Die Bäreninsel

Sie wickelte den pelzbesetzten Umhang etwas fester um ihre Schultern. Das Pferd trug sie auch ohne ihr Zutun. Geradewegs mit den Nüstern am Schweif des Pferdes vor ihm, auf dem sich unter dem Umhang die breiten Schultern ihres Bruders erkennen ließen. Die Tiere kannten den Pfad, sie selbst kannte ihn nicht. Dass man sie mit auf die beschwerliche Reise geschickt hatte, sah ihrer Familie ganz und gar nicht ähnlich und sie fürchtete fast, dass nach einem neuen geeigneten Kandidaten für sie Ausschau gehalten worden war. Umso wichtiger war es, sich umzusehen.

baereninsel_011

Noch lag kein Schnee. Aber das Ausmaß der Abgeschiedenheit der Insel mochte sich dann noch einmal beträchtlich erhöhen. Schon jetzt kam es ihr kälter vor, aber vielleicht war es auch nur die Unruhe, die das Unbekannte immer mit sich trug. Das Eiland wurde die Bäreninsel genannt und war einst von Rodrik Stark selbst dem König der Eisenmänner abgerungen und an das Haus Mormont übergeben worden. Als sie dicht neben sich im Strauchwerk ein Rascheln vernahm, richtete sie den Blick zur Seite des Weges, wo sich zu beiden Seiten der Wald erstreckte. Dichter, dunkler Wald, in dessen Innerem sich das eine oder andere Wilde und Grausame verbergen konnte. Und doch nichts von diesen Schrecken mochte so schrecklich sein wie die, die ihren jüngsten und über alles geliebten Bruder erwartete, den sie nun an die Nachtwache verabschiedet hatten. Vielleicht ein Bär. Es gab einige von ihnen, so sagte man, auf der Bäreninsel, die nicht umsonst diesen Namen trug. Und auch auf dem Banner der Mormonts prangte ein Bär, schwarz auf waldgrünem Grund.

baereninsel_008

Den Rückweg von der Mauer nach Deepwood Motte hatten sie ganz nach vorher gefasstem Plan nicht ohne Umweg angetreten. Mit dem Schiff waren sie zur Bäreninsel gelangt, damit ihr Bruder mit Lord Mormont sprechen konnte. Worüber genau, darüber hatte sie sich zuerst einiges zusammenfantasiert, bevor sie die Männer dann beim letzten Halt hatte belauschen können: Die Überfälle der Eisenmänner hatten in letzter Zeit zugenommen. Nicht nur auf der Bäreninsel, sondern entlang der gesamten Küstenlinie der Eisbucht. Man suchte sich über gemeinsame Verteidigungsstrategien zu verständigen unter den Vasallenhäusern Starks. Ob das alles war, vermochte sie nicht sagen. Sie war nun 23 Jahre alt und dreifache Witwe. Und wenn es nach ihr ging, konnte das auch so bleiben. Ihr Bruder sah die Dinge jedoch in einem anderen Licht als sie. Vermutlich würde er die Herausforderung nicht scheuen sie auch ein viertes Mal mit einem geeigneten Mann zu verbinden.

baereninsel_001

Entsprechend ihrer eigenen Absicht nun unverheiratet zu bleiben, hatte sie sich von ihrer Zofe die schlichtesten Kleider einpacken lassen. Und dennoch. Als der Tross in die Siedlung einritt, die sich am Fuß der Burg erstreckte, hoben die Frauen, Männer und Kinder neugierig ihre Köpfe, unterbrachen ihr schweres Tagwerk und starrten zu ihnen rüber. Die Pferde und die edlen Pelze waren auffällig genug. Mit roten Wangen sah sie zu den ärmlich wirkenden Menschen und schenkte ihnen ein Lächeln. Nach Wohlstand sah die Bäreninsel nicht aus. Nein, ganz und gar nicht. Verhärmt, schmutzig, die Hände von Arbeit grob, so standen die Menschen vor den Häusern. Und auch die Frauen und die alten Männer trugen Waffen. Einfache Knüppel. Dolche. Auf manch einem Rücken erkannte sie einen Bogen. Das war ungewöhnlich und sie nahm sich vor ihren Bruder später danach zu fragen.

Fern Glover hob das Kinn, als ihr Bruder sich zu ihr umwandte und sie aufzog: „Du wirst wohl gern bewundert?“ Ihre Wangen flammten auf wie mit rotem Wein massiert. „Ich bin nur freundlich zu den Menschen. Weiter nichts.“ Er lachte. Zornig nahm sie die Zügel auf und trieb ihr Pferd zur Eile an, den Blick starrt auf seinen Hinterkopf gerichtet. Sein Haar war schwarz wie die Federn einer Krähe. Schwarz wie ihr eigenes Haar. Es verband sie so vieles, aber manchmal hatte sie das innige Bedürfnis ihm sein selbstgefälliges Grinsen aus dem Gesicht zu kratzen. Wenn es nach ihr ginge, würde sie als Witwe alt werden statt sich erneut betten zu lassen mit einem Mann, vor dessen Berührung es ihr grauste. Rasch zerrte sie sich die Kapuze über die langen schwarzen Locken und machte ein finsteres Gesicht.

================================================================

Bildschirmfoto 2014-11-28 um 13.32.35

================================================================

OOC, zwei Dinge:

1. Die Spendenaktion für Ärzte ohne Grenzen läuft noch und wer oben auf die Fundraising Box klickt, gelangt gleich an die passende Stelle. Auch kleine Beträge helfen. Fasst euch ein Herz und trag dazu bei, dass Menschen geholfen werden kann, da wo Hilfe dringend benötigt wird.

2. Wie man unschwer aus meinem Text entnehmen kann, gibt es wieder eine deutschsprachige Game of Thrones-RP-Sim. Ich finde sie sehr gelungen. Und ich will niemandem, der spielwillig ist, die SURL vorenthalten. Am Landepunkt gibt es eine NC mit der Setting-Beschreibung und den Regeln. Alles sehr gut durchdacht und mit Hand und Fuß. Auch die Sim ist sehr gut gelungen und schön anzusehen.

Teleport hier

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: