Schokolade mit geheimnisvollen Ingredienzen

Die sind handbemalt von Freunden aus der Kommune.“ Juliette stellte die beiden kleinen Schachteln auf den Tresen und sah Bettencourt fröhlich an. Bettencourt legte den Geldschein hin und betrachtete die Schachteln, eine trug einen Schmetterling, die andere einen Baum mit vielfach verzweigten Ästen. „Sie sind sehr hübsch, Juliette. Bis wann kann ich die Spezialpralinen haben?

Oh, wenn du mir alles gebracht hast, dann dauert es so drei Tage. Ich muss ein paar Dinge besorgen, damit sie richtig gut wirken.“
Juliette beugte sich vor und schon wieder wurden ihre kleinen Halbkugeln sichtbar, die das weite fischernetzartige Oberteil allzu gerne freigab, wenn sie sich bewegte.

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Juliette passte in die Chocolaterie wie der Sand an den Strand, fand Bettencourt. Davon abgesehen war das, was sie in Handarbeit herstellte, derart köstlich, dass es an wolkigen Tagen den Himmel blau machte und alle Sorgen zusammen mit dem zauberhaften Geschmack auf der Zunge zerflossen und sich auflösten. Zumindest hatte Bettencourt das Gefühl. Die letzte Kostprobe waren kleine Blüten aus Zuckerwerk gewesen, die nach Rosenwasser dufteten.

Eine Kommune. Bettencourt kannte solche Dinge nur aus dem Fernsehen. Irgendwelche Hippies, die nackt herumsprangen und kreuz und quer miteinander Liebe machten, wie es ihnen gerade gefiel. Sie konnte nicht umhin zuzugeben, dass sie diesen Gedanken irgendwie reizvoll fand. Dann wiederum bedachte sie ihre dann und wann aufkommenden Eifersucht, wenn sie vermutete, dass Talleyrand etwas mit anderen Frauen hatte.

Man muss wohl teilen können, um in so einer Kommune zu leben. Sie nahm die zwei Schachteln, bildete sich ein, einen ganz leichten Duft von Räucherstäbchen wahrzunehmen und verabschiedete sich dann mit einem letzten Blick auf die kleine Blondine mit dem Federband im Haar.

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75€ waren ein stolzer Preis für ein kleines Pralinengeschenk. Aber Bettencourt würde nichts unversucht lassen, Talleyrands Gunst ganz für sich zu erlangen und wenn sie dafür auf Juliettes geheimnisvolle Ingredienzen zurückgreifen musste. Die beiden Päckchen, die sie nun nach Hause trug, waren ebenfalls Geschenke. Eines für sie selbst, denn nur wenige Dinge trösten so gut wie Schokolade in handbemalten Schmetterlingsschachteln – und das andere für Lilian.

Dass Lilian die Pralinen nicht bekommen würde, ahnte sie noch nicht, als ihre Schritte sie zurück über den Place de Gaulle in die Ruelle du Nord trugen. Bettencourt zog die Sonnenbrille auf und warf beim Vorbeigehen einen Blick in die Bürgermeisterei. Leblanc saß an ihrem Schreibtisch mit einer Brille, so groß wie zwei aneinander geschweißte Lupengläser.

Bettencourt hatte es gewagt und Talleyrand nach dem Zweck der Einladung von Leblanc zum Essen gefragt. Seine Antwort klang ehrlich und einigermaßen zufriedenstellend: den Kontakt zum Bürgermeister anbahnen. Bettencourt hatte Viktor La Mason bereits kurz kennengelernt, als er zur Eröffnung die Galerie besucht hatte. Ein durchaus interessanter Mann, recht jung für einen Bürgermeister, aber ohne Zweifel ein Lokalpatriot sondergleichen. Der Stadtführer! Bettencourt beschleunigte ihren Schritt. Sie musste den Entwurf vorbereiten, den sie La Mason angekündigt hatte, damit die Galerie in den Stadtführer aufgenommen wurde.

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