Eigentumsfragen, Stolz und Ohrfeigen für Söhne – Lihi im Sog der Ereignisse

Sergius Atticus mochte jung an Märkten sein, aber die Verantwortung hatte ihn früher reifen lassen als den gleichaltrigen Spross der Schreibersfamilie Baratheus. Dort stand Lihi nun im Atrium und sah sich neugierig um im Domus der Schriftgelehrten. Auf den ersten Blick gab es keine großen Unterschiede, aber durch einen offenen Türspalt warf Lihi einen Blick auf den gebeugten Rücken des alten Baratheus. Er saß an einem Schreibpult, über Schriftrollen gebeugt und aus dem Raum drang der unverkennbar staubige Geruch von Papier, Pergamenten und Löschpulver.

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„Lihi, her zu mir.“ Ein Pfiff war dem Ruf von Sergius vorangegangen. Lihi machte kehrt und ihre blanken Füße trugen sie rasch zurück zu ihrem Herrn. Er hatte seine Schulden beglichen und die 21 Silber an den jungen Baratheus zurückgezahlt. Die beiden schienen freundschaftlich miteinander verbunden zu sein und so bot Sergius für den Freunschaftsdienst an, dass er Lihi, den Gegenwert der 21 Silber, gern einmal nutzen konnte. Sie musterte den jungen Schreiber mit ihren forschenden grünen Augen. Immer hatte sie Kriegern gedient und kannte nichts anderes. Und auch jetzt, im Haus Atticus, obwohl sie erst ein paar Tage dort war, fühlte sie sich schon wie zuhause. Sie durfte in Sergius‘ Zimmer schlafen und trug im Haus statt einer Tunika nur einen schmalen Streifen Stoff, der rechts und links ihre Brüste freiließ und auch ihren Hintern nicht bedeckte. Lediglich ihre Scham war vor Auroras Blicke verborgen. Nicht, dass das nötig gewesen wäre. Lihi hatte gute Ohren und das nächtliche Keuchen der jungen Frau, wenn sie Kiku, das bemalte Panimädchen,  in ihrem Zimmer hatte, war nicht zu überhören.

Dillus Maximus Baratheus strich kurz über ihre Wange und nickte. „Auf das Angebot komme ich gern zurück.“

Die nächste Station auf dem Weg durch die Stadt waren die Thermen. So unscheinbar das kleine Häuschen am Fuße der Treppe zum Händlerviertel auch war, unter der Erde ersteckten sich die Thermen über einen Platz, der in der Größe fast dem Regierungsviertel entsprach.  Sergius verschaffte ihr hier als Bademädchen Arbeit. Sie würde mit einem Kästchen an ihrem Gürtel hier dienen und so schon bald die Ausgaben wieder eingebracht haben, so gab er ihr zu verstehen und machte damit auch seine Erwartungen recht deutlich. Lihi nickte. Sie hatte nicht viel Erfahrung auf diesem Gebiet und das Badehaus in Turmus war eher klein gewesen und hatte nur ein Becken gehabt. Aber sie würde sich schon alles Notwendige bei den anderen Mädchen abschauen und die Münzen in ihrem Kästchen hoffentlich klingen lassen.

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Vor wenigen Tagen hatte Sergius ihretwegen Rat beim Prätor eingeholt. Wie schon in dem Disput mit dem Sklavenhändler Gaius Crispus hatte Sergius dem Motto seiner Familie alle Ehre gemacht: Weiche keinem! Sein Stolz und seine Unnachgiebigkeit waren derart ausgeprägt, dass er um keinen Preis zugeben mochte, beim Kauf von Lihi einem Betrüger aufgesessen zu sein. Nichts desto trotz hörte Lihi heraus, dass er den jungen Mann suchen würde um ihn zur Rechenschaft zu ziehen. Der Prätor erwies sich als durchaus hilfsbereit in der Sache und schlug Sergius eine Lösung vor, die seinem Stolz mehr entgegenkam als den Betrug zugeben zu müssen. Seitdem und bis zur endgültigen Erledigung der Eigentumssache war Lihi angewiesen Angehörige des Sklavenhauses Crispus zu meiden und auch sonst nicht über ihre Herkunft zu sprechen. Da ihr ihre Zunge lieb war, hielt sie sich an diese Anweisungen.

