Unter Safran, Muskat und Koriander

Amira dirigierte Cato, der mit kräftigen Ruderschlägen das schmale Boot in Gang hielt, durch das Gewirr der Kanäle von Distrikt Al-ka. Der Zufall hatte sie mit dem alten Gewürzhändler ins Gespräch kommen lassen, nein, eigentlich war es mehr das Interesse an einem Zeitzeugen der Geschichte von Port Kar.

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Amira vermochte kaum zu schätzen, wie alt der Mann wirklich sein mochte, sie wagte auch nicht zu fragen, ob er tatsächlich so alt war wie er aussah oder ob er einer der wenigen Goreaner war, bei denen das Serum seinen Dienst nicht aufgenommen hatte. Er saß auf einem Schemel zwischen Säcken voller Gewürze auf dem von ihm seit Jahrzehnten gepachteten Kai und stützt die Hände auf einem Stock auf, um seinen gekrümmten Rücken zu entlasten. Faltig und knotig seine Finger, grau sein Haar und sein Kopf zitterte leicht, während er Amira mit fast blinden Augen anzusehen versuchte während er erzählte.

Das Geheimversteck hier unten stammte noch aus der Zeit der fünf Ubare von Port Kar. Das Schicksal von Eteocles, so gab er preis, war niemandem offiziell bekannt, aber Eteocles war es, der sich lange genug vor Verfolgung durch den neu formierten Kapitänsrat hatte verbergen konnte. Sein Kontor, so pries der alte Mann nicht ohne Stolz an, war eine historische Stätte und ganz besonders der Teil, in dem einst Eteocles ausgeharrt und von wo aus er später dann unbemerkt fliehen konnte.  Durch einen geheimen Mechanismus gelangte man dort hinein und wieder hinaus, nach außen hin sah man nur den Laden und die Lagerräume. Er war alt und würde sich bald zur Ruhe setzen, kein Sohn war ihm geboren worden, der die Nachfolge hätte antreten sollen. Amiras Herz hatte schneller geschlagen. Dieser Kai war ideal. Niemand würde Verdacht schöpfen, wenn er nach außen hin der des Händlers bliebe und dieser dann und wann noch hier unten vorbeigeschlurft kam. Und in dem Versteck konnten sie sich oder andere verbergen, wenn es mal eng werden würde.

„Hier ist es, Cato. Dieser Kai ist es.“ rief sie nach hinten über die Schulter und wartete dann ab, bis das schmale Boot vertäut war und Cato ihr half es sicher zu verlassen und auf den Steg zu klettern. Sie schob den rostigen alten Schlüssel ins Schloss und die Tür schwang auf. Der stark betäubende Geruch unterschiedlichster exotischer Gewürze strömte auf sie ein. Beim Eintreten sah man zunächst nichts als das Kontor des Gewürzhändlers, aber wenn man sich nach links wandte fiel bei geöffnetem Vorhang der Blick auf zwei Banner an der Wand, die feierlich über einen größerem runden Versammlungstisch zu wachen schienen. Das Banner von Turmus und das Banner der Del-ka Organisation. Sie sah wie Catos Blick sich zuerst erhellte, dann verfinsterte, schließlich wandte er sich zum Fenster und sah hinaus.

Hier unten waren sie nur wenig oberhalb der Wasseroberfläche des Kanals. An kleinen vorwärtsrasenden Wellenbewegungen konnte man sehen, wo eine Urt entlangschwamm. Das Wasser hatte ein schmutziges graubraun und der Schlamm der Exkremente machte es unmöglich, dass man durch die trübe Brühe hindurch etwas erkennen konnte. Jemand hatte eine Kiste faules Obst geleert. Die Überreste trieben an ihnen vorbei. Traurige Zeichen des Verfalls.

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„Vom Palast in ein schäbiges Zimmer direkt an einem der schmutzigsten Kanäle von Port Kar, Amira. Ist das unsere Schicksal?“ Sie trat neben ihn und strich sachte über seine Schulter. „Noch ist es nicht vorbei Cato. Ich werde nicht eher ruhen, bis wir unseren Kindern ihre Heimat zurückgegeben haben. Wir haben viele Prüfungen bestanden und auch diese werden wir annehmen und das Beste daraus machen.“ flüsterte sie leise.

Er nickte und entspannte sich wieder. Amira nutzt die Gelegenheit und führte ihn nachh hinten. Seine Verblüffung war grenzenlos, als sie ihm den Mechanismus zeigte und das Geheimversteck. Mit einem Mal war er wieder der Alte. Cato, der bei allem einen Rat wusste und seine Ziele verfolgte, egal wie viele Hindernisse man ihm auch in den Weg legte.

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Sie brachten das Boot zurück zum Anleger und machten sich dann zu Fuß auf ins Arsenal. Amira brannte darauf Catos Arbeitsplatz kennenzulernen. Er trug sie am bewachten Tor in die Besucherliste ein und führte sie dann herum. In mehreren Etagen lagerten im Arsenal Waren aller Art, aber vor allen Dingen Holz und Kleinteile für den Schiffsbau an der Werft. Es dämmerte bereits und als sie Cato vor sich stehen sah, seine muskulösen breiten Schultern in der neuen Tunika, da konnte sie nicht widerstehen und fuhr mit einer Hand über seinen Hintern, während sie sich an ihn drängte.

Er schaffte es gerade noch so, sie zu bremsen und sie beide nach Hause zu schaffen, bevor er die Tür hinter ihnen zuschlagen konnte und ihr auch schon den Schleier vom Gesicht riss. Das nächste, das sie spürte waren seine Lippen auf ihrem Mund und wenige Augenblicke später umtanzten sich ihre Zungen und er drängte sie rückwärts Richtung Bett.

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