Rose Duval

Sie hielt ihre Augen geschlossen. Ihr Herz schlug mit den Geräuschen des Sumpfes, die sie in der Tag und in der Nacht umgaben, nicht losließen, niemals Ruhe gaben. Sie konnte hören, ob es Tag wurde oder ob es dämmerte. Sie konnte hören, ob ein Alligator in ihrer Nähe seine Bahn zog oder ob die Pelikane zufrieden und entspannt waren. Sie wusste das Crescendo der zirpenden Insekten zu deuten und den Flug und das aufgeregte Flattern der Vögel, wenn eine Wassermokassinotter in ihrer Schwimmbewegung das Schilf zittern ließ. Rose hatte all das studiert, seit sie sich in den Sumpf zurückgezogen hatte. Hierher, wo die Erinnerungen an ihre Kindheit so dicht waren. Der Geruch von noch warmem Hühnerblut. Die pergamentene Faltigkeit der Hände ihrer Großmutter. Das Messer in der gealterten, zitternden Hand. Der Singsang der einst schönen und nun brüchig gewordenen Stimme. Dein Weg ist in dein Herz gezeichnet, hatte die alte Frau immer gesagt. Und so war es. Rose war deswegen zurückgekehrt. An diesen Fleck fernab dessen, was man heute unter menschlicher Zivilisation verstand. Nur wenige lebten noch in den Sümpfen. Es war ein Leben jenseits der Zeit. Sicher, einige hatten Strom und manche sogar Toiletten mit Wänden drumherum, aber alles in allem waren sie aus der  Zeit Gefallene. Rose war freiwillig hier, aber die meisten waren hier, weil sie keinen Weg und keine Perspektive sahen aus ihrem Leben etwas zu machen, das über Bier, Ficken und mit einer Flinte in der Hand in den Sumpf starren hinausging.

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Der Schaukelstuhl knarrte leicht in seiner Rückwärtsbewegung. Sowohl das Feuer in ihrem Behelfsofen wie auch das noch nicht ganz fertige Brot konnte sie riechen. Sie hatte ihr Auskommen und spürte in der Konzentration auf sich selbst, in dieser fast vollkommenen Einsamkeit im Flussdelta, wie ihre Füße langsam den Weg fanden, den einst ihre Großmutter gegangen war. Wie jeder der kleinen Flüsse würde auch dieses Wasser, wenn auch träge und langsam, irgendwann seinen Weg in den großen Mississippi finden. Alles Kleine ging im Großen auf. In der Natur war alles eins. Werden und Vergehen. Geboren werden und sterben. Die Toten und die Lebenden. Die Frauen kamen zu ihr, nicht nur weil sie eine Exotin war, die sich dem Wahnsinn hingab freiwillig ein Leben in den Sümpfen zu führen, sondern weil sie helfen konnte. Sie konnte ihnen helfen. Mit Ratschlägen und Ritualen und auch mit Salben, Tees und Pulver. Aber am wichtigsten waren die Ratschläge und das Zuhören. Natürlich kamen sie heimlich. Und zahlten mit dem, was ihre Männer nicht unmittelbar vermissten. Manchmal Naturalien, aber zuweilen auch Dollars. Aber heimlich. Denn die Männer hielten nicht viel von der weißen Hexe. Wäre es nach ihnen gegangen, hätten sie die Hütte ihrer Großmutter einfach in Brand gesteckt und ihr Erbe im sumpfigen Boden versinken lassen. Rose bevorzugte den Begriff Priesterin, obwohl sie sich schlicht Miss Duval oder Rose nennen ließ.

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Sie öffnete die Augen nun und lenkte ihren Blick hinaus, vorbei am Feuer in die Dunkelheit der tausend Augen. Die Loa Racine hatten Unheil vorausgesagt. Das konnte vieles bedeuten, aber Rose war unruhig und wachsam jetzt, wo der Tag zur Nacht geworden war. Sie hatte außer den Messern ihrer Großmutter noch ein altes Schrotgewehr, das sie nie zuvor benutzt hatte und nicht einmal wusste, ob es noch zu gebrauchen war. Es lag unter ihrem Bett und bisher hatte sie es nicht weiter beachtet. Wenn man die Tiere achtete und Vorsicht walten ließ, war dies mehr wert als jede verschossene Kugel. Aber die Furcht, die seit Tagen in ihrem Herzen reifte, galt nicht den Tieren. Rose erhob sich langsam, wickelte das Tuch fester um ihre Schultern und ging dann hinein. Etwas vom roten Ziegelstaub auf ihrer Türschwelle blieb an ihren bloßen Füßen haften.

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*****

Misogyne 2.0 ist nun fertig gestellt. Und hat ziemlich meine Fantasie beflügelt, wie man sieht. Meine kleine Hütte ist nur mit dem Floß zu erreichen und vermutlich das abgelegenste auf der ganzen Sim und das ist auch gut so. Mal sehen, ob sich aus Rose Duvals Backgroundstory eine kleine Sequenz entwickelt.

Anbei ein paar Bilder vom Rest der Sim.

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Comments
3 Responses to “Rose Duval”
  1. Auch wenn ich mich wiederhole, ich bin total begeistert von deinen Geschichten und jetzt auch noch den tollen Bildern, an denen du uns teilhaben läßt.

    LG Talena

  2. Mithrandriel sagt:

    Deine ausgesprochen stimmungsvollen Bilder und der RP-Teaser machen die Atmosphäre auf Misogyne 2.0 förmlich greifbar und richtig Lust auf „veruchtes Südstaaten-Sumpf-RP“ 😉

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