Unsere Wege

Für die einen oder anderen ist dieser Post eine Zumutung, denn er ist ernst und hat weder mit SL noch mit Rollenspiel zu tun. Wer also lockere Unterhaltung sucht, ist heute nicht gut beraten mit meinem Blog. Es geht aufs Jahresende zu und in diesem Jahr haben sich einige Dinge für mich verändert. Vieles, was ich vorher ahnte, sehe ich in Potenz bestätigt und viele davon, macht mich noch nachdenklicher und lässt mich innehalten in meinem Tun. Ich logge kaum noch in SL ein und fühle mich fremder und fremder in dieser Welt, die eigentlich ein großer Zirkus des Vergessens und Verdrängens ist. Außerdem wird auch in SL die Verdummung der Menschen allmählich so offensichtlich, dass es als Fluchtpunkt kaum noch taugt. Ich weiß nicht, ob dieser Zustand anhalten wird oder ob es wieder eine Nische des Wohlbefindens geben wird, gute Geschichten und Menschen mit Freude an guten Geschichten. Auf der Bäreninsel haben sich nun einige Spieler eingefunden und das freut mich. Einige davon kenne ich bereits als engagierte Mitspieler und ich glaube, dass das Setting Potential hat, wenn man ein wenig Zeit und Energie investiert.

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Terra Nostra steht noch bis zum 30. Januar. Vermutlich ist die Installation auf einer persönlichen Ebene das bildhaft gewordene Symbol eines Wandels in unserem Umgang mit dem Zirkus des Vergessens. Es ist sicher legitim, sich und die Welt für einige Zeit vergessen zu wollen. Es entlastet und es befreit vom Grübeln. Aber zur Zeit will dies nicht gelingen. Weder bei Beric, noch bei mir. Daher gestatte ich mir, einige Gedanken zu äußern, die themenfremd sind.

Wo wir geboren werden, legt zu einem Großteil fest, ob wir überleben und wie lange und ob wir Erfolg haben oder nicht, ob wir Lebensmut und Vertrauen entwickeln, ob und was aus uns wird. Zu einem großen Teil.

In Deutschland kämpfen wir vor allem mit einem: Dem Problem der Konsumfreiheit und der Luxusverwahrlosung. Wir können uns alles kaufen und sind damit überfordert. Wir haben die Auswahl zwischen verschiedenen Smartphones, fettenden Lippenstiften und Duschgels, die uns alle versprechen uns glücklicher zu machen. Wir fühlen uns verpflichtet am Konsum teilzunehmen, weil es alle tun und weil wir und unsere Kinder Dinge haben wollen, die alle haben. Dafür gehen wir immer mehr arbeiten und haben immer weniger Zeit. Die meisten Leute haben verlernt Prioritäten zu setzen und sehen nicht mehr, was wichtig ist, was gut tut und was nur Tand ist.

Ich könnte schimpfen, dass das Luxusprobleme sind. Wie absurd es ist, dass Kinder, die mit sinnlosem Tand überschüttet werden, drei Monate auf einen Termin beim Kinderpsychologen warten müssen, weil sie und ihre Eltern nicht mehr klarkommen mit ihrem Leben, obwohl ihnen materiell nichts fehlt. Während anderswo auf dieser Welt Menschen verhungern. Sie verhungern. Sie sterben irgendwo auf dem Ozean bei dem verzweifelten Versuch irgendwohin zu kommen, wo sie eine bessere Zukunft haben können.

Die einen nutzen ihre Chancen nicht, während andere keine Chance haben. Das ist simpel und schrecklich zugleich. Wenn wir nicht gerade der buddhistischen Lehre vom Karma anhängen, ist das schwer zu begreifen und schwer hinzunehmen.

In den letzten Wochen habe ich häufig gehört, dass man sich machtlos fühlt, dass man hilflos ist und wütend. Viele sind auch der Ansicht, dass Spenden nichts am großen Gesamtproblem ändert. Das mag richtig sein, aber ist es richtig das große Gesamtproblem nicht lösen zu können und deshalb einfach nichts zu tun?

Wenn jeder von uns sich auf seinem „Ich kann nicht helfen.“ ausruht, passiert zum Beispiel folgendes: Syrische Flüchtlinge werden sterben. Jetzt, wenn der Winter kommt. Denn es mangelt tatsächlich an Spendengeldern. 50€ sichern einer syrischen Familie im Flüchtlingslager einen Monat des Überlebens. 50€. Ich weiß, für manche ein durchaus spürbarer Betrag. Vielleicht aber 5€? Wirklich unmöglich zu leisten?

Nein, wir lösen das Gesamtproblem nicht durch Spenden. Aber wir sichern das Überleben für einige Menschen, deren geringstes Problem der Kauf eines Flachbildfernsehers sein dürfte. Und hier schließt sich der Kreis und wir sind wieder bei der Frage der Prioritäten.  Versteht mich nicht falsch, ich gönne jedem seinen Flachbildfernseher, wenn er damit glücklicher wird. Aber lasst uns nicht vergessen, dass wir Menschen helfen können, denen es sehr viel schlechter geht als uns.

Ich wünsche jedem, egal wo er geboren und was ihm in seinem Leben widerfahren ist, dass er glücklich ist oder einen Weg findet, glücklich und zufrieden zu sein. Anbei noch einmal der Spendenlink zu unserer Sammelaktion für Ärzte ohne Grenzen.

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