Der Tod für Osts kommt mit scharfer Schneide

Amira fand Cato nach der Hinrichtung am Voskufer. Über den Fluss starrend.

Das Geschrei der Menge war bis in den Zentralzylinder zu hören gewesen. Wie immer bei Hinrichtungen folgten die Menschen der Verurteilten bis zum dem Platz, wo deren Leben enden sollte. Eine Mischung aus Genugtuung und Schaudern vor dem bevorstehenden schrecklichen Spektakel lag auf den Gesichtern, als die sich Prozession zum Platz neben der Schmiede in Gang setzte.

Amira hatte vom Balkon des Zentralzylinders aus zugesehen. Livia ging voraus, nein, sie wurde mehr geschleppt, hinterließ blutige Spuren dort, wo sie entlanghumpelte. Flankiert von Sir Janus auf der einen und von einem unbekannten Rarius auf der anderen Seite ging sie ihrem Tod entgegen. Dann folgten die beiden Schriftgelehrten, die das Urteil gemeinsam mit Cato unterzeichnet und besiegelt hatten: Lady Isabell und Lady Talia. Nach ihnen folgten die Schaulustigen, die bis zum Hafen unten immer mehr zu werden schienen. Dann verlor Amira sie aus ihrer Sicht. Cato hatte sie nicht erblicken können in dem Getümmel, aber als Prätor würde er sicher schon am Hafen sein und den Richtplatz prüfen.

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Jetzt, da sie in sein Gesicht sah, wusste sie: Er hatte das Urteil selbst vollstreckt. Den Satz seines Vaters, dass ein jeder Prätor imstande sein müssen das Urteil auch selbst zu vollstrecken, hatte er sich zu Herzen genommen. Sie legte die Hand auf seine Schulter. Für jemanden, der kein Krieger ist, ist das Töten eines Menschen und sei es auch noch so gut begründet, so gerecht oder so notwendig, eine Sache, die alles verändert. Amira erinnerte sich gut an Iagos Tod. Sie erinnerte sich daran, wie verändert ihre Mutter gewesen war, nachdem sie ihren Gefährten, Amiras Vater, hatte töten lassen.

Catos Schwert hatte den Kopf der Händlerin vom Rumpf getrennt. Verurteilt zum Tode wegen mehrfacher Bestechung, Spionage für Cos, Anstiftung zum Heimsteinverrat und versuchten Mordes. Zuvor hatte man sie gefoltert, aber mehr oder weniger ergebnislos. Livia war nur eine Kaissafigur im Spiel des Lurius con Jad gewesen. Ihr Tod war zweifelsohne in Kauf genommen und vorausgesehen worden. Daher hatte man sie mit keinen heiklen Informationen ausgestattet. Sie wusste nicht, wohin die Sondereinheit cosischer Soldaten aus dem Delta abgerückt war, nachdem sie Trajanos und die anderen Gefangenen befreit hatten.

Ja, Trajanos war fort und frei. Wenn er überlebte. Amira erwachte jede Nacht und sah sein entstelltes Gesicht über sich. Es dauerte jedes Mal einen Moment bis die Schatten der Nacht sich vor ihren Augen entwirrten und sie die Sinnestäuschung begreifen ließen. Schweißgebadet lag sie dann im Bett neben ihrem schlafenden Gefährten und lauschte auf ihr rasendes Herz. Trajanos würde versuchen sich zu rächen. Amira konnte nur hoffen, dass Turmus gegen Cos bestehen konnte. Und sie dachte an ihre Tochter –  an der Kette dieses vor Wut rasenden, entstellten Monsters.

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Cato hatte gerade die Pagaschale zum Mund geführt, als sich erneut die Ereignisse überschlugen. Lady Yuna, die Baumeisterin berichtete vom Sturz ihres Vaters, des Pashas der Oase und sorgte sich um ihr weiteres Schicksal. Dann stürzte Lady Elaine, die Gefährtin des Legaten Luc con Kasra an den Tisch und berichtete von einem Anschlag auf den Ubar. Zeitgleich trafen Händler aus Tabor ein. Besorgt warf Amira Cato einen langen Blick zu. Schließlich teilten sie sich auf. Cato kümmerte sich um die Händler und Amira begleitete Elaine zum Zylinder der roten Kaste.

