Fight fire with fire – eine gewonnene Schlacht

Die Truppen hatten sich am Hafen gesammelt und sich mit den Streitkräften aus Belnend vereint. In der Nähe des cosischen Lagers hatte man einen provisorischen Gefechtsstand errichtet und von dort aus sollte der Sturm auf die gut gesichterte Kanalbaustelle erfolgen. Dank Cato war Amira gut informiert. Der Ubar hatte ihren Gefährten zum Prätor gemacht und war offenbar bemüht darum, sich mit dem Verwaltungsapparat und der durchaus mächtigen Kaste der Schriftgelehrten gut zu stellen. Für die Bürger und Bewohner von Turmus brachen die langen Stunden des Wartens und Hoffens an, während die Krieger der zwei Mächte im Niemandland aufeinander prallten. Stahl auf Stahl. Jeder getrieben vom Stolz und dem Glauben an die Rechtmäßigkeit des eigenen Handelns.

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In den Stunden des Wartens nahm das Leben in Turmus fast seinen gewohnten Gang. Aber die Spannung lauerte dicht unter der Oberfläche und wer genau hinsah, konnte im Alltagsgeschäft die Vorbereitungen auf einen möglichen Krieg bereits ablesen. Die Bürger hatten begonnen Vorräte anzulegen und zu horten und insbesondere die Hafenbewohner schienen sich vorsichtiger und umsichtiger zu bewegen als sonst. Häufig wandten die Menschen ihren Blick gen Himmel, um die strahlend blaue Weite nach den Silhouetten feindlicher Tarns abzusuchen. Gegen Abend hatte das Warten ein Ende.

Amira hörte die Ausrufer durch den offenen Torbogen, der auf den Balkon zum Forum hinausführte. Turmus hatte gesiegt! Der noch lebende Teil der cosischen Arbeitssklaven war nun nach Turmus gebracht worden, Teile der Baustelle, die nicht zu feucht waren, brannten, die Vorräte von Cos waren allesamt vernichtet worden und man hatte den cosischen Heerführer Trajanos in die Festung verbracht als Gefangenen. Sie horchte auf und trat auf den Balkon hinaus. Sie wollte sicher gehen, dass sie sich nicht verhört hatte. Trajanos! Ein Name, der sie in ihren Träumen verfolgte, ein Name, geschrieben von Dionyzas zittriger Hand auf ein zerknittertes Papier. Trajanos! Der Mann, in dessen Gewalt sich ihr kleines Mädchen befand, das nicht mehr ihr kleines Mädchen sein durfte, sondern ein Niemand war. Verstoßen von der Familie, verstoßen aus Turmus.

Cato war noch nicht zurück aus dem Zylinder der Schriftgelehrten und so konnte ihr niemand das Vorhaben ausreden. Sie wickelte sich in den dunklen Umhang und machte sich auf den Weg Richtung Festung. Auf den Straßen erklangen die Lieder des Sieges und der Freude, aber sie schob sich durch das Getümmel hindurch, grüßte nur kurz angebunden die Gesichter, die ihr bekannt vorkamen. In der Feste hielten sich eine Menge Menschen auf. Sie erkannte Blue aus Belnend. Alja, die dabei war einen jungen cosischen Gefangenen zu behandeln. Do-bar, der offenbar die Gefangenen bewachte. An ihn wandte sie sich und wünschte den Gefangenen namens Trajanos zu sehen.

Do-bar gab ihr den Weg frei und sie trat vor das Gitter. Trajanos stand aufrecht mitten in der Zelle. Wild und voller Hass spuckte er Worte es Zorns aus, die von Vergeltung und vom Fall Turmus‘  kündeten. Er war groß und muskulös. Sein Gesicht, von Narben übersäht, eine Maske der Verachtung. Er trug die dunkle Haut der felsigen Thassainseln, in deren Klima der Kalana und die Oliven so gut gediehen. Auch sein Haar war dunkel, den Kinnbart trug er zu einem kleinen Zopf geflochten. An der Seite war seine Tunika blutdurchtränkt. Offensichtlich war er schwer verletzt und von einem Heiler behandelt worden. Zuviel der Gutmütigkeit, fand Amira.

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Vorerst gab sie sich nicht zu erkennen und trat dem Strom seiner hasserfüllten Worte ruhig entgegen. Sie nahm ein schweres Halseisen aus ihrem Umhang, für einen Arbeitssklaven gemacht, und hielt es ihm entgegen. „Das, Trajanos, das ist dein Schicksal. Ein Leben an meiner Kette in völliger Dunkelheit. Denn nachdem ich dich blenden ließ, wirst du meinen Kragen tragen.“

Mittlerweile waren auch Isabell und Talia eingetroffen, sie hatten Amira Richtung Festung gehen sehen und waren ihr offenbar gefolgt, weil ihr Instinkt ihnen das gebot. Trajanos‘ Gefangennahme war Stadtgespräch. Und es war nicht schwer sich zusammenzureimen, was für Gefühle in Amira toben mussten im Angesicht des Mannes, der ihre Tochter versklavt hatte. Do-bar indessen wandte sich der Folterung des jüngeren Gefangenen zu und ließ die Frauen vor dem Kennel ihre Neugier befriedigen. Lachend schlug er vor, Trajanos eine Weile in der Stadt am Pranger auszustellen, so könnten sich die hohen Damen den beschwerlichen Weg in die Festung ersparen.

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Trajanos gab sich ungeschlagen und großspurig und verlangte von Amira ihn zu befreien. Im Gegenzug wolle er ihr die Gunst von Lurius verschaffen. Amiras Herz wurde zu Stein, dann trat sie dichter ans Gitter und sagte leise. „Ich bin nicht jung und naiv, wie meine Tochter, Trajanos con Jad. Ich bin eine gestandene Frau und für das was ihr Dionyza angetan habt, wirst du mir büßen. Langsam. Tag für Tag. Ahn für Ahn. Dein Leben wird eine Ewigkeit sein voller Leiden und Schande.“

Trajanos packte sie durch das Gitter hindurch und bleckte die Zähne. Den Aufschrei der beiden Frauen hinter ihr nahm Amira kaum noch wahr. Schon spürte sie Trajanos Atem in ihrem Gesicht und seine Finger gruben sich tief in ihr Handgelenk während er sie festhielt. „Deine Tochter hat eine Menge Feuer, Lady Amira. Es hat mich eine Menge Mühe gekostet es zu wecken, aber nun ziert sie sich nicht mehr wenn ich sie nehmen, sondern sie verzehrt sich danach. Ich habe ihr Ohren und ihre Nippel durchstoßen lassen und es steht ihr ausgezeichnet. Und bald, Lady Amira, bald kannst du ihr Gesellschaft leisten. Ich war mit ihr in Lydius, vielleicht schenke ich sie Gar. Er hat großes Interesse. Wie die Mutter, so die Tochter, weißt du.“

Als er sie losließ, trat Amira zurück. Die Wut war nun weißglühend und floss aus ihrem Herzen in ihre Venen und erstickte alles andere unter sich. Weißglühende Wut. Blindheit des Zorns. Ihre Augen wanderten durch den Raum, alles lag hinter Nebel verborgen, der Nebel verschluckte die warnenden Stimmen, die Schreie des jungen Gefangenen, aber Trajanos Lachen drang zu ihr durch. Dann erblickte sie die Fackel an der Wand. Feuer. Sie hat eine Menge Feuer. Ihre Hand schloss sich wie mechanisch um die Fackel und dann ging sie erneut auf Trajanos‘ Zelle zu.

„Es gibt kein Feuer, das nicht heilbar wäre, Trajanos. Außer diesem hier vielleicht. Du wirst es bald spüren.“

Sie senkte die Fackel und steckte das Fell in Brand, auf dem er stand. Dann warf sie die Fackel auf die mit einer schäbigen, fadenscheinigen Decke bedeckte Pritsche. Der Stoff fing sofort Feuer. Die Flammen leckten die Pritsche entlang und binnen weniger Ehn war die verschlossene Zelle mit Qualm gefüllt, der beißend in ihre Lungen drang. Den Schlüssel zur Zelle hatte der Ubar selbst und sie trug immer noch einen, als Prätor, der sie einst gewesen war. Um sie herum brach ein Tumult los, als die Flammen höher zu schlagen begannen.

Sie warf Trajanos einen letzten Blick zu. Er stand in der Ecke seiner Zelle am Fenster und versuchte zu atmen, aber er stand aufrecht und sah seinem Tod ins Auge wie man es von einem Krieger erwarten durfte. Eine seltsame Leichtigkeit kam über Amira und sie begann zu singen. Sie spürte kaum noch, dass Isabell sie von der Zelle wegzerrte und ihr Schlüsselbund zu Boden fiel. Talia und einige Kajirae waren hektisch mit Wassereimern zugange. Vor lauter Qualm konnte man kaum noch die Hand vor Augen sehen.

Trajanos würde brennen. Amira lächelte und dann spürte sie einen kurzen Stich im Arm. Man hatte die Heilerin rufen lassen. Trajanos würde brennen. Das war das Wichtigste. Bevor alles dunkel um sie herum wurde, waren ihre Gedanken bei Dionyza.

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Comments
12 Responses to “Fight fire with fire – eine gewonnene Schlacht”
  1. Luc (Zelmo) sagt:

    Nette Bodybags!

  2. Gerd sagt:

    wirklich der HAMMER!!

    Das war eine kurze aber geile Geshcichte. Vor meinem geistigen Auge hab ich ihn richtig brennen gesehen und das Feuer hab ich regelrecht gespürt.

    Gruß

    Gerd

  3. Jesuil jahesa-ia sagt:

    Hm, irgendwie kommt mir Amira ein wenig zu gnädig in ihrem Umgang mit dem Herrn vor. Erst brechen, dann töten wäre angemessener.

  4. Isabell sagt:

    Das war gestern der Hammer…Amira völlig irre und alles in absolutem Chaos…super spannend fand ich es

  5. Talia sagt:

    Ja es war sehr spannend und wirklich ziemlich chaotisch. ^^ Aber es hat sehr viel Spass gemacht auch wenn ich mir in dem Moment eine weisse Jacke mit Schnüren gewünscht hab. Grinst.
    Gruss Talia

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  1. […] mir darüber aber nicht länger Gedanken machen, Alja zog mich zu sich und sagte wir sollten auf Amira achtgeben. Ich schaute auf. Amira stand vor dem Kennel den ich von dieser Stelle aus, nicht einsehen konnte. […]

  2. […] Vielleicht bin ich auch einem Betrüger aufgesessen. Ein cosischer General, glaube ich. Er stellte sie mir als deine Tochter vor. Und sie machte keinen unglücklichen […]



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