Im Badehaus

Fasziniert blieb Greta im Eingang stehen und bewegte ihren Finger an das Schild. Jemand hatte die Steinplatte kunstvoll bemalt, nein, nicht nur Buchstaben aufgepinselt, die ihr so gar nichts sagten, sondern richtig bemalt. Eine nackte Frau räkelte sich in einer riesigen Muschel und um sie herum rollten die Wellen der Thassa. Greta zog den Finger wieder zurück und besah sich ihre Fingerspitze, nein, die Farbe war fest, sie hatte keinen Schaden angerichtet mit ihrer unüberlegten Berührung.

badehaus_001

„Weiß du, was da steht, Greta?“, die Stimme ihres Herrn kam wieder näher, offenbar wunderte er sich über die unübliche Verzögerung am Eingang. Greta schüttelte sofort den Kopf. Sie hätte nichtmal ihren Namen lesen oder schreiben können, wenn man es verlangt hätte. „Da steht: Dunkles Juwel. Badehaus.“ las er ihr vor „Und nun komm rein.“  Sie hatte die Schrecken der Fahrt mit dem wackligen kleinen Boot bereits wieder vergessen. Und auch die große Urt, die eine Weile neben ihnen im Wasser geschwommen war und die größer war, als jede Urt, die Greta bisher gesehen hatte. Vermutlich konnte sie Gretas ganze kleine Hand mit einem einzigen Bissen runterschlingen.

Schreckliche Dinge zu vergessen war eines ihrer Talente. Ein anderes Talent war sich an Kleinigkeiten zu erfreuen. Die Kombination aus beiden Talenten machte Greta zu einer leicht zu führenden Sklavin, die meist gutgelaunt und wenig anspruchsvoll war in ihren Bedürfnissen. Sie hatte bereits so viele Kinder an ihren Brüsten genährt, hatte einige für ihre Herrschaften zur Welt gebracht und war dennoch in gewisser Weise selbst ein Kind geblieben. Sie war nun keine Amme mehr, aber man hatte sie im Haushalt des Administrators behalten, weil sie still und klaglos ihren Pflichten nachkam und überdies eine ausgezeichnete Köchin war. Vielleicht kam irgendwann auch wieder der Tag, an dem man erneut ein Kindermädchen brauchte. Ihr Erinnerungen waren eine Kette von freudigen Ereignissen, die meist mit der Geburt eines neuen Kindes zu tun hatte: Laertes, die beiden Zwillinge, Helena und Dionyza, der kleine Scipio und zuletzt Aglaia, die Tochter von Herrin Talia. Sie hatte sie alle gefüttert, geschaukelt und in den Schlaf gesungen. Nur ihre eigenen Babies hatte man ihr nicht gelassen. Aber das herzzereißende Gefühl hatte sie rasch vergessen. Es war ihr Schicksal. Sie war eine Sklavin.

badehaus_004 badehaus_003

Deshalb kniete sie nun vor Cato und half ihm aus seinen Stiefeln. Das Badehaus war so schön, wie das Schild am Eingang versprach. Ein warmes, gelbes Laternenlicht beleuchtete das Gewölbe, das auf der unteren Ebene lag. Aber man hatte die rauhen Steine im Innenraum verputzt und in warmen Farbtönen gestrichen, die Gefühle von Geborgenheit und Abgeschiedenheit vom lärmenden Treiben draußen in der Stadt hervorriefen. Auch Cato gefiel das Badehaus. „Hier kann man fast vergessen, dass man in Port Kar ist.“ Er strich ihr kurz über den Kopf, während sie seine Kleidung faltete und wegtrug und eines der kleinen schwimmenden Eimerchen holte, in denen Badesklavinnen alles Notwendige mit sich führen. Während er ins Becken stieg, zog sie sich das bißchen Stoff aus, das sie trug und auch ihre Sandalen und folgte ihm dann ins Wasser. Schwimmend, denn das Becken war zu tief für sie, schob sie den Eimer vor sich her.

badehaus_006

Dann kniete sie sich zwischen Catos geöffnete Schenkel und begann ihn zu waschen. Das Wasser war parfümiert. Ein schwerer, männlicher Duft aus Hölzern und Gewürzen, der den Gestank der Kanäle vergessen ließ und die Sinne anregte. Sie fuhr mit dem eingeseiften Schwamm über die Haut ihres Herrn, während er mit geschlossenen Augen seinen Kopf auf dem Beckenrand ruhen ließ. Greta war in gewisser Weise ein Teil seiner Familie und er scheute sich nicht seine Sorgen vor ihren Ohren kundzutun. Er sorgte sich um Amira, die einen Palast gewöhnt war, die die Gärten so sehr vermisste, dass sie versuchte die Steinwüste vor dem Haus, die sie eine Terrasse nannte, mit Pflanzen zu begrünen. Er sorgte sich um die Zukunft seiner Kinder. Und er sorgte sich, dass Cos ihren Aufenthaltsort heraus fand. Greta hörte ihm ruhig zu, hörte aber nicht auf ihn zu waschen, sie ließ ihre Hand auch kurz in seinen Schritt wandern, ein Angebot nur, das sich so gehörte und aus ihrem tiefsten Inneren kam, aber er schob ihre Hand sanft, fast zärtlich wieder beiseite. Zu viele Gedanken waren in seinem Kopf, vor allem aber knurrte sein Magen. Er war hungrig. Sie füllte die kleine Kanne mit warmem Wasser, ließ es vorsichtig über seine Kopf fließen und schützte dabei seine Augen mit ihrer Hand vor dem Wasser, wie sie es auch bei den Kindern immer getan hatte.

badehaus_007 badehaus_008

„Nun bist du wieder sauber, mein Herr und riechst wie die Blüten in den Gärten von Turmus.“ Sie küsste ihn kurz auf die Brust und rückte dann beiseite, damit er aufstehen konnte. Während er das Becken durchquerte beeilte sie sich eines der großen Badetücher zu holen. Dann trocknete sie ihn ab und half ihm beim Ankleiden.

Er wollte in die Herberge und von dem Eintopf, der dort das Standardgericht darstellte. Greta fummelte sich eilig ihre Seiden über den noch feuchten Leib und folgte ihm dann. Da der Wirt mit offenem Mund auf dem Schemel vor sich hinschnarchte und die Aushilfe den Geräuschen nach zu Urteilen gerade mit dem Reinigen der Zimmer beschäftigt war, machte sie sich daran, die Gäste zu bedienen. Wenige Ehn später bekam sie dann auch Verstärkung durch die Kajira von Herrin Gilian.

marc_001 gilian_001

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: