Pläne ohne Mittel

Ich sah diese Apparate nur dort in Ar. Man nutzte sie um Anweisungen und Bekanntmachungen rasch und schnell zu vervielfältigen.  Die Buchstaben setzt man auf Schienen zu dem Text zusammen, den man braucht, dann funktioniert es wie ein Stempel. Immer und immer wieder die gleiche Seite ohne einen Kopisten und in viel schnellerer Zeit. Aber deine Tuchpresse umzubauen, das wird kosten. Zeit, vor allem aber Münzen. Und noch ist nichtmal die Presse bezahlt.

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Amira lag neben Cato auf dem Bett. Kein Windhauch regte sich. Das Zentralfeuer stand an seinem höchsten Punkt und draußen war der Lärm der Stadt eingekocht wie in einem riesigen Kessel. Nur noch wenige Sklaven suchten ihren Weg durch die hitzeglühenden Gassen, fast alle Menschen hatten sich in den Schatten ihrer Häuser und Gärten zurückgezogen. Cato schwitzte, obwohl er fast nackt war. Amira griff nach einem hübsch bemalten Papierfächer, entfaltete ihn und versuchte das Leiden  ihres Gefährten etwas zu verringern, indem sie die warme, stehende Luft für ihn in Bewegung versetzte.

Offenbar gehören die Apparate nicht zu den Dingen, die den Zorn der Priesterkönige erregen , wenn sie in Ar verwendet werden. Aber ohne Frage gehören sie auf die Hand unserer Kaste begrenzt, Cato. So wie die Heiler ihre Leuchtkugeln haben und andere Dinge. Ein Apparat, der schreiben kann, darf nur von Schriftgelehrten verwendet werden, denn wir sind es, die die Schriften und das Wissen kontrollieren. So will es der Kodex. Und so war es immer schon. Lass uns mit dem Schmied sprechen, ob er die Plättchen fertigen kann und die Schienen. Wenn ich ihm die Buchstaben vorzeichne.

Cato schloss die Augen. Ein Schweißtropfen rann von seiner Stirn seine Schläfe herab. Nach der Ratssitzung war das Gespräch mit der Apothekerin unterbrochen worden. Sie brauchten ein Mittel, damit Cato wieder schlafen konnte und mit der Hitze besser zurecht kam. Aber das war alles nicht so einfach. Ihr Geld war aufgebraucht. Ohne den Auftrag den Wahlkampf für Aurelius durchzuführen, stand auch kein neues in Aussicht. Sie hatten weder Geld für Pülverchen von Aphra, noch für neue, leichtere Roben für Cato. Was ihnen geblieben war, waren Erb- und Erinnerungsstücke, bei denen es schwer fiel, sich zu trennen. Auf dem Herd köchelte ein Rest dünne Suppe, die ihren Geschmack und ein bißchen Fett allein durch eingekochten Fischsud gewonnen hatte. Das Brot, das noch da war, war von vorgestern. Aber immerhin, es war noch welches da, obwohl Sia mit ihnen gegessen hatte.

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Sia. Amira hatte sie auf dem Basar aufgelesen. Schmutzstarrend und in abgerissener Kleidung, die diese Bezeichnung nicht mehr wirklich verdiente. Amira war so etwas wie Mitleid weitgehend fremd und sie hatte die Herumtreiberin zurechtgewiesen, nicht zu betteln, sondern sich Arbeit zu suchen. Zu Amiras Überraschung hatte die junge Frau aber die geworfene Münze der Schneiderin aus Belnend zurückgewiesen. Arbeit würde sie nehmen, hatte sie gesagt. Oder ein Stück Brot, weil sie hungrig war. Als sie auf Amiras Nachfrage hin angegeben hatte, nähen und kochen zu können, hatte sie an Catos Roben gedacht und die She-Urt in Theobalds Haus bestellt. Gegen eine warme Mahlzeit an den Tagen, an denen sie mit der Umarbeitung der Roben beschäftigt war.

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Die erste Robe war am Vorabend fast fertig geworden. Aber irgendwie musste es weitergehen. Das allerwichtigste war, eine Einkommensquelle zu erschließen. Und dazu mussten sie dringend ein Gespräch mit der Kaste führen. Was nützte ihnen die umgebaute Tuchpresse in Kombination mit einem leeren Magen? Cato schwieg.

Wir müssen mit dem Richter reden, Cato. Oder mit Ignatius. Dann können wir als Advokaten beginnen und mit diesen Schiffsbauer aufsuchen, der sein Geld nicht bekommen hat. Bei dem Umfang des Auftrags hilft uns das eine Weile weiter. Vielleicht bekommen wir auch die Bibliotheksverwaltung. Und wenn wir dann wieder Mittel  haben, dann kümmern wie uns um den Umbau der Presse.

Schließlich zog er sie an sich, immer noch ohne ein Wort. Die Augen geschlossen. Amira legte sich zu ihm und respektierte sein Schweigen. Für den Augenblick war es besser, dem Schlaf ihre Sorgen zu übergeben. Für eine Ahn oder auch zwei.

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Comments
2 Responses to “Pläne ohne Mittel”
  1. Cori Panthar sagt:

    Schöner Post, wie fast immer!

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