Waren aus Anango

Dass Caprus ein versoffenes Loch war, war keine Neuigkeit. Dass er nicht lesen und schreiben konnte, ebensowenig. Ein Wink der Priesterkönige jedoch, so dachte Amira, war es, dass ausgerechnet Cato und Gilian den Kapitän auf seiner Reise nach Anango begleiten sollten. Es ging um das Handels- und Verteidigungsbündnis, für das der dicke alte Händler einen Vertragsentwurf dagelassen hatte.

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Nach ausführlicher Beratung hatte der Kapitänsrat sich per Abstimmung dafür entschieden. Und Caprus fiel die zweifelhafte Ehre zu, die Segel eines seiner Schiffe gen Süden zu setzen. Entsprechend war seine Laune. Catos Laune glich der von Caprus. Er konnte den Kapitän mit der Narbe im Gesicht auf den Tod nicht ausstehen und sah – anders als Amira – vor allem die Schmach als Sekretär dieses geistlosen Herumkrakeelers reisen zu müssen.

Amira verabschiedete ihren Gefährten so herzlich wie möglich und erinnerte ihn daran, dass eine gute Verbindung zu Caprus für ihre Geschicke nur förderlich sein konnte. Sie hatte auch Gilian instruiert Augen und Ohren offen zu halten. Port Kar als Stadt im Wasser verfügte über nahezu keine eigene Landwirtschaft. Wie auch, ohne Nutzflächen? Buchstäblich jede Ecke war bebaut, dicht an dicht standen die Häuser. Ein Innnenhof mit etwas grün galt als der schiere Luxus. Holz, Holzkohle, Korn, frisches Obst und Gemüse. Fleisch von Bosks und die Erzeugnisse vom Bosk mussten allesamt auf dem Seeweg beschafft werden. Aber auf der See war Port Kar nicht die einzige Macht. Cos und Tyros waren ehrgeizig und darauf aus, Port Kar bei jeder Gelegenheit vor den Bug zu fahren.

Wenn die ersten Handelsschiffe mit den lebenswichtigen Waren aus Anango kamen, würde man sie gut schützen müssen.

Gilian.

Die junge Schriftgelehrte aus Homesk hatte sich als vielversprechend erwiesen und war in den Kreis der Delka-Lictoren aufgerückt. In Rekordzeit war es ihr gelungen die verschlüsselte Nachricht zu dekodieren, mit der sie potentielle neue Mitstreiter rekrutierten. Amira traf sie auf dem Kai des alten Gewürzhändlers, der präparierte Stadtplan, der ihr auf Nennung des Codeworts ausgehändigt worden war, hatte Gilian hergeführt. Sie hatte sogar ihre Ängste vor den Kanälen und den Urts überwunden und war in eines der schmalen Boote geklettert um hinzugelangen.

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Amira hatte ihr gezeigt, wo der Schlüssel verborgen lag und sie dann über die grundsätzlichen Ziele von Del-ka informiert. Ihre Bestrebungen in Port Kar waren durchaus heikel. Die Feindschaft zwischen Port Kar und Cos zu schüren, war ein Ziel – auf der anderen Seite aber musste Delka als Organisation der hohen Kasten und der traditionellen Ordnung im Untergrund agieren. Die Stadt wurde von reichen Kapitänen und Händlern gelenkt, die es sicher nicht gern sahen, wenn man ihre Position in Zweifel zog.  Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Kapitänen war gefragt, so schlussfolgerte Amira. Sie konnten es sich nicht leisten, jemanden hier gegen sich aufzubringen.

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