Valerius‘ nächster Zug

Vega traute ihren Ohren nicht. Sie stand dichter hinter der Tür ihres Zimmers, die sie einen Spalt weit geöffnet hielt und lauschte dem Gespräch zwischen Valerius Tillius Atticus und ihrem Vater. Er hatte es tatsächlich gewagt beim alten Baratheus um Vega als Gefährtin anzufragen. Dass eine mögliche Bindung zwischen Dillus und der Lady Aurora zur Sprache kommen würde, damit hatte sie gerechnet, aber dass Valerius es wirklich ernst mit ihr meinte, zog ihr fast den Boden unter den Füßen weg. Ein Krieger, dem es gleich war, ob sie ihm noch ein Kind schenken konnte oder nicht. Und es konnte auch nicht sein Motiv sein das Bündnis zwischen den Häusern zu festigen, denn dazu würde auch die Gefährtenschaft von Dillus und Aurora ausreichen.

Der nächste Schlag folgte gleich darauf. Der alte Baratheus zeigte sich zögerlich ob dieses Vorschlags und gab vor, seine geliebte Tochter nicht so einfach hergeben zu wollen. vor allem nicht nach dem Reinfall mit Tasdron.  Seine geliebte Tochter! Vegas Wangen begannen zu glühen und vor Überraschung verlor sie das Gleichgewicht und schlug hart mit der Stirn gegen die Tür. Valerius‘ Blick glitt für einen kurzen Moment nach links, dorthin, wo sie hinter der Tür verschwunden war, als ihr Vater sie auf ihr Zimmer schickte. Sie glaubte ein Schmunzeln in seinem Blick zu erkennen. Der alte Baratheus machte es ihm nicht leicht. Er sei bereit ihm Vertrauen zu schenken, aber – so gab er Valerius zu verstehen – müsste Valerius dieses über die nächste Zeit hinweg erst einmal bestätigen. Dann könne man über dieses Anliegen wieder reden.

Das war kein Nein. Es war ein „vielleicht später“. Vega legte sich verwundert auf ihre Liege und schloss die Augen.

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Sie hatte sich von Valerius küssen lassen. Als der kleine Zettel über die Gartenmauer geflattert war, auf dem in ungelenken Buchstaben „Kom ins Arschief“ geschrieben stand, war die der Einladung gefolgt und dort war es dann geschehen. In der Ecke neben dem Fenster, so dass niemand sie sehen konnte, hatte er seine Lippen auf ihre gelegt. Mehr war nicht passiert, aber es hatte gereich um sie in völligen Aufruhr zu versetzen. Sie war aufgewachsen in der Überzeugung, dass ein Krieger einer Frau, die sich unsittlich verhält, schneller einen Kragen um den Hals legt, als man bis drei zählen konnte, aber Valerius schien anders zu sein. Nichts dergleichen war geschehen und nun stand er hier im Atrium des Domus Baratheus und bat sie als Gefährtin zu erhalten. Und das, obwohl er davon ausgehen musste, dass sie ihn nicht mit einer Schar kräftiger kleiner Atticus-Nachwuchs-Krieger beglücken konnte.

Dafür, dass Markus Baratheus vor einer halben Ahn noch tobend auf der Markstraße gestanden und sich über eine unflätige Kritzelei an der Mauer aufgeregt hatte, reagierte er nun erstaunlich besonnen. Das Bündnis mit einem der Häuser der roten Kaste schien ihm passend für seine Pläne zu sein und wie auch nicht, so dachte Vega, denn ohne den Stahl der Krieger war jede neu gegründete Macht in Victoria auf Sand gebaut.

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