What is past is prologue.

Das Feuer war längst verloschen. Nichts als kalte, graue Asche war zurückgeblieben. Die Dunkelheit, die alles zu erdrücken scheinende Dunkelheit hatte Amira aus dem Bett getrieben. Sie hatte sich von Cato gelöst, der ruhig dalag und schlief und hatte in die Dunkelheit gelauscht, die in dieser Nacht bedrohlich zu schweigen schien. Dunkelheit kann mit so vielen Stimmen sprechen. Sie kann freundlich sein wie das Wiegenlied an den Brüsten der sanftesten Amme. Sie kann wohltuend sein wie warme Boskmilch mit Honig. Sie kann verbindend sein, wenn man ihr gemeinsam lauscht. Aber diese Dunkelheit presste den Atem aus Amiras Brust mit aller Kraft und blies die Angst hinein.

Sie begann zu zittern, obwohl die wärmende Decke über ihr war. Es war ihr als würden aus der Dunkelheit Arme und Hände wachsen, als würde das Dunkel die Finger nach ihr ausstrecken und sie verschlingen wollen. Als Kind hatte sie diese Angst vor der Dunkelheit so oft gequält. Bis ihr Großvater gesagt hatte, dass man seinen Ängsten ins Auge sehen muss. Sie erinnerte sich an die Worte des Mannes, damals hoch oben im Zylinder der Schriftgelehrten in Ko-ro-ba: „Wenn du denkst, dass unter deinem Lager etwas lauert, steige aus dem Bett und sieh nach. Und du wirst sehen, wenn du hinschaust, ist die Angst verschwunden.“ Das erste Mal hatte er mit ihr gemeinsam nachgesehen und beim zweiten Mal hatte sie es allein gewagt. Und in der dritten Nacht hatte sie der Angst ins Gesicht gelacht ohne nachsehen zu müssen.

Amira hatte sich die Decke um die Schultern gewickelt, weil ihr Leib unter dem dünnen Nachthemdchen kalt und steif zu werden schien. Sie hatte mit der ihr eigenen Willenskraft die Füße über die Bettkante hinweg auf den Boden gesetzt und leise geatmet. Einen Atemzug, zwei Atemzüge, drei Atemzüge. Immer noch diese Angst, obwohl sich keine kalten Totenfinger um ihre Knöchel wanden.

Sitzen bleiben, abwarten. Amira blickte zur Feuerstelle. Asche. So wie Turmus nun nichts war als eine Erinnerung. Eine Erinnerung und die letzte Hoffnung. Aber nun waren SIE hier. Sie waren hier und auf der Suche. Wie Sleens, die die Witterung aufgenommen hatten. Weiteratmen. Eins. Zwei. Drei.

Sie stand auf und nichts geschah. Die bloßen Füße fanden ihren Weg wie von selbst zum Tisch. Die kaltklammen Hände griffen zu einem Stück Pergament und die Finger um die Feder. Schreiben. Durch das Fenster fiel fahl das Licht der drei Monde. Grau auch in der Nacht. Grau bei Tage. Sie begann zu schreiben.

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