Südlich vom tiefen Abgrund

Es war nicht die erste Begegnung mit den weißen Schatten. Bereits in Eregion hatte ich zwei Sippenbrüder kennengelernt und wir hatten den Brandhügel gemeinsam von Wölfen gesäubert, die in unerträglich großer Zahl über Reisende und kleinere Lager hergefallen waren. Offenbar war die Sippe ein Zusammenschluss aus den Mitgliedern aller Rassen Mittelerdes, ähnlich wie die von Bruchtal aufgebrochenen und vom weißen Rat bestimmten Gefährten. Sicher, als Waldelbin trat ich Fremden misstrauisch gebenüber, das galt umso mehr, wenn sie nicht meiner eigenen Art entstammten. Und doch hatte meine Geschichte mich zu lehren begonnen, dass der Kampf um Mittelerde nicht von den Elben allein bestritten werden konnte. Ebensowenig von Zwergen. Oder von den Menschen.

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Tanordhil war es offenbar schon vor uns gelungen nach Khazad-Dûm vorzudringen und ihm war dann der Rückweg versperrt gewesen. Er berichtete von einigen besorgniserregenden Dingen in den Hallen und Gängen von Moria, die mir eine unruhige Nacht bescherten. Über längere Zeit unter der Erde zu sein, fiel mir schwer. Es war als würden Tonnen von Geröll auf mir lasten und der Berg selbst drohte über mir hereinzubrechen. Sicher unbegründet, denn wenige Bauwerke sind so fest und sicher wie die Stätten von Zwergen. Und doch… Ich vermisste die Natur, die Wiesen, die Wälder, den Himmel über mir.

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In Khazad-Dûm bewegte man sich mit großen kräftigen Ziegen vorwärts, auf deren Rücken auch ein starker Krieger gut reiten konnte und die geschickt auch die langen Treppen, steilen Abgründe und schwer passierbare Wege mit Last auf ihrem Rücken nahmen. Mein erstes Ziel ergab sich aus einem Gespräch mit den Zwergen, die an Durins Schwelle verblieben waren um den Eingang zu sichern: Der tiefe Abgrund. Jenseits der großen, von Kristallen beleuchteten Wege, drohte Gefahr durch Orks und Bilwisse, was vermuten ließ, dass es dort unten ein größeres Lager gab. Tanordhil wusste ebenfalls von einer größeren Kammer zu berichten, die er aber noch nicht zu erforschen gewagt hatte. Der Lage nach, gaben die Zwerge an, musste es sich um eine der vergessenen Schatzkammern handeln, aus denen uralte Zwergenrelikte geborgen werden konnten.

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Wir widmeten uns zunächst den Bilwissen und ihren Aufsehern. Die Zwerge hatten Recht gehabt. Es gab ein Lager und ich glaubte mich nicht erinnern zu können, jemals so viele dieser hässlichen kleinen Kreaturen auf einem Haufen gesehen zu haben. Ganz offenbar versorgte sie jemand bestens mit Nahrung. An diesem Tag fanden viele von ihnen den blutigen Tod durch unsere Klingen und Seregons scharfe Zähne, die sich in ihre Kehlen bohrten. Aber damit nicht genug. Wir verbrannten ihre Nahrungsvorräte und suchten dann den Eingang zur Schatzkammer. Mir dröhnten immer noch die Ohren von dem Todesgekreisch, das von den Steinwänden zurückgeworfen worden war.

Das Tor zu vergessenen Schatzkammer war nicht einmal verriegelt. Nachdem wir das riesige Tor geöffnet hatten, traten wir ein in nahezu vollständige Dunkelheit. Von uns in der Tiefe erkannten wir schemenhaft 5 riesige Zwergenstatuen,  allesamt drehten dem riesigen Deckenkristall den Rücken zu. Eine seltsame Anordnung. Außenherum führte eine Galerie um die kreisrunde untere Halle. Wir wandten uns zunächst der Galerie zu. Kaum hatten wir ein paar Schritte getan, erfuhren wir, warum ein Verschließen der Schatzkammer kaum nötig gewesen war. Tatsächlich war die Schatzkammer eine tödliche Falle. Unsere Schritte hatten einen Mechanismus ausgelöst, der das Tor hinter uns verschloss und uns den Rückweg versperrte. Was auch immer in der Kammer auf uns lauern mochte, wir mussten es besiegen, wenn wir überleben wollten.

Es stellte sich heraus, dass in jeder Nische ein Wächter der Schatzkammer wartete: Riesenhafte Kreaturen mit barbarischen Kräften und mächtigen Zaubern. Nachdem der erste von ihnen besiegt war, hielten wir einen Moment inne um unsere Kräfte zu sammeln. Es roch nach versengtem Haar und Blut. Unserem Blut. Es tropfte von einer Fleischwunde in meinem Arm über meine Hände und Finger hinunter auf den Boden.

Mit zitternden Fingern durchsuchte ich die Überreste der Kreatur. Schließlich hielt ich es in Händen. Das erste Relikt.

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