Worte und so

Es bewegt sich was. Eine ganze Menge Real Life – verbunden mit einem beruflichen Aufbruch zu neuen Ufern, einer wundervollen neuen Stadt und vielen neuen Möglichkeiten – werden meine Anwesenheit in Second Life in der Zukunft sehr viel schmaler werden lassen. Aus diesem Grund gibt’s hier vermutlich zum Thema Rollenspiel in SL nicht mehr viel zu lesen. Aber manchmal, wenn mich was bewegt, vielleicht doch.

So wie heute. An sich handelt es sich nur um einen Buchtipp. Ich fass auch gar nicht die Handlung zusammen, sondern teile einfach mal ein paar Textstellen, die ich wirklich beeindruckend fand. Wenn Ihr also mal wieder Lust habt zu lesen – und glaubt mir – lesen ist unglaublich unstressig, dann kann ich euch das hier empfehlen.

Gregory David Roberts: Shantaram

 (…) Manche Liebesbeziehungen sind so. Die meisten, soweit ich es beurteilen kann. Irgendwann fühlt sich das eigene Herz an wie ein überfülltes Rettungsboot. Damit es nicht untergeht, wirft man seinen Stolz über Bord, seine Selbstachtung, seine Unabhängigkeit. Und nach einer Weile wirft man auch Menschen über Bord – Freunde, Bekannte. Doch es reicht immer noch nicht. Das Rettungsboot sinkt weiter und man weiß, dass es einen in die Tiefe ziehen wird. Ich habe das hier bei vielen Mädchen beobachtet. Vermutlich will ich deshalb auch nichts wissen von der Liebe.

Shantaram,  77/78

 Manchmal lieben wir nur mit der Hoffnung. Manchmal weinen wir mit allem außer Tränen. Und am Ende bleiben nur: Liebe und ihre Pflicht, Trauer und ihre Wahrheit. Am Ende haben wir nichts anderes – nichts anderes, an dem wir uns festhalten können, bis der Morgen dämmert.

Shantaram, 408

 Wie ich so der Kapelle zuhörte, den Kindern zusah und an Tariq dachte, den ich schon zu vermissen begann, fiel mir eine Episode aus dem Gefängnis ein. In jener autonomen kleinen Welt-innerhalb-der-Welt war ich in eine andere Zelle umgezogen und hatte dort eine winzige Maus entdeckt. Das Tierchen kam jeden Abend durch einen beschädigte Lüftungsschlitz zu mir hereingeschlüpft. Im Gefängnis sind Geduld und eine geradzu obsessive Konzentration auf Einzelheiten die Bodenschätze, die wir in der Mine unserer Einsamkeit abbauen. Mit dieser Geduld und winzigen Essenshäppchen bestach ich die Maus über mehrere Wochen hinweg und konnte sie schließlich dazu bewegen, mir aus der Hand zu fressen. Als ich im Rahmen der üblichen Rotation in eine andere Zelle verlegt wurde, erzählte ich dem neuen Insasssen – einem Mann, den ich gut zu kennen glaubte – von der dressierten Maus. Am Morgen nach der Verlegung lud er mich zu sich ein, um mir meine Maus zu zeigen. Er hatte das vertrauensselige Tier gefangen und gekreuzigt, mit dem Gesicht nach unten auf einem Kreuz, das er aus einem zerbrochenen Lineal gebastelt hatte. Er lachte, als er mir erzählte, wie die Maus gezappelte hatte, als er sie am Hals mit einem Baumwollfaden an das Kreuz gebunden hatte. Und er äußerte ausführlich sein Erstaunen darüber, wie lange es gedauert hatte, Reißzwecken durch die zuckenden Pfoten zu stechen.

Müssen wir uns irgendwann rechtfertigen für alles, was wir getan haben? Nachdem ich die gefolterte kleine Maus gesehen hatte, raubte diese Frage mir lange Zeit den Schlaf. Wenn wir handeln, selbst mit den besten Absichten, wenn wir uns in den Lauf der Welt einmischen, riskieren wir immer ein neues Unheil, das wir vielleicht nicht selbst verursachen, zu dem es ohne unsere Einmischung jedoch niemals kommen würde.

Shantaram, 433/434

Früher oder später bringt das Schicksal uns mit all jenen Menschen zusammen, die uns zeigen, was im schlimmsten Falle aus uns hätte werden können. Früher oder später begegnen wir dem Trinker, dem Tagedieb, dem Betrüger, dem skrupellosen Geist und dem hasserfüllten Herzen. Das das Schicksal spielt mit falschen Karten, denn für gewöhnlich lieben wir diese Menschen dann oder bedauern sie. Aber es ist unmöglich, jemanden zu verachten, den man aufrichtig bedauert, und es ist unmöglich, jemanden zu ächten, den man wirklich liebt.

Shantaram, 559

Sie küssste mich, und der weiche Sand nahm uns auf, als wir ineinandersanken. Unsere Finger umschlangen sich über unseren Köpfen, und wir liebten uns, während der Mond die See verführte, sie verlockte, ihre Wellen über den verzauberte, unfehlbaren Strand zu ergießen, wo sie schäumten und gischteten.

Shantaram, 601/602

 

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