Ein persönliches Resümee

Selbst in HDRO wintert es und beim Julfest gibts ein paar sehr feminine Rösser als Belohnung. Feste in HDRO und dem Auenland erinnern mich persönlich ja immer an SL-Gor. Warum, dürfen Ähnlichtickende sich an dieser Stelle selbst denken. Nur gibts beim Julfest – wie gesagt – ja Belohnungen. Ein weiterer Unterschied ist, dass Hobbits nette und soziale Wesen sind. Da in diesen Tagen das Klugscheißen in Blogs wieder extrem angesagt ist, komme ich nicht umhin ein kleines sorgloses, persönliches Resümee zu ziehen. Irgendwann im Sommer 2011 habe ich begonnen mit dem Gor-RP in Second Life. Im Vorfeld gabs diverse dunkle Gerüchte über Gor, die ungefähr so eindringlich warnten als habe man vor Mitglied bei Scientoloy oder Thelema zu werden. Das kann man getrost vergessen. Gor-RP ist ungefähr so gefährlich wie ein Rosinenbrötchen beim Bäcker um die Ecke und an Rosinen kann man immerhin ersticken. Aus intellektueller Sicht spannend ist die psychosoziale Feldstudie, die man am Objekt „Gor-Spieler in SL“ betreiben kann.

Ich gehe die Dinge ja systematisch an, also hier mal eine kleine Charakterisierung von Rollenspielertypen, wie ich sie erfahren habe:

1. Der Harmonie-Freak

Dass er Gor spielt, ist eigentlich mehr Zufall. Er sucht Familienanschluss, ganz viel Kuscheln und Liebe und das alles in einem Setting, auf dem jedenfalls von außen noch das Etikett „spannend / verwegen“ klebt. Manchmal startet er gewagte Aktionen wie „Met verschütten“ oder „dem Herrn ein Widerwort geben“. Aber weil sich alle so lieb haben, kriegt er bestenfalls mal den Popo voll, was sich für ihn praktisch anfühlt wie elterliche Sorge.

2. Der Hingebungsvolle

Er sucht Liebe und Bestätigung darin, dass er sich aufopfert. Klar, das ist die Rolle der Kajira/des Kajirus natürlich prima geeignet. Leider arbeiten die meisten „Hingebungsvollen“ nach einer Kosten-Nutzen-Rechnung, die selten aufgeht mit Spielern, die nicht nicht das „Papa Schlumpf“ oder „Mutter Theresa“ Syndrom haben. Der Hingebungsvolle ist meist der, der nach seiner gescheiterten Rechnung alle anderen für die Arschlöcher hält, die alle „Hingebungsvollen“ immerzu ausnutzen.

3. Der Wanderpokal

Aus jedem Spielertyp kann ein Wanderpokal werden. Böse Zungen behaupten, dass die verbliebenen 50 Gor-Spieler allesamt Wanderpokale unter wechselnden Identitäten sind. Ich finde, da könnte was dran sein. Muss aber nicht sein. Wanderpokale bekommen nach geschätzten 8 Wochen Verzeihfrist meist eine Blankokarte für weitere Scheißhaus-Aktionen, einfach, weil die Sims verzweifelt nach Spielern suchen.

4. Der Paranoide

Der Paranoide zeichnet sich vor allem durch seine Angst vor ALTS aus. ALTS sind seiner Meinung nach dazu da, andere auszuspionieren oder anderen Spielern mächtig eins reinzuwürgen. Oft hat der Paranoide eine lange Liste von Leuten, mit denen er schonmal Differenzen hatte und er fürchtet nun das Echo. Häufig hat der Paranoide selbst viele ALTS, damit er Racheaktionen der befürchteten Art vorbeugen kann. An der Stelle wird klar, dass der Paranoide die Idee mit dem Konsens-RP nicht so ganz verinnerlicht hat und er immer noch denkt, er spielt GEGEN seine Mitspieler und die meisten Mitspieler gegen ihn.

5. Der Aggressive

Eine Gattung von Spielern, die meist – nicht immer – in der Lage sind Wohlverhaltensperioden von ca. 2 Wochen bis 2 Monaten an den Tag zu legen, danach gehen sie hoch wie eine Bombe. Entweder finden sie das Spiel von allen anderen doof und wissen immer alles besser oder aber sie fühlen sich verfolgt und gemobbt oder sind auch einfach mal eifersüchtig, weil ein anderer ihre Kajira schräg angesehen hat. Manche fühlen sich auch dauerhaft von allen nicht ernst genug genommen. Allen Aggressiven gemeinsam ist die Neigung, IC Konflikte auf die OOC Ebene zu ziehen und mit ihrem „Suche Assassinen für die dumme Schlampe auf SIM XY“ bei fast allen ein Facepalm hervorzurufen. Etwas abgeschwächter ist die Variante „Ich sorg dafür, dass du aus der Gruppe fliegst“. Besonders in Gruppenchats tun sie sich immer auf unterhaltende Art und Weise hervor.

6. Der naturdominante Loser

Naja, der Titel spricht eigentlich für sich. Hätten sie RL genug finanzielle Mittel, würden sie sich aus einem Katalog eine Ukrainerin oder eine Frau von den Philippinen mit der Post bestellen. Dass Gor ist überall „kein Gor“ oder „Disney-Gor“, wenn ein weiblicher Char sich nicht zu Boden wirft um ihm die Sandalen zu salben. Typisch sind auch Titel wie „Ich spiele nicht, ich lebe Gor.“ Vielleicht sollten nach Afghanistan umsiedeln oder so. Häufig zeichnen sich diese Spieler durch einen ziemlichen Mangel von Eloquenz und Phantasie aus.

7. Die Spontanen

Die Spontanen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie auf jeden Fall „Drehbücher“ ablehnen. Was sie damit meinen, ist mir nicht ganz klar: Vielleicht denken sie, andere Spieler setzen sich nachts hin und schreiben seitenlange Drehbücher, verteilen sie danach an Freunde und dann läuft die Sache und man lässt sie einfach nicht rein. Oder aber sie meinen mit „Drehbuch“ die Spielvorstellungen von anderen, zumindest dann, wenn sie von ihren eigenen Spielvorstellungen abweichen.  Die Spontanen leben vor allem im Hier und Jetzt und meist finden sie es extrem wichtig, dass stets und von jedem ihre spontanen RP-Ideen aufgegriffen und bejubelt werden. Konsequenzen haben sie dabei selten im Blick. Logische Erwägungen und die Mechanismen der Spielwelt sind ihnen weitgehend gleichgültig, weil sich ja alles spontan auch wieder lösen lässt. Notfalls finden sie auch, muss der Sim-Admin ihre selbst spontan erspielten Probleme lösen. (Leitspruch: Ich spiele alles mit. gedanklicher Ergänzung: Notfalls löffeln andere meine Suppe ja aus.) Eine andere Variante sind die Spontanen, die ihr RP aus Sicherheitsgründen auf das Bestellen von Honigmilch reduzieren. Mit denen kann man besser umgehen.

8. Die Opfer

Die Opfer werden ziemlich schnell zum Wanderpokal und sind eng verwandt mit den Paranoiden. Ständig verkennt man sie vermeintlich IC oder OOC und obwohl sie immer nur das Beste für alle oder für die Sim wollen, ecken sie ständig an. Bisher habe ich kein echtes Opfer im RP getroffen, aber jede Menge nervige Leute, die sich für eins gehalten haben. Sie sind meist eine Mischform aus Bürokrat, Speichellecker, Besserwisser und Harmoniefreak.

9. Die Besserwisser

Der Furunkel am Arsch jeder RP-Sim. In ihrer Wahrnehmung sind sie Normans Gehirnwindungen einzeln entlanggekrochen und wissen wie GOR aussieht und wie das funktioniert. (kein Wunder, dass ihr Verstand da gelitten hat) Keine Kajira ist für sie richtig und die Männer sind alle zu weich und die Frauen alle zu aufsässig und die Strafen alle zu lasch oder zu grausam oder beides im Wechsel. Beliebte Phrasen sind „Ein Goreaner tötet nicht ohne Grund“ oder „Goreaner sind nicht grausam.“ Wie das meist so ist bei Besserwissern, sehen sie meist den Splitter im Auge des anderen, aber den Balken im eigenen Auge leider nicht.

10. Die Speichelllecker

Die Speichellecker verwechseln das RP immer mit einem Beliebtheitscontest. Das erste Spielziel für Speichellecker ist es immer, sich an die Sim-Admins ranzuschmeißen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Ihr Hobby ist die Frontenbildung innerhalb der Sim-Community im Sinne von: Bist du nicht für mich, bist du gegen mich. Speichellecker widersprechen sich je nach Gesprächspartner häufig in ihren Aussagen, freundlich formuliert: Sie hängen ihr Fähnchen in den aktuellen Wind. Böse formuliert: Sie kriechen in den Arsch, der gerade offen steht. Wenn sie nicht erhört werden oder ihren Willen nicht bekommen, sind auf jeden Fall die anderen die Bösen.

11. Die Bürokraten

Der Leitspruch der Bürokraten könnt sein „Am deutschen Wesen soll auch Gor genesen“ (Danke, Freund, für diesen Spruch. *g*) Wenn sie in einen Kampf gehen, kommt man unter 120 Regeln selten aus. Sie lieben Posten. Gib ihnen einen Posten und sie machen Männchen wie ein Hund. Nimm ihnen einen Posten und du hast ’nen Wadenbeißer an der Hose. Bürokraten fühlen sich selbst da in der Verantwortung, wo niemand von ihnen verlangt welche zu übernehmen. Oft sind die Meisterschreiber von OOC-Notecards, mit dem Rollenspiel selbst hapert es oft ein wenig oder es findet gar nicht mehr statt. Bürokraten halten manchmal Sims über Jahre hinweg aufrecht, obwohl sie schon vor gefühlten fünf Jahren das Rollenspiel aufgegeben haben. Manchmal tarnen sie sich auch als Altruisten, in Wirklichkeit kleben sie aber an ihrem Posten wie der Schleim an der Nacktschnecke.

12. Die Spaßfraktion

Die Spaßfraktion gibt oft vor sie hätte keine Zeit regelmäßig ins RP zu kommen, oft spielen die Spieler aber 10 Alts auf 10 Sims und sind immer da, wo es für sie gerade Entertainment gibt. Sie sind eigentlich gut erträglich, solange sie nicht erwarten, dass sie sofort und gleich informiert und involviert werden, wenn sie nach drei Wochen Abstinenz mal wieder auf ihrer Rundreise aufschlagen. Die Spaßfraktion trägt ihre Haltung „Ich hab wenig Zeit und Leute, nehmt das hier alles nicht so ernst“ wie einen Schild vor sich her.
Selbst möchten sie aber schon ziemlich ernst genommen werden, wenn sie mal da sind.

13. Die Netten

Die Netten sind die, mit denen auch nach all der Zeit noch schönes RP möglich ist. Sie kennzeichnen sich dadurch aus, dass man nach Meinungsverschiedenheiten ohne blutige Kämpfe wieder zusammenfindet. Sie mögen am Rollenspiel vor allem das Rollenspiel selbst. Sie haben begriffen, dass es hier nicht um „Gegeneinander“ geht, sondern um gemeinsame Geschichten. Man hat wenig bis viel Kontakt, aber sie gehen einem in keinem Fall auf die Nerven oder sind nicht beleidigt, weil man nicht ständig den Kontakt sucht. In der Regel verbringt man seine Zeit mit Spielen und/ oder netten Gesprächen, aber eher weniger beim Lästern. Die Netten lassen sich gegenseitig ihre Eigenarten und Sichtweisen aufs Setting. Sie bringen sich ein und lassen es zu, dass andere sich einbringen.

Ich denke die wichtigsten Stationen in meinem Gor-RP waren Lydius und Turmus. Die für mich schönsten Gorsims waren das antike Lydius (vor diversen, meiner Meinung nach nicht so gelungenene Korrekturmaßnahmen) und Selnar. Meine selbstgespielten Lieblingschars waren Amira, Chrysa und Greta. Ich freue mich, dass ich keine Sim, auf der ich spielte, in Feindschaft verlassen habe. Es war jedesmal die schlichte Erkenntnis, dass es nicht mehr hundertprozentig passte und mein Weg mich woanders hin führte. Es gab immer Sims, auf denen ich das RP als gut und angenehm empfunden habe und immer Sims, die so gar nicht mein Fall waren und es auch heute nicht sind. Es gab Spieler, mit denen es nicht passte und denen ich aus dem Weg gegangen bin. Es gab Spieler, mit denen es wegen zu unterschiedlicher Vorstellungen auseinandergegangen ist. Aber wie sagt man so schön: Es findet sich immer ein Topf zum Deckel, vorausgesetzt man hat nicht schon in allen Töpfen die Milch anbrennen lassen.

Zum Schluss möchte ich mir nochmal kurz mein erstes Gor-RP in Erinnerung rufen: Seinerzeit war ich mit meinem damaligen RP-Partner zum Reinschnuppern auf Pilgerreise und wir betraten die Taverne in Lydius. Ich war damals noch Nea als Kajira. In der Taverne befanden sich Zasta (der damals noch Administrator von Lydius war) und „Unfrei“, die damals seine Palastkajira spielte. Ich kam also im Lydius-Freebie-Camisk in die Taverne und Zasta forderte mich auf in den Tanzkreis zu gehen und den Camisk abzulegen.

Meine Antwort sinngemäß – und nein – das ist kein Scherz – war: „Wo kann ich mich denn hier umziehen?“ 🙂

Soweit mein Resümee. Ich wünsche ALLEN Spielern in allen Welten ein schönes Weihnachtsfest.

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Comments
7 Responses to “Ein persönliches Resümee”
  1. Das hab ich gesagt? Das hast Du gesagt? Well, time flies … 😉
    Ja, Lydius war wunderschön.

    Deiner Charakterisierung würde ich noch 14. die „Ooooohhh shiny!!“-Leute hinzufügen. Zu denen gehören zum Beispiel Adran und ich; Sie stürzen sich auf neue Ideen wie Investmentbanker auf Kokain, halten aber nur bei sehr geliebten Konzepten lange durch, gehen damit dann jedem außer sich selbst und ihrer Clique auf de Sack. 😀

    • neanarstrom sagt:

      Na hör mal, ich glaub zum Durchhalten obwohl man keine Lust mehr hat, gehören eher die Bürokraten. ^^

      • Ich meinte auch eher, dass das mangelnde Durchhaltevermögen in den meisten Fällen bei der Umwelt für Zähneknirschen sorgt.
        „Weiterspielen ohne Spaß daran“ ist nichts, was ein „Ooooohhh shiny!“-Player macht. 😀

      • neanarstrom sagt:

        Ich habe ein wenig vom „ohhhh shiny“, glaub ich. Aber ich kann mich über längere Zeit auch ohne Einfluss von außen selbst amüsieren und motivieren.
        Da fällt mir ein, ich hab noch die Konsumenten vergessen. Die, die immer nur rumsitzen und den anderen beim RP zusehen als wären sie im Kino.

  2. Kendrick McMillan sagt:

    Geht mit seiner romulanischen Scimitar voll in die Eisen, wirft einem fluffigen „Event“ Schneeball in deine Richtung und ruft „Dir auch ein schönes Weihnachtsfest“. Gibt dann wieder Gas um das Universum von den Borg zu befreien.

  3. Luc (Zelmo) sagt:

    Like. Wobei ich schon glaube, dass es doch deutlich mehr 50 Spieler sind. Aber ich erfahre so was ja eh immer erst als Letzter…

    • Te-ah-tim-eh sagt:

      50 Spieler? So viel? Ich dachte immer, es seinen vielleicht fünf oder sechs, die ständig umloggen, um mir vorzugaukeln, dass es überhaupt noch so etwas wie einen Spielerstamm gibt. Und das Rechenzentrum für ein paar zusätzliche Einlog-Möglichkeiten anrufen, falls es mal ein Event gibt.
      Ach Mist, ich bin ja gar kein Paranoider.

      Ernsthaft, ich rechne mal im Schnitt großzügig vier pro Homestead und acht pro Fullsim, das dürfte mit den mehr oder weniger brach liegenden Gebieten ungefähr hinkommen. Reine Spieler, nicht Avas (samt Alts) und, wie gesagt, im Durchschnitt.

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