Catos letzte Amtshandlung

A Ubar need give no accounting, no explanation.

(Raiders of Gor)

***

Die Ereignisse in Turmus schienen in einen Strudel zu geraten, aus dem wenig Entkommen möglich war. Die verstärkten Wachen und das Ausrücken von Bogenschützen und Tarnstaffeln blieben den Bewohnern von Turmus nicht verborgen. Was einige an Beobachtungs- und Auffassungsgabe vermissen ließen, glichen sie durch Ohren aus, die jedes geflüsterte Gerücht auffingen und  mit hektischem Geplauder an möglichst viele weitergaben. Turmus begann zu brodeln und es war höchste Zeit, den Bürgern und Bewohnern reinen Kalana einzuschenken.

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Der Administrator von Teslit in Begleitung einer modisch extravaganten Händlerin traf in Turmus ein, ein Besuch der wohl von Lady Mithandriel, in ihrer Funktion als Botschafterin, aufs Beste eingeleitet worden war. Teslit war keine militärische Größe, sondern eine Siedlung von Bauern und Händlern. Die Bedrohung, die von Cos und dem Kanalbau zwischen der Thassa und dem Vosk ausging, traf ein solch wehrloses Dorf möglicherweise noch hundertmal stärker als Turmus mit seinen starken Mauern und einer gut aufgestellten roten Kaste. Aber es ging nicht nur um eine militärische Bedrohung. Auch das Gleichgewicht unter den Händlern am Vosk würde empfindlich gestört werden. Die Lebensgrundlage vieler stand auf dem Spiel. Hinzu kam, dass Teslit auf eine Historie zurückblickte, die es bereits zweimal zum Opfer eines Krieges zwischen verfeindeten Mächten hatte werden lassen. Vor langer, langer Zeit schon war Teslit zum Ort der Schlacht zwischen Ven und Harfax geworden. Und dann, kaum zweihundert Jahre später, hatte Teslit schon einmal zwischen den Heerlagern von Cos und Ar gelegen. Die Bürger hatten sich in ihrer Not keinen Ausweg gewusst und die Frauen und ihr Hab und Gut fortgeschafft.

Man traf eine Übereinkunft zum Wohle beider Städte, die in der sich die Stärken beider zu ergänzen versuchten. Gleichwohl schien Teslit ein gutes Ziel zu sein, falls Cos seine Vorräte aufzufüllen gedachte. Es war dort kaum mit Gegenwehr zu rechnen, jedoch waren die Kontore und Kornspeicher gut gefüllt. Sowohl Cato als auch dem Administrator von Teslit war dies klar. Es blieb das Beste zu hoffen und auf die Kraft von Turmus zu setzen.

Aus diesem Grund zögerte Cato auch keine Ehn, als er von Sir Janus ein Angebot der Kontaktaufnahmen mit Titus, dem Führer der elften Legion zu Ar erhielt. Amira war unsicher, ob die Zusicherung von freiem Geleit aus dem Mund eines gesuchten Verbrechers ernst zu nehmen war, aber letztlich konnte sie Cato nicht aufhalten. Es waren nicht die Zeiten um sich zaudernd warnenden Worten von Weibern zu beugen. Es galt die Kräfte gegen Cos zu vereinen, alle, die verfügbar waren. Amira schloss kein Auge in den Nächten seiner Abwesenheit. Einst waren die Legion und die Del-ka Brigade erbitterte Feinde gewesen. Ein Krieg unter Gleichen, denn beide verband der Hass auf Cos und den Verrat im Delta. Jedes ihrer Gebete im Tempel galt Cato und dem Gelingen seiner Mission für Turmus und die Region.

Als er zurückkehrte mit guten Neuigkeiten, jubilierte ihr Herz. Aber es wurde jäh im Keim erstickt, als habe man einem zarten Singvogel und dunkles stickiges Tuch übergeworfen:  Am Hafen hatten sich die Bürger versammelt und die Unruhe in der Stadt drohte zum offenen Tumult zu werden. Ein voll beladenes Versorgungsschiff der Cosianer hatten von den Patrouillen aufgebracht und in den Hafen geschleppt werden können. In Zweierreihen aneinandergefesselt warten die Gefangenen aus Cos, darunter viele Krieger zur Verstärkung des Lagers im Delta, vom Schiff und Richtung Festung verbracht worden. Alles unter den Augen der verängstigten Bevölkerung. Amira und Cato standen dicht nebeneinander, als sie sich runter an den Hafen begaben. Die Zeit für offene Worte war gekommen. Cato hob die Hand und brachte den surrenden Bienenstock mit einer Geste zum Schweigen, dann begann er in kurzen Worten darzulegen, in welcher Krise sich Turmus befand.  Einige Krieger befanden sich in der Menschenmenge. Die Erleicherung darüber, dass die Geheimhaltung nun ein Ende hatte, war ihnen anzusehen, aber der zivilen Bevölkerung war die voranschreitende Panik nun mit schnellen hektischen Pinselstrichen ins Gesicht geworfen. Fragen zur Sicherheit – insbeondere am Hafen – kamen auf.  Und nachdem noch einmal auf die Regeln im Alarmfall hingewiesen worden war, zerstreute sich die Menge und ging an die Vorbereitungen für den Ernstfall. Ein jeder auf die Art und Weise, die ihm zur Sicherung seines Lebens und seines Besitzes angemessen erschien. Die Hafenheilerin, Lady  Nienna, ließ ausrufen, dass sich alle freien Frauen bei ihr zum Einnehmen von Sklavenwein einfinden sollten, um zu verhindern, dass sie im schlimmsten aller Fälle in cosischen Bordellen für den Feind Sklavenkinder gebären mussten.

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Früh am nächsten Morgen tagte der Hohe Rat. Und er fasste einen Entschluss, den sowohl Cato und Amira hatten kommen sehen, der sich aber dennoch wie ein Dolchstoß mitten in ihre Herzen anfühlte. Am Abend stand noch eine Zeremonie zum Heimsteinschwur bevor. Do-bar, Florence und Talia würde ihren Eid auf ihre Treue zu Turmus schwören. Dass es Catos letzte Amtshandlung sein würde, wussten bis zum Beginn der Zeremonie nur Cato, Amira, Talia und die Mitglieder des Hohen Rates.

Der Saal lag im Schein der Fackeln, als die Bürger eintrafen, die dem Schwur beiwohnen wollten. Das Licht der Flammen beleuchtete den Heimstein, der wie immer auf einem steinernden Sockel ruhte, die über einer in den Stein eingelassenden Scheibe aus reinem Gold schwebte. Die Vertiefungen und Kerben in dem uralten Gestein schienen so zum Leben zu erwachen, als ahne er etwas von der Gefahr, in deren Zentrum er sich befand. Catos Worte, die bei keiner Zeremonie die gleichen waren und doch exakt den Kern der Bedeutung in jedesmal neuen Bildern zu transportieren vermochten, waren derart eindringlich, dass Amira gegen Ende ihre Tränen nicht mehr zurückhalten konnten. Neue Mitglieder wurden Teil der Gemeinschaft, Teil des Heimsteins. Und niemals zu vor war die Bedeutung des Kampfes und des Einsatzes FÜR diese Gemeinschaft so dringlich und wichtig gewesen wie jetzt, den schlimmsten Feind keine 15 Pasang von den Stadtmauern entfernt wissend.

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(im Lager von Cos, Vosk Delta)

Tief bewegt lauschten die Versammelten den Worten ihres Administrators und den Worten der neuen Bürger, die nacheinander die Worte des Schwurs wiederholten, bis sie schließlich von Cato als Bürger von Turmus benannt und begrüßt wurden. Cato hatte die Stadt lange und gut geführt und auch jetzt schien sich ein linderndes Band des Vertrauens und des Zusammenhalts um den Saal zu legen, der sie alle ihren Ängsten und Nöten enthob. Der Heimstein war das Zentrum. Der Schutz. Das Zuhause. Die Zuversicht. Jeder Ärger, jede Zankerei, jeder persönliche Vorteilnahme, unsere eigenen Eitelkeiten, so hatte Cato gesagt, verblasse im Angesicht des Heimsteins und im Angesicht der Wichtigkeit des Zusammenhalts nach außen.

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Amira schloss einen Moment bewegt die Augen. Cato hatte Turmus viele Märkte lang gedient. Er würde sein Leben für Turmus geben, aber er war ein Schriftgelehrter und seinen Möglichkeiten waren begrenzt. Persönliche Eitelkeiten…hinter sich lassen..!

Nachdem die „Heil Turmus!“ und „Licht über unserem Heimstein!“ Rufe verklungen waren und die Gratulanten sich aneinanderzureihen begannen, dachte sie zurück an ihre Lebensgeschichte. An ihre Anfänge am Hafen von Turmus. An den Aufbau der Del-ka Organisation. An Iago, den sie aus dem Wege geräumt hatte. An Catos Wahl zum Administrator. Das Ziel ihrer ehrgeizigen Pläne. Sie hatten alles erreicht und Turmus zu Wohlstand geführt, ruhend auf den drei Säulen Gors und den alten Traditionen. Sie hatten den Verführern Cos getrotzt und nun stand der letzte Kampf bevor.

Die Zeit des Stahls war gekommen. Der Tat hatte Seremides con Turmus, den ersten der roten Kaste, zum Ubar bestimmt.

Als Cato nach vorn trat um den Bürgern die Nachricht zu verkünden, drang seine Stimme mit der schmerzhaften Präsision eines Steinmeißels in ihr Innerstes. Es war ein Abschied vom dem, was lange Zeit sein Leben bestimmt hatte. Vielleicht nur ein Abschied auf Zeit, vielleicht aber für immer. Niemand wusste, was die Zukunft bringen würde.  Während die Krieger die Nachricht gelassen hinnahmen, schon lange hatten sie mit dieser Entscheidung gerechnet  – zeichnete sich auf den Gesichtern der Zