Beunruhigende Nachrichten und Flüchtlinge auf Arbeitssuche

Nur eingeweihte Kapitäne steuern den Hafen von Port Kar an, denn die Fahrrrinne ist tückisch und schon so manches Schiff riss sich bei dem Versuch Port Kar anzusteuern, den gesamten Rumpf an den unter Wasser liegenden scharfkantigen Felsen auf. Es musste sich daher um ein Wunder der Priesterkönige handeln, dass das Schiff, auf dem die junge Frau mit dem schönen langen roten Haar gekommen war, überhaupt trotz Manövrierschwierigkeiten heil anlanden konnte. Doch sie sollte nicht das einzige Wunder an diesem Tag bleiben.

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Eine andere junge Frau gabelte Amira am schwimmenden Markt auf, jemand hatte sie im Delta ausgesetzt und sie hatte es tatsächlich, unbehelligt von den Rencern, geschafft sich in die Stadt durchzuschlagen. Hier stand sie nun, während die Rothaarige bei einem der Händler um Arbeit verhandelte und schlussendlich einen der Marktstände übernehmen konnte, erzählte die andere, dass sie aus dem Norden, genauer gesagt aus dem Hrimgargebirge stamme. Nass und hungrig wie sie war, brachte Amira sie erstmal zur Herberge hoch.

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Flüchtlinge, dachte sie bei sich. Nichts anderes waren sie selbst nun auch. Trotzdem war sie guter Dinge. Es war nicht ihre Art liegenzubleiben und zu jammern, wenn es zu tun gab. Und davon gab es reichlich. Sie hatte sich nicht umsonst heute in das gute Kleid gewandet und als Glücksbringer trug sie das Chronometer ihres Großvaters um den Hals. Es galt den Kapitänsrat und die vermuteten Vertreter der blauen Kaste von ihren Fähigkeiten zu überzeugen ohne dabei zuviel über ihre Identität preiszugeben.

Samos, der erste Kapitän und Sklavenhändler von Port Kar, war natürlich für eine heimsteinfremde Schriftgelehrte gar nicht erst zu sprechen, aber sie erhielt Gelegenheit sich einem Kapitän namens Caprus vorzustellen und diesen um einen Anstellung zu bitten für Cato und sich. Caprus, die Beine auf dem Tisch liegend, betrachtete sie für ihren Geschmack ein wenig zu lange, aber es war in Port Kar offenbar nicht üblich Dinge groß zu hinterfragen. Vermutlich wartete man hier einfach ab und erdolchte Verräter dann hinterrücks in einer dunklen Gasse. Caprus jedenfalls schien auch nicht viel von regelmäßiger Körperpflege zu halten. Mit gepflegten Zähne und nicht umhüllt von eine Wolke aus pagagesättigtem Atem, Knoblauch und dem Gestank vom Parfüm billiger Pagamädchen, hätte er mit seiner Narbe im Gesicht durchaus einen attraktiven Mann abgeben können. Amira hütete sich jedoch davor ihre weiblichen Reize auszuspielen. Sie war exzellent in dem, was sie tat, das wusste sie und sie ging mit dem üblichen Selbstbewusstsein vor. Außerdem sie wollte keine falschen Signale setzen in einer fremden Stadt.

Ihre Strategie ging auf. Es fielen keine anzüglichen Kommentare über arbeitende Frauen, sondern sie bekam einen Posten als Bezirksverwalterin für den Distrikt Al-ka. Mit diesem Posten verbunden war ein winziger Arbeitsplatz im Scriptorium von Port Kar, das gleichzeitig auch die Verwaltung darstellte, aber was noch viel erfreulicher war, in diesen Distrikt fiel auch die Verantwortung für die Schriften und das Sciptorium, das, wie Amira schon recht bald bemerkte, in einem erbarmenswürdigen Zustand war. Feuchtigkeit und Staub fraßen bereits an den ersten Schriftrollen und statt eines Ordnungssystem konnte sie nur Chaos ausmachen, das mit jedem Tag größer zu werden schien.

Gleichzeitg nutzt sie den ersten Tag um sich mit Hilfe eines Lageplans eine Überblick über die Gebäude in ihrem Distrikt zu verschaffen. Schon nach wenigen Ahn hatte sie begriffen, dass der Distrikt groß war und der Posten eine Art Sklaverei zu sein schien, der aber immerhin ein wenig vergütet wurde. Und das war es, was zählte. Vermutlich hatte der letzte Verwalter des Bezirks Al-ka freiwillig sein Ende in einem der stinkenden Kanäle gesucht, weil die Verwirrung ihm den Lebensmut genommen hatte.

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Allerdings – und das begriff sie auch recht schnell – war der Posten durchaus nicht ohne Einfluss, denn sie bestimmte über Vermietungen und Verpachtungen und konnte so viele Verbindungen knüpfen zu Bewohnern von Port Kar, aber auch zu Händlern von außerhalb. Ein dicker alter Händler aus Anango wollte ein verschwiegenes Kontor mieten und Amira führte ihn einigermaßen sicher durch das Gewirr der Laufstege zum Kai des toten Cosianers. Die dicke Tür erfüllte dann auch seine Ansprüche an den Schallschutz, so dass sie handelseinig wurden. Geheimnisvolles wollte er darin lagern, dass kein Licht vertrug und nachdem er versprochen hatte, dass weder das Haus noch ganze Port Schaden nehmen würde, weil er den Zorn der Priesterkönige auf sich zog, beschloss Amira nicht weiter nachzufragen. Gold war Gold und Schweigen eine Tugend der Weisen.

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Viel wichtiger aber als die Vermietung der Räume am Kai des toten Cosianers waren zwei Dinge: Der angebotene Bündnisvertrag mit Anango, der möglicherweise für Port Kar interessant war und die Kunde aus Belnend. Die Kunde aus Belnend war besorgniserregend! Es schien, dass die Stadt von einem Nordclan belagert wurde. Cato musste davon unbedingt erfahren, wenngleich ihnen vermutlich die Hände gebunden waren – nun als einfache Flüchtlinge, die zwar den Heimstein bewahrten, aber als Exilregierung über keine nennenswerten Truppen mehr verfügten. Vorerst.

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Unterwegs nach Hause traf sie auf Gilian aus Homesk. Der war es mittlerweile gelungen ihre Sklavin am Hafen ausgehändigt zu bekommen und war nun ebenfalls auf Arbeitssuche. Anderes als am ersten Tag wollte sie nun doch eine Tätigkeit gemäß ihrer Kaste ausüben, so dass Amira sie gleich zum Kapitänsrat schleppte und ihr den längst fälligen Posten als Bibliothekarin verschaffte. So war beiden gedient und vor allem – was für Amira am wichtigsten war – würde so der Verfall des Scriptoriums aufgehalten werden.

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Es fehlte nur noch Cato! Amira hatte ihn schon den ganzen Tag über nicht gesehen und brannte auf gleich mehrere Dinge: ihn in Lohn und Brot zu bringen, ihm von den Neuigkeiten zu berichten und vor allem, sicher zu sein, dass er nicht in einen der Kanäle gefallen oder im Verminium versackt war. Schließlich öffnete sich die Flügeltür und er kam herein. Sie leitete ihn gleich weiter nach oben, denn noch ermöglichte der Pagapegel von Caprus eine eingermaßen geregelte Kommunikation. Sehr glücklich wirkte er aber nicht, als er nach unten zurück kam. Arsenalsverwalter, eine Stelle unterhalb des Hafenpräfekten, hatte man ihm angedeihen lassen.

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