Der Kartograph

Goreans do not generally favor begging, and some regard it as an insult that there should be such, an insult to them and their city. When charity is in order, as when a man cannot work or a woman is alone, usually such is arranged through the caste organization, but sometimes through the clan, which is not specifically caste oriented but depends on ties of blood through the fifth degree.
Assassin of Gor, Pages 11 – 12

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Timaios leerte ihren Becher Wein, knallte ihn dann auf den Tresen und schenkte ihr erneut dieses unverschämt leichtfertige Grinsen. Aber ganz so selbstsicher wie er sich gab, war er nicht. Nervös fuhren seine Hände über die Tunika, entfernten so gut es ging Grashalme und noch einige Dinge, die dort nicht hingehörten, die sich aber in Nächten unter freiem Himmel dorthin verirrten und Vega half ihm dabei. Er sollte einigermaßen ansprechend aussehen und vor allem wie ein ehrbarer Mann ihrer Kaste, wenn sie ihn nun zu Markus Baratheus brachte. Ihrem Vater und dem Ersten der Kaste der Schriftgelehrten in Victoria.

Sie führte ihn nun hoch ins Villenviertel, das mit seinen weiten Plätzen und geräumigen Straßen rund um die Curia angeordnet war und trat dann in den Durchgang zum Arbeitszimmer, das in einem der vorderen Räume des Atriumhauses untergebracht war,  mit Zugang zur Straße. Die Szene, die sie vorfanden erinnerte nicht nur Vega an die Lehrstunden ihrer Kindheit. Ihr Vater stand mit hoch erhobenem Kinn und zornigem Blick neben Dillus, der an einem Tisch saß und offenbar Münzen zählte. Irgendetwas hatte wohl zum Streit geführt, die Sklavin Juno, die Vega immer etwas wirr und nah am Wasser gebaut vorkam, schaukelte hockend wie ein aufgescheuchtes Vulo, dem gleich der Kopf abgeschlagen wird, zu den Füßen von Markus herum und gab irgendeinen Singsang von sich. Markus, davon gänzlich unbeeindruckt, gab seinem mittlerweile erwachsenen Sohn eine Ohrfeige, dass es nur so schallerte.

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Alles in allem keine besonders entspannte Stimmung und ihr Vater offenbar weit entfernt von einem Tag mit guter Laune, stellte Vega still für sich fest. Dennoch klopfte sie kurz an und erbat einen Moment für einen heimgekehrten Kastenbruder, der die Unterstützung seiner Kaste für sich erbat. Dann trat sie eilig beiseite, zupfte unauffällig noch einen Grashalm von Timaios‘ Tunika und gab den Blick auf ihn frei, während sie den von Dillus auffing. Sie hielt dem Zorn und dem Hass in den Augen ihres Bruders stand, wusste sie doch, dass er nicht ihr galt, sondern ihrem Vater.

Timaios wusste scheinbar nicht so recht wohin mit seinen Händen und in dem Moment als Markus den Kartographen ansah, wusste Vega, dass etwas vorgefallen sein musste in der Vergangenheit. Leider blieb ihre Neugier unbefriedigt, es schien so, als würden beide Männer im stillen Einvernehmen kein Wort darüber verlieren und so trug Timaios sein Anliegen vor, erzählte von seinen auf der 50 Märkte währenden Reise erlangten Erkenntnissen, erklärte an welchen Gebieten der Forschung er zur Ehre der Kaste in Victoria weiterzuarbeiten gedachte und Markus sicherte ihm schließlich ein Zimmer und drei Mahlzeiten pro Tag zu, wenn er dafür im Archiv der Curia den Kartenbestand auf Vordermann brachte. Obwohl Vega das ziemlich geizig fand, war Timaios sichtlich erleichtert über den Verlauf des Gespräches und seine Formulierung „ich werde dich diesmal nicht enttäuschen“ in Verbindung mit dem Hinweise „ganz sicher nicht mehr wegzulaufen“ ließ Vegas Blick auf Timaios‘ Gesicht ruhen und darin nach Zeichen und Spuren suchen. Aber weiter erfuhr sie nichts.

