Gesinnungsprüfung

Nun, da das Haus gekauft war, konnten die Umbauarbeiten eigentlich beginnen. Eigentlich. Den Kaufpreis hatte Vega durch den Verkauf von einigem Sachbesitz noch aufbringen können, aber vorerst wagte sie nicht, ihren kostbaren Golschmuck in Barvermögen umzuwandeln, denn Timaios hatte davon gesprochen, auch einen Teil der erforderlichen Münzen beitragen zu wollen. Vorerst war davon aber nichts zu sehen. Stattdessen hatte er bei der Auktion zum Fest eine 50 Kupfer teure Sklavin erworben, die sie kurzerhand in Nichtsnutz umgetauft und mit einem Münzkästchen um den Hals zum Arbeiten entsandt hatte.

Eines Tages kam Nichtsnutz zurück und sah aus wie ein gerupftes Vulo. Das Haar unregelmäßig und kurz geschnitten und zu allem Überfluss war das Haar auch noch verloren, weil sie wohl an einen Dieb geraten war. Vega war außer sich vor Zorn über soviel Dummheit. Sie wagte zu bezweifeln, dass das Münzkästchen mit dieser Frisur nun noch klingeln würde, zumindest ganz sicher nicht mehr für den Dienst in den Fellen. Einige wilde Drohungen später, die vom Einsatz auf der Baustelle, vom Steine schleppen und vom Kopf ganz rasieren, kündeten, war das Mädchen wieder unterwegs um binnen weniger Stunden fünf Kupfer zusammenzubekommen.

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Immerhin, so dachte Vega, immerhin wird sie für Timaios nun auch nicht mehr so verlockend aussehen ohne ihr langes Haar. Der Gedanke hob ihre Laune etwas. Sie widmete sich wieder  dem Studium einiger Gesetzestexte. Heute, hatte ihr Vater zu ihr gesagt, heute solle sie zu ihm kommen und ihr Anliegen vortragen. Das Anliegen war kein kein wirklich geringfügiges, sondern ihr Wunsch Prätor zu werden. Markus Baratheus als Kastenerster musste dem zum einen zustimmen und zum anderen musste er sie als Kandidat seiner Kaste dem Rat vorschlagen. Insgeheim hielt Vega ihren Vater für das noch größere Hindernis als den Rat selbst. Andererseits und so versuchte sie sich zu beruhigen – gab es diesmal keinen geeigneten männlichen Gegenkandidaten.

Timaios unterstützte sie. Selbst im Gespräch mit Lomerus hatte er auf ihrer Seite gestanden und war weit davon entfernt, das Amt für sich zu beanspruchen. Jeder Logik zum Trotz hätte er sich dann vermutlich gegen seine Gefährtin durchsetzen können. Nicht, weil er über größere Fähigkeiten oder über mehr Wissen verfügte, nein, schlicht darum, weil er ein Mann war. Mit finsterer Miene dachte Vega kurz an Quintus. So nah war das Prätorenamt damals schon gewesen. Was dabei herausgekommen war, konnte ja nun jeder sehen. Vielleicht warf dies endlich einmal ein anderes Licht auf die Besetzung wichtiger Ämter.

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Das Gespräch mit Lomerus war zu ihrer beider Überraschung keinesfalls so unerfreulich gelaufen, wie sie es erwartet hatte. Er hatte sich zu ihnen in den Orangenhain gesellt, gleich nach seinem Gebet am Tempel oben. Entgegen der Einschätzung ihres Gefährten, dass Lomerus gar nicht so grundsätzlich andere Interessen als sie selbst hatte, hielt Vega den verschlagenen Heiler nach wie vor für jemanden, der skrupellos seine eigenen Interessen verfolgte, die ihr immer undurchsichtiger wurden. Tatsächlich hatte er zu fragen gewagt, ob Vega ihm noch einmal den Wunsch abschlagen würde, der Vormund für Aurora Attica zu werden, sofern er ihr garantiere, dass die beiden Volkstribune ihrer Stimme für sie und das angestrebte Amt abgeben würden. Jetzt, während sie schlaflos, neben ihrem Gefährten lag, schüttelte sie den Kopf über diese Frage.

Ein Prätor, dachte sie bei sich, vertrat die Gesetze. Er vertrat nicht seine eigenen Interessen oder die von denen, die am besten zahlten oder am meisten Einfluss hatten. Und bevor sie sich zu solchen Boskhandeln herabließ, würde sie eher auf das Amt verzichten als es bereits mit einer solchen Gefälligkeit anzutreten.

Sicher, er hatte bekräftigt, dass er nur ihre Gesinnung hatte testen wollen. Er hatte auch gesagt, dasss er gar nicht mehr plane der Vormund der jungen Attica zu werden. Vega glaubte ihm das sogar. Sie bezweifelte lediglich, dass die Gesinnungsprüfung so ausgegangen war, wie Lomerus es sich erwartet hatte. Wie Corvus und er abstimmen würden, würde sie frühestens dann sehen, wenn sie ihren Vater überzeugt hatte.

Sie schmiegte sich eng an Timaios und lauschte seinem schlagenden Herzen, dessen Rhythmus sie langsam aber sicher davon trug in das Reich des Schlafes.

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Comments
3 Responses to “Gesinnungsprüfung”
  1. KendrickMcMillan sagt:

    „Mit finsterer Miene dachte Vega kurz an Quintus“
    Wahhhh, soll das heißen Quintus is schuld? Also echt jetzt, Vegas Eltern sind schuld, jawohl, hätten die sich mehr Mühe gegeben wär aus Vega n prima Kerl geworden. *ggggg*

  2. ganzbaf sagt:

    „…den verschlagenen Heiler“

    das ist eine interpretation! 😀

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