Anais und der Teufel

Anais schloss hinter Talleyrand die Tür und schob von innen alle Riegel vor. Er hatte sie zurück nach Paris gebracht, nachdem sie ihn gebeten hatte aus Neuville-sur-Mer abreisen zu dürfen. Sie hatte neben ihm im Wagen gesessen und versucht zu schlafen und zu vergessen, während der Schmerz sie fast zerriss. Talleyrands Kaufvertrag über die Villa von Francois Bruel war in sicheren Tüchern, aber sonst war alles schief gegangen, was nur schief gehen konnte.

Sie schlug die Hände vor das Gesicht und sank hinter der Tür weinend zu Boden, nachdem Talleyrands Schitte im Treppenhaus verklungen waren. Nein, sie würde keine Anzeige erstatten. Sie verdankte Talleyrand zuviel und ein Skandal gleich zum Einstieg an seinem neuen Hauptwohnsitz, das konnte sie ihm nicht antun. Außerdem hatte er ihr versichert, dass er den Mann überhaupt nicht kannte, geschweige denn mit ihm telefoniert oder ihm irgendetwas mit Anais zu tun gestattet hatte.

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„Ich habe den Teufel gesehen.“ hatte sie Talleyrand zugeflüstert, als er ihrem aufgelösten Anruf folgend, nach Neuville-sur-Mer gekommen war. Anais schüttelt verzweifelt den Kopf. Sie hatte sich lächerlich gemacht und es doch ernst gemeint. Talleyrand hatte sie angesehen, als habe sie den Verstand verloren. Aber da war auch Sorge in seinem Blick gewesen und als sie ihn bat, sie nach Paris zurückzufahren, da hatte er keine Sekunde gezögert. Nein, sie hatten den Teufel nicht nur gesehen, sie hatte seine Zunge auf ihrem Hals und auf ihren Lippen und sein Glied zwischen ihren Schenkeln und – was noch viel schlimmer war – in sich gehabt.

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Der Teufel hatte einen Namen. Antoine d’Aubain. Sie hatte ihn in Neuville-sur-Mer im Bistro kennengelernt und war mit ihm ins Gespräch gekommen, während sie auf den Anruf des Anwalts der Erbengemeineschaft von Monsieur Bruel wartete. Als er die Fotos von der Villa auf dem Tisch liegen sah, gab er vor Talleyrand zu kennen und schließlich, weil er anziehend auf sie wirkte und ihr anbot ihr einige Dinge über ihren Arbeitgeber zu verraten, die sie noch nicht wusste, nahm sie ihn mit auf ihr Zimmer.

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An den Rest erinnerte sie sich nur noch dunkel. Seine Stimme war direkt in sie eingedrungen und wie willenlos hatte sie sich die Bluse aufgeknöpft und lag schließlich nackt vor ihm auf dem Bett. Sie erinnerte sich an das Gefühl von Erregung, aber auch an etwas Dunkles, Bedrohliches, das mit seiner Stimme in sie hineingeflossen war. Und dann kamen der Schmerz und das Entsetzen.

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Antoine d’Aubain war der zweite Mann,  mit dem Anais geschlafen hatte. Nein. Miteinander schlafen, das klingt nach Liebe und Vertrauen oder zumindest nach Spaß haben. Antoine d’Aubain hatte sie geschändet. Als die Details vor ihrem inneren Auge aufstiegen, begann Anais zu würgen und übergab sich noch im Flur ihrer Wohnung auf den kleinen Läufer, auf dem sie ihre Straßenschuhe auszuziehen pflegte. An ihren Handgelenken waren noch deutlich die Abschürfungen der Fesseln, mit denen er sie hilflos gemacht hatte.

Sie musste zum Arzt. Eine Salbe gegen Brandwunden besorgen oder zumindest die Pille danach. Aber nicht jetzt. Nicht jetzt! Anais lag auf dem Boden und konnte nicht mehr aufhören zu weinen.

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