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Am gleichen Abend noch – vor Sergius‘ Aufbruch mit seiner Flotte auf den Vosk – vermisste Aurora Atticus ihre Bruder und schickte Lihi los ihn zu suchen. Es war schon spät in der Nacht und so lag die Vermutung nah, dass er im schlüpfrigen Loch vorbeigesehen hatte und dann dort hängen geblieben war. Entweder beim Würfelspiel oder auf einem Mädchen. Als sie ihren Kopf durch den roten Vorhang streckte, war es bereits so spät, dass selbst das schlüpfrige Loch schon fast wie ausgestorben wirkte, nur aus der Würfelecke drang lautes Lallen und Gelächter.   Zwei Männer hockten dort um den Spieltisch herum und da der eine ihr den Rücken zuwandte, erkannte Lihi ihn erst nicht.

„Mein Herr? Ist mein Herr hier irgendwo, Sergius Atticus?“ Ihre helle Stimme tönte durch den pagadunstgeschwängerten Raum.

„Totilas, deine Gebete wurden erhört oder du bist ein Zauberer, da ist ja eine. Wir könnten uns die teilen!“

Nun erkannte sie die Stimme des jungen Baratheus und im gleichen Moment drehte er sich um, ließ die Würfel Würfel sein und schwankte trunken auf sie zu. Der andere, den er Totilas nannte, trug eine grüne Tunika. Just in dem Moment, als beide Männer auf sie zukamen, betrat noch ein weibliches Wesen die Kaschemme und Lihi hielt sie fälschlicherweise für das diensthabende Pagamädchen.

Was für ein Irrtum! Die Frau war eine Freie und offenbar von den beiden übermütigen Männern belogen worden. Man hatte der Frau gesagt, dies sei die beste Herberge am Platz und nicht etwa eine Pagataverne. Bevor die Frau sich versah, hatte sie schon die Hände von Totilas auf ihren noch bedeckten Brüsten und Lihi warf rasch ihre Tunika ab um die Aufmerksamkeit von der verwirrten Frau abzulenken. Es gelang ihr. Ihre Nippel, in denen zur Zierde kleine golden Ringe steckten, lenkten die Männer soweit ab, dass die Frau sich in die Küche flüchten konnte. Lihi, die schon vier Hände auf ihrem nackten Leib spürte, wurde in den Tanzkreis geschoben. Zwei vom Paga benebelte Augenpaare lagen auf ihrer Spalte, als sie langsam die Beine spreizte. Jetzte war nicht der Moment für die Poesie eines einstudierten Tanzes, die beiden hatten in ihrem Zustand weder Sinn für feine Verführungskünste noch genug Geduld um lange zu warten und Lihi ging davon aus, dass die Sache in höchstens einer halben Ahn zu Ende war.

Dillus Maximus hielt am längsten durch. Totilas hingegen war nach drei Ehn Richtung Ausgang gewankt und hatte dort lange an der Wand gelehnt und frische Luft in seine Lungen gesogen. Für ihn war es offenbar ein Paga zuviel gewesen um noch eine Sklavin besteigen zu können. Dillus hingegeben warf seine Tunika fast schneller ab als Lihi zuvor und war dann ohne großes Zögern bei ihr im Tanzkreis. Er ließ sie seinen Schwanz schmeckten und versenkte ihn dann mit dem schwungvollen Elan eines Betrunkenen in ihr enges Hinterteil. Er hätte so sicher noch einige Ehn durchgehalten, wäre nicht auf einmal ein Schatten in die Taverne gefallen.

Der alte Baratheus riss den schäbigen Vorhang beiseite und war dann für sein hohes Alter recht schnell und behend bei seinem Sohn. Noch bevor seine Stimme durch die Taverne grollte, hatte er seinen Junior bereits am Ohr gepackt und von der vor Schreck erstarrten Lihi heruntergezerrt. Lihi spürte nur noch ein Rutschen, statt eines nächsten Stoßes und krabbelte flink, weil ihr ihr Leben lieb war, in die entgegengesetzte Richtung davon, um möglichst viel Abstand zum tobenden Baratheus Senior zu bekommen.

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Es stellte sich heraus, dass der Alte herausbekommen hatte, dass sein Sprössling 21 Silber verliehen hatte ohne dabei an Zinsen zu denken und darüber hinaus kam nun der ganze Lebenswandel zur Sprache, der dem alten Schreiber so gar nicht gefiel. Lihi bekam einen hochroten Kopf und hoffte inständig, dass der Zorn sich nicht noch auf sie erstrecken möge. Verängstigt und die Tunika an ihren nackten Leib pressend, machte sie sich möglichst unauffällig davon. Noch am Ende der Gasse hörte sie das Donnnergrollen, das über Dillus Maximus Baratheus niederging.

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Comments
One Response to “Eigentumsfragen, Stolz und Ohrfeigen für Söhne – Lihi im Sog der Ereignisse”
  1. SilenT Dill sagt:

    ein super rp konnte nimmer vor lachen…echt gut gespielt von allen *daumen hoch*

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