Tag 1

Seit  gestern ist Terra Nostra geöffnet und wird es wohl auch bis zum 30.01.2015 bleiben, denn diese Spanne haben wir uns gesetzt. Es war einiges los und im Gegensatz zu sonst bei einer Simeröffnung war ich noch nervöser. Warum? Nun zum einen erscheint es mir in diesem speziellen Fall nicht irrelevant, wie die Installation aufgenommen und verstanden wird und ob sie die Leute berühren kann. Denn letztlich zählt jede Aktion und wenn sich niemand mehr drum schert, müssten Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen ihre Arbeit einstellen. Zum anderen wünschen wir uns vermutlich naturgemäß, dass Dinge, die uns sehr berühren, andere nicht kalt lassen.

Die Resonanz insgesamt war sehr gut, die meisten haben aber die Installation auf eigene Faust erkundet. Das war angenehm, denn so konnte man während der begleiteten Führungen doch das eine oder andere Wort wechseln. Manche waren währenddessen einfach sehr still und man kam erst im Anschluss ins Gespräch. Egal ob geführt oder ungeführt, ich danke allen, die gestern da waren und vor allem den Freunden und Bekannten, die uns mit Werbung im Vorfeld unterstützt haben.

Überraschenderweise nutzen doch viele den Weg über die Tipjars und nicht über den direkten Spendenlink. Das ist nicht weiter tragisch, wir werden bis zum Schluss warten und dann alles gesammelt an Ärzte ohne Grenzen überweisen.

Wie das ja manchmal so ist, wenn man sich mit Dingen intensiv beschäftigt, fallen die Puzzle-Steine einfach so auf einen runter. So geriet ich gestern via Facebook an ein Zitat, das mich nicht nur im Hinblick auf die hoffnungslose Hilflosigkeit beschäftigt, die viele empfinden und das gestern auch geäußert haben, sondern durchaus auch auf einige bereits vergangene Erlebnisse.

Die Bürger werden eines Tages nicht nur die Worte und Taten der Politiker zu bereuen haben, sondern auch das furchtbare Schweigen der Mehrheit

Bertolt Brecht

Ja. Zuweilen kommt es einem vor, als hätten die eigenen Gedanken, Worte und Taten kein Gewicht. Als sei es vollkommen egal, was man denkt, tut, einkauft oder wem man seine politische Stimme gibt. Das ist nicht richtig. Viele können alles bewegen. Viele, das ist irgendwann mal einer gewesen, der aufsteht und andere mitnimmt. Einer, zwei, drei…. bis es irgendwann viele waren.

boat_001

Vor allen Dingen darf man niemals vergessen, dass manche Missstände zwar seit den 70er Jahren schon bekannt sind und sich zahlenmäßig wenig verbessert zu haben scheint, aber der Punkt ist: Wenn wir aufhören aktiv zu sein, werden die Dinge schlechter werden. Sie werden nicht gleich bleiben, nein, sie werden sich verschlimmern. Und allein dafür lohnt es sich dagegen zu halten.

Und vergessen wir auch den anderen, erschreckenden Weg nicht. Wenige Akteure ohne Skrupel können mit Hilfe des Schweigens der Vielen ganze Generationen auslöschen. In diesem Sinne und mit einem aufmunternden Augenzwinkern hier ein Videolink, der natürlich nicht ganz ernstzunehmen ist.

Bildschirmfoto 2014-11-28 um 13.32.35

 

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Comments
2 Responses to “Tag 1”
  1. Guten Tag.
    Ich habe die Region zu einem späteren Zeitpunkt allein erkundet.
    Auf facebook und Google plus hatte ich das dann so kommentiert:

    “ … Habe die Region heute besucht.
    Wirklich ganz ausgezeichnet gemacht!
    In jeder Hinsicht.
    Man sollte allerdings natürlich wissen, worauf man sich da bei einem Besuch einlässt.
    Auf billige Schockeffekte wird zwar absolut verzichtet – dennoch ist die Konfrontation mit den Zahlen mehrerer von Menschen herbeigeführter Katastrophen und den atmosphärisch passenden Installationen aber bedrückend und deprimierend.
    Realität tut manchmal weh. Aber das kann auch sein Gutes haben.
    Aufgerufen wird zu Spenden für Ärzte ohne Grenzen.
    MfG
    BukTom Bloch
    aka
    Burkhard Tomm-Bub, M.A. …“

    Von mir gingen 15,- Euro direkt an die Ärzte ohne Grenzen, da ich den anderen Link mit der Aktion zuvor nicht sah. Dort waren es dann noch mal 6,- Euro.
    Die tip jars habe ich leider nicht gesehen.

    Allgemein:
    Für mich persönlich ist es nicht relevant, ob ich „Aussicht auf Erfolg“ habe. Wenn ich mich daran klammere, kann ich enttäuscht und entmutigt werden.
    Lasse ich diese Attitüde fallen und handele ich, weil ich spüre, dass es so gut und richtig ist: passiert das nicht.

    MfG
    BTB

    • neanarstrom sagt:

      In der Tat. Enttäuschung ist immer eine Frage der Erwartungen. Allerdings wird unsere Geduld in solchen Dingen tatsächlich auf eine harte Probe gestellt.
      Der moralische Kompass als alleinige Handlungsmotivation erfordert auch bei mir offenbar noch Training.

      Danke für deinen Besuch. Und die lobenden Worte.

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