Der Gestank von Orks

Der schwefelhaltige Wind über den Sümpfen trieb den verräterischen Geruch schon zu uns, bevor die Banner von Ongbishùk in Sicht kamen. Unterwegs musste ich immer wieder vom Pferd steigen und Seregon mit meinem Stab zur Hilfe kommen, wenn die Sumpfkreaturen in zu großer Zahl auf uns einzustürmen drohten.

Nun warteten wir. Verborgen im Schatten eines Felsvorsprunges. Der Eingang des Lagers war nur mäßig bewacht. Offenbar rechnete niemand der Orks mit Gegenwehr oder gar einer Saboteurin, die sich ins Lager schleichen wollte. Da ich Seregon nicht unnötig in Gefahr bringen mochte, wartete ich auf einen günstigen Moment um die wacheschiebenden Kreaturen nacheinander auszuschalten. Das Schicksal meinte es gut mit uns. Selbst der Bogenschütze ging nieder, bevor ich überhaupt zu einem Zauber greifen musste, der seine Pfeile hätte in die Irre gehen lassen. So hielten wir uns dicht an der Außenpalisade, bevor wir uns der ersten Feuerstelle näherten. Leise, unauffällig und klug, so muss der Kundige vorgehen, wenn er einer Überzahl von Feinden gegenüber steht. Seine mächtigste Waffe ist die Beherrschung der Naturgewalten und sein tierischer Begleiter. Ich strich Seregon zärtlich über seine spitzen, mit Haarbüscheln geschmückten Ohren, die aufmerksam aufgestellt waren. Er konnte es nicht erwarten losgesandt zu werden. Um das Feuer herum lagen sie. Schlafend, essend, tanzend. Der Wind blies uns entgegen. Das verstärkte den Gestank der Kreaturen, aber machte es ihnen unmöglich uns zu wittern. Ich hob den Stab und gab das Zeichen zum Angriff. Jetzt galt es erneut den richtigen Moment abzuwarten und Seregon aus der Ferne zu unterstützen. Mit einem kräftigen Zauber betäubte ich die übrigen Orks, damit er seine scharfen Klauen und Zähen in eine Bestie nach der anderen graben konnte. Schließlich hatte ich nichts weiter zu tun, als die nützlichen Gegenstände zu rauben, die die Zwerge in Gabilshathûr so dringend brauchten.

Eine Feuerstelle nach der anderen nahmen wir uns vor, bis mein Beutel schwer wurde und sich kaum noch tragen ließ. Das Blut von mehreren Horden klebte geronnen um das Maul und im Brustfell meines tapferen Begleiters und auch mein Umhang und meine Robe waren nicht unbefleckt geblieben. Schließlich stieß ich in einer Schlucht nah von Ongbishùk auf Nehtraw. Ein Kundiger, wie ich es bin. Die Zwerge hatten den Weg zu ihm nur ungenau beschreiben können, aber schließlich nahm ich das Wagnis auf mich und überbrachte ihm das Schwert von Innis, das ich zuvor erbeutet hatte. Eines der sieben Schwerter von Krúslë Lannan ist nun wieder an seinem Platz.

Es sind oft die kleinen, unscheinbaren Dinge, die es vermögen, die Macht der Dunkelheit aus Mittelerde zu vertreiben. Ich schlich mich zurück durch das Orklager zu meinem in der schützenden Felsspalte zurückgelassenen Pferd und trieb zur Eile an. Die Orks schienen sich zu sammeln. Es war nicht auszuschließen, dass uns ein großer Angriff bevorstand, wenn ich auch ihre Zahl verringert haben mochte.

Meine dunkle Vorahnung bestätigte sich. Ich hatte gerade das Lager erreicht, als die ersten Späher der Zwerge alarmiert eintrafen. Es war Zeit uns zu rüsten. Wenn wir den Angriff zurückschlagen konnten, wären die Orks vorerst zurückgeschlagen. Wenn nicht….

„Haltet Stand!“, war vorerst das letzte, das ich hörte und dann erklang bereits das erste Klirren von Zwergenstahl.

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Comments
2 Responses to “Der Gestank von Orks”
  1. Kendrick McMillan sagt:

    Wenn man einer Horde Orks gegenüber steht, sollte man trotz allem immer ein gutes Lied auf den Lippen haben 😉

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