Heimgekehrt

Sie stand nervös inmitten der Halle, um sich herum Menschentrauben. Manche hielten ebenso Ausschau wie sie selbst, andere hatten sich bereits gefunden und nicht selten lagen sie sich in den Armen. Je länger es dauerte, umso aufgeregter wurde sie. Am Morgen war sie mit einem entsetzlich schweren und schmerzenden Kopf aufgewacht, aber sie war fest entschlossen gewesen nach Paris zu fahren und Talleyrands selbst abzuholen. Wenn er nicht aufpasste, würde sie fortan wie eine unablösbare Briefmarke an ihm kleben und nie wieder das Risiko eingehen ihn zu verlieren.

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Schließlich erklang von hinten ein amüsiertes: „Bonjour Madame, suchen Sie jemanden?“ Erleichert drehte sie sich um, ohne ein weiteres Wort schlang sie die Arme um ihn und ihre Augen liefen über. Er roch wie immer, vielleicht noch ein bißchen mehr davon, war er doch nun tagelang mit unvorhergesehener Arbeit und Langstreckenflügen kaum aus dem Anzug gekommen. Er roch so gut. Er roch wie die ganze Welt. Er stellte das Handgepäck ab und hielt sie fest, eine Hand auf ihrem Rücken, die andere auf ihrem Haar, seine Lippen auf ihrer Stirn. So standen sie für einige Minuten einfach still und der ganze Trubel um sie herum verblasste. Schließlich nahm er einen Finger unter ihr Kinn, hob es an und küsste sie. „Es tut mir so leid, Nicole. Ich verspreche, du wirst jetzt immer wissen, wo ich mich befinde.“

Erst nach dem Kuss erkannte sie, wie abgekämpft er wirkte. Dennoch war es sein Orientierungssinn, der sie mit Hilfe des Parkbillets sicher dorthin zurückbrachte, wo sie den Wagen geparkt hatte. Kaum hatten sie Paris hinter sich gelassen, schlief er bereits tief und fest. Immer wieder sah sie zu ihm rüber. So müde und so friedlich und so lebendig. Das Glück traf sie so wuchtartig, dass ihre eigene Müdigkeit erst einmal völlig verflogen war.

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Selbst das Gerumpel bis hoch auf Drei Zypressen weckte ihn nicht, Bettencourt lenkte den Geländewagen aufs Grundstück und küsste ihn dann sanft auf den Mund. „Wir sind zuhause. Kannst du aufstehen oder soll ich Olivier um Hilfe bitten?“ Eine Spur Empörung lag in seinem Blick als er die Augen aufschlug. „Schon zuhause? Ich bin weder alt noch krank, natürlich kann ich aufstehen.“ Sie schmunzelte und stieg aus dem Wagen um das Tor zu schließen.

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Wenige Minuten später standen sie gemeinsam unter der Dusche und ließen das heiße Wasser über sich laufen. Olivier hatte auf dem kleinen Tisch neben dem Bett Champagner bereit gestellt und war dann still und leise wieder verschwunden. Luiz trug sie rüber aufs Bett, seine Lippen schon auf ihren. Sich lieben. Sich lieben und dann gemeinsam einschlafen. Es waren keine weiteren Worte mehr nötig.

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