierungen, was mich wirklich sehr glücklich stimmt. Natürlich will ich einigen die Freude am Combat nicht nehmen, aber für mich ist es aus-emotet einfach spannender. Dass es ein Traum ist und das Wissen, einen Char nicht wirklich ruinieren zu können indem man konsequent spielt, erleichtert doch einiges.

Andererseits mache ich gerade die interessante Erfahrung, dass es offenbar zwei unterschiedliche Arten von Tabus in Rollenspielzusammenhängen geben kann:

Einmal gibt es Dinge, die man für die Entwicklung seines Chars nicht möchte und diese deshalb im Hinblick auf zukünfigtes RP ausklammert.

Aber dann gibt es auch so etwas wie ABSOLUTE Tabus, die man nichtmal dann spielen kann und möchte, wenn es für die spätere Spielzukunft keinerlei Relevanz hat.

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