Blattgold und roter Samt

Bettencourt trug das Blattgold vorsichtig mit der Klebeflüssigkeit und einem Pinsel auf. Schließlich gelang es ihr mühelos, die blauen Flecken zu verdecken, die das Training bei Hax auf Armen und Beinen hinterlassen hatte. Talleyrand hatte sie zum Fest nackt gewollt, nur bekleidet mit Schuhen und einem schmalen goldenen Halsreif, auf dem seine Initialen eingraviert waren.

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Als der Wagen die Allee zum Chateau entlang rollte, hatte sie es erst für einen Scherz gehalten. Vermutlich die Residenz von Monsieur Hollande. Aber nein. Talleyrand öffnete ihr den Wagenschlag und führte sie durch den Schlossgarten bis ins Anwesen und bis hoch ins Schwanenzimmer. Hier saß sie nun und bereitete sich auf den Abend vor. Sie hatte noch genau eine Stunde bis die Gäste eintreffen würden und sie lag gut in der Zeit. Nur noch das Haar musste hochgesteckt werden und schon war sie fertig. Einen kurzen Augenblick lang dachte sie darüber nach, ob es noch mehr unbekleidete Gäste geben würde oder ob in diesem Augenblick alle anderen damit beschäftigt waren über ihre Garderobe und die Auswahl zu fluchen.

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Vor dem Dinner wurden die Männer erst mal von den Frauen separiert und schweren Herzens sah sie Talleyrand im Herrenzimmer verschwinden. Sie selbst blieb nackt zurück unter lauten Damen in Abendgarderobe, die Identitäten verborgen unter prachtvollen Masken. Wie sie selbst. Natürlich erkannte sie einige unter ihnen, an der Art, an ihren Bewegungen, an ihren Stimmen. Allen voran die Comtesse de Levenque. Einige Gäste nutzten die Gelegenheit um vor dem Dinner das Chateau und seine Möglichkeiten zu erkunden, aber alle versammelten sich pünktlich beim Glockenschlag um die große Tafel. Sie erkannte auch Bartand an seinem rotblonden Zopf, er hätte wahrlich keine passendere Maske finden können als die, die er trug. Er und seine Begleitung, rothaarig und zierlich, trug die gleiche Eulenmaske wie Talleyrand und beide saßen ihnen am Tisch gegenüber.

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Je mehr das Dinner fortschritt, mit jedem Teller, der abgetragen wurde, wuchs Bettencourts Aufregung. Sie wusste, dass sich nach dem Dinner viele Gäste in den Gewölbekeller zurückziehen würden und sie ahnte, dass Talleyrand da keine Ausnahme bilden würde. Als er zu ihr ins Schwanenzimmer kam um sie zu begutachten und ihr den Halsreif anzulegen, hatte sie gefragt ob es irgendwelche Dinge gab, die sie beachten musste, aber er hatte nur den Kopf geschüttelt. Der Abend würde seinen Lauf nehmen. Sie wusste nur noch nicht welchen und musste nichts weiter tun als sich treiben lassen.

Schließlich erhob sich Talleyrand und bat um einen Moment der Aufmerksamkeit. Das Lachen und die Tischgespräche wurden langsam leiser, bis eine gespannte Stille eintrat. Das war der Moment, auf den viele gewartet hatten. Talleyrand erklärte den offiziellen Empfang für beendet und lud nun zum orgiastischen Treiben frei nach dem Motto der Societé in den Gewölbekeller ein.  Fais ce que tu voudras sera le tout de la Loi. Er nahm eine zierliche goldene Kette und hakte sie an Bettencourts Halsreif ein. Dann zog er sie mit sich, vorbei an der langen Tafel, vorbei an den anderen Gästen, nackt unter Menschen in Abendgarderobe und verborgen unter Masken.

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Jemand musste den Anfang machen und er war ein pflichtbewusster Führer.

Bettencourt spürte ihr Blut in den Ohren rauschen, als sie die Stufen hinunter nahm. Vorsichtig, mit Bedacht, nur keinen Fehler machen. Schon als die schwere Tür hinter ihnen zufiel und sie oben nur noch das Stühlerücken und das Rascheln von Roben hörte, Schritte die Richtung Treppe folgten, ausgelassenes Lachen, da fiel die Nervosität endlich von ihr ab. Talleyrand löste die Leine, ließ sich in einen der Sessel fallen, die um eine Bühne herum platziert waren und deutete mit der Hand nach oben. „Du möchtest eine Muse sein. Zeig uns, dass du unterhaltsam bist.“

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Sie drehte den Kopf und sah auf den Stuhl. Nur ein einziger Stuhl, bezogen mit rotem Samt, platziert auf einem schwarzen Bärenfell. Sie nickte langsam und folgte den Bildern in ihrem Kopf, die sich in lebendigem Glanz zu entfalten begannen. Das alles war in ihr. Sie musste sich nur fallen lassen. Samtig die Sitzfläche unter ihrem nackten Hintern. Langsam, ganz langsam füllte sich der Keller und von irgenwoher erklang nun Musik. Sie atmete durch, sah Talleyrand tief in die Augen und schob dann langsam, ganz langsam die Schenkel weit auseinander.

Der Tanz begann.

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