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Dass ihr Vater sie damit beauftragte dem Mann seine Arbeit näher zu bringen, war jedoch eine glückliche Fügung, mit der sie im Traum nicht gerechnet hatte. Kaum waren sie um die Ecke, traf sein schiefes Grinsen auf ihr freudiges Grinsen und sie erklärte entschuldigend

„Vater ist ein Geizkragen und nimmt es ziemlich genau. Aber vielleicht kannst du noch bei einem Händler die Buchhaltung machen, Timaios. Ein wenig Geld in den Händen zu haben, wäre sicher angenehmer oder?“

Zu ihrer Überraschung schien er dahingehend keine Spur von Ehrgeiz zu haben. Zahlen und Geld, sagte er leichtfertig, verwirrten ihn nur.  Sie führte ihn zur Curia hoch und gab ihm einen Moment die Architektur zu begutachten. Alles war anders gewesen vor 50 Märkten, lachte er. Die Männer des Rates hatten sich in einem alten Holzbau getrofen und immer über die harten Stühle geklagt.

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Im Saal der Curia erläuterte Vega ihm die Reichtümer, die an den goldverzierten Vertäfelungen zu erkennen waren. Er lief ein wenig umher und nahm dann auf dem Ratssitz von Markus Baratheus Platz, was Vega wieder das Herz nach unten in den Magen rutschen ließ. Nervös bat sie ihn aufzustehen, was er nur mit einem „Es ist doch nur ein Stuhl und nichtmal der von Tasdron“ beantwortete.  Schließlich erbarmte er sich und folgte ihr ins Archiv. Archiv war ein sehr hochtrabender Begriff für den engen, fensterlosen Raum, in dem sich in deckenhohen Regalen die Karten und Schriftrollen stapelten. Zwischen den Schreibpulten und den Regalen war nur ein schmaler Gang, in dem mit Mühe zwei Menschen aneinander vorbeipassten.

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Die Karten befanden sich im linken Regal in geräumigen rotlasierten Schubkästen. Vega zog einen von ihnen auf und beugte sich darüber. Er war plötzlich still geworden, während er ihr zusah und sie konnte seine Reaktion nicht so recht deuten.

„Ich kann hier nicht arbeiten. Der Raum hat keine Fenster…“ erklärte er, als sie sich wieder aufrichtete und sich an ihm vorbei zur Tür drängte.

Wie vom Blitz getroffen, wandte er sich ab und dem Regal zu. Irritiert sah sie ihn an. Roch sie aus dem Mund? Hatte sie geschwitzt? Peinlich berührt öffnete sie die Tür und ging hinaus.

„Dann solltest du dir ein Zimmer mit ausreichend Tageslicht suchen, Timaios.“

Nach einigen Augenblicken folgte er ihr hinaus und nickte zu ihrem Vorschlag. Es folgte eine Reihe von Besichtigungen. Vega, als Tochter von Markus, zeigte ihm einige Räume in der Insula Maxima, die ihn aber aus irgendeinem Grund mit Unbehagen zu erfüllen schienen. Dabei waren es großzügig geschnittene Wohnräume mit prachtvollen Verzierungen und edelster Ausstattung. Erst nach einer Weile begriff sie, dass er nicht vor hatte sich von der Kaste ein solches Zuhause finanzieren zu lassen. Ihr Gesicht verfärbte sich, als sie ihre eigene Taktlosigkeit begriff. Leider war sie nicht klug genug den Rückzug anzutreten, sondern brachte ihn noch weiter in Verlegenheit, weil nun die Neugier mit ihr durchging.

„Warum hast du Victoria eigentlich damals verlasssen? Es klang so, als sei etwas vorgefallen, eben im Gespräch mit meinem Vater.“

„Da hast du etwas falsch verstanden, Vega. Ich habe schon genug deiner Zeit in Anspruch genommen und komme nun allein zurecht.“

Ihre gute Stimmung verflog unter seinen Worten wie davongeblasener Löschsand. Sein Gesicht zeigte nun keine Spur eines Lächelns mehr und mit einem Mal fröstelte sie. Es blieb ihr nichts weiter übrig als verwundert zur Tür zu gehen und sich zu verabschieden. Sie war Vega Barathea, sie hatte es doch nicht nötig, sich so abkanzeln zu lassen, dachte sie bei sich. Gleichzeitig fühlte sie sich wie ein kleines Kind in die Ecke gestellt, nachdem man ihr den Mund mit Seife ausgewaschen hatte wegen eines vorlauten Kommentars.

Sie schloss die Tür hinter sich und atmete tief durch.

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