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Unterwegs lasen sie Sir Janus auf und baten ihn um Unterstützung. Elaine berichtete, dass auf der oberen Etage des Zylinders, wo die Quartiere von Luc und Seremides lagen, zwei giftige Schlange aufgefunden worden waren. Eine im Quartier von Luc. Eine im Flur davor. Der Legat selbst hatte wohl den Verdacht geäußert es könne ein Anschlag auf den Ubar gewesen sein und hatte angeraten, dass man das Quartier von Seremides durchsuchen solle nach einer weiteren giftigen Natter. Die beiden gefundenen Biester hatte bereits Brutus, ein Rarius der elften Legion, getötet, der Elaine wohl zur Hilfe geeilt war.

Da Seremides unterwegs war um die verschwundene cosische Truppe zu finden, ließ Amira die Tür öffnen. Dann blieb sie mit Elaine hinter dem breiten Rücken von Sir Janus zurück, der sich mit gezogenem Schwert in des Ubars Quartier begab. Tatsächlich – inmitten des Raumes – befand sich das silbern schillernde Schuppentier und begann sich zu entrollen, kaum, dass es die Erschütterungen der Schritte spürte, die sich ihm näherten. Schillernd und unwirklich wie Quecksilber floss es auf Sir Janus zu und ein warnendes Zischen erklang.

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Janus‘ scharfe Schneide beendete den heimtückischen Anschlag bevor Seremides ihm zum Opfer fallen könnte. Allerdings war die Ost schnell und ihre nadelartigen Zähne gruben sich zuvor in sein Fleisch. Amira rannte die Heilerin zu holen und sammelte dann die schuppigen Kadaver ein. Die Herkunft der Schlangen mochte möglicherweise Auskunft geben über den Täter.

Giftige Schlangen. Wohl niemand kannte sich mit ihnen besser aus als Alja. Man würde ihr Nachricht schicken müssen am nächsten Tag.

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Comments
19 Responses to “Der Tod für Osts kommt mit scharfer Schneide”
  1. „Ihr Biss verursacht einen qualvollen Tod innerhalb von Sekunden. Ein Pulver aus ihrem Gift kann in Wein gemischt werden. Die Ost der Regenwälder sind rot mit schwarzen Streifen. Die geringelte Ost ist gelborange und mit schwarzen Ringen gezeichnet.“ Hm, da bin ich gespannt, wie der Rarius Janus das überlebt… das tödlichste Lebewesen auf Gor…tödlicher als der beste Krieger…

    Ansonsten spannend 🙂 Toll, dass ihr so viele Spieler mit tollen Ideen habt, so ist es richtig aufregend alles mit zu lesen. Selten, das sich so viele finden und einbringen. Man sieht ja was draus werden kann, wenn sich mehrere starke, kreative Spieler finden (Seremides, Trajanus, Cato und Du, Luc, die Spieler der Cosianer….) Ich finde es richtig klasse!!!

  2. Gerd sagt:

    Händler aus Tabor? Das ist doch eine Pirateninsel, meine ich oder vertue ich mich da wieder?

    Na jedenfalls war die Geschichte spannend und ich ziehe den Hut vor Cato, dass er es als NICHT-Krieger geschafft hat, einen Kopf mit einem Schlag vom Rumpf zu trennen. *grinsel*

    Gruß

    Datt Admirälchen Gerd

  3. Jesuil jahesa-ia sagt:

    Hm, Norman beschreibt Osts wörtlich als Schlangen. Daraus könnte man schließen, dass es weitere Arten gibt und der Oberbegriff schlicht „Schlangen“ lautet. Allerdings beschreibt er aus der Sicht von Tarl, der auch bei der Beschreibung der Hith diese mit einem (irdischen) Python vergleicht. In der Beschreibung der Sumpf Moccasin hingegen kommt das Wort Schlange *nicht* vor.
    Wie üblich, also ein Interpretationsspielraum.
    Allerdings werden Osts nirgends als silbern beschrieben, insofern wäre es wohl am ehesten ein verzeihlicher Lapsus – mal ehrlich, wer von uns kann eine Ringelnatter von einer Aspisviper unterscheiden?

    “The ost is usually an orange snake, but these were Ushindi osts, which are red with black stripes.”
    Explorers of Gor page 239

    “In another case, somnolent and swollen, I saw a rare golden hith, a Gorean python whose body, even when unfed, it would be difficult for a full-grown man to encircle with his arms.”
    Priest Kings of Gor page 191

    „We saw a narrow, dark shape, about five feet long, like a slowly undulating whip, glide past. A small triangular head was almost level with the water surface. I did not think there had been much danger, but there was some possibility that the movements of her legs in the water might have attracted its attention.
    ‚That is a marsh moccasin,‘ I said.“

    • neanarstrom sagt:

      Ich hätte es in meinem Kopf so geordnet:
      Schlangen – darunter:
      Nattern (z.B. alle Arten von Osts uns so) und Würgeschlangen (z.B. Hith)

      Ich denke es gibt auf jeden Fall Artenvielfalt auf Gor. Auf jeden Fall bin ich gespannt was Alja draus macht.

      • Jesuil jahesa-ia sagt:

        Mein obiger Beitrag ist mehr „was ist verbrieft da“.

        Persönlich gesprochen bin ich ebenfalls der Meinung, dass man versuchen sollte die Lücken in diesem inkonsistenten Flickwerk einer Weltbeschreibung möglichst sinnig und anschaulich zu füllen. Ich bin beileibe kein Freund der These „Was nicht in den Büchern vorkommt gibt es nicht auf Gor“.

        Norman hat zwar nur zwei Arten von Osts erwähnt, aber es widerspricht jedweder biologischen und ökologischen Wahrscheinlichkeit, dass es nicht mehr Arten oder zumindest ähnlich aussehende verwandte Arten gibt. Von einem Haufen anderer Schlangenarten ganz zu schweigen.

        Insofern gehen wir da durchaus konform.

      • neanarstrom sagt:

        …The banded ost is a variety of ost, a small, customarily brilliantly orange Gorean reptile. It is exceedingly poisonous. The banded ost is yellowish orange and is marked with black rings.
        —Assassin of Gor, 21

        Variety deutet meiner Meinung nach auf eine Vielzahl von Formen hin oder zumindest auf eine ganze Zahl von abweichenden Formen.

      • Jesuil jahesa-ia sagt:

        In der Tat, dieses Zitat war mir entgangen. „Variety“ deutet faktisch auf eine Vielzahl von Varianten (sic) dieser Art hin, wenn ich meinen Senf als anglogermanischer Bilingualer dreisterweise dazugebe.

        Aber selbst ohne dem wüsste ich nicht, was gegen silberne, weniger giftige Osts spräche, auch wenn diese nicht ausdrücklich beschrieben sind. Oder gegen andere Arten von Schlangen, was das betrifft. Ich meine für irgendwas müssen die Schlangenkäfige für Alja ja gut gewesen sein und sie hält, nach eigener Aussage, definitiv weder Osts noch Hiths.
        Und, nur weil in den Büchern nie jemand aufs Klo geht, lasse ich mir das Bauen inwändiger Latrinen mit fließendem Wasser auch nicht vermiesen. 😉

      • neanarstrom sagt:

        Ich für meinen Teil glaub ja, dass solche Prim-Gartenschläuche mit schwarzen Knopfaugen weder irdisch noch gegenirdisch sind.^^

  4. Luc (Zelmo) sagt:

    Man muss halt immer eine gewisse Unschärfe in Bezug auf die Bücher und so einrechnen und auf solider Basis die Fantasie etwas einschalten – gibt halt sicher unterschiedlich giftige Osts, und wahrscheinlich kann man unter bestimmten Umständen auch jemanden mit einem scharfen Gladius köpfen. Ich hätte da wohl eher empfohlen, das Genick mit einem Stich zwischen die Wirbel im Nacken zu durchtrennen (was auch son Schreiber packt) oder die Halsschlagadern (was der auch packen sollte), aber war gerade verhindert… Fakt ist: Die Rübe ist ab und die von den Osts gebissenen noch lebend. Und beides ist durchaus im Bereich des Wahrscheinlichen 😉

    • neanarstrom sagt:

      Ja ja. Wir konnte bei Isabell schon lesen, dass der Legat beim Söhnezeugen war.^^

    • Hauptsache, der arme Janus muss nicht sterben!! Von mir aus kann die Ost auch kariert sein 🙂 Ich hatte sie nach dem Lesen der Bücher einfach als höllen giftig eingestuft und einen Schreck bekommen. Da ich beim Lesen der Gor Bücher das Gehirn aber weitestgehend abschalte- kann ich auch gut was überlesen oder/und vergessen!
      Wie gesagt- Hauptsache Janus stirbt nicht und mann weiter in Jorts mit trainieren. Wir Kajirae wollen doch was zum Anschmachten, und da zählte jeder starke Krieger!

      • neanarstrom sagt:

        Ich kann dich beruhigen. Janus ist quicklebendig dank der abenteuerlichen Kombination von Lady Elaines Aussaugen der Wunde und einem Breitbrand-Antiserum von Heilerin Jean. *g*

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  1. […] knien. Er selbst würde das Urteil vollstrecken. […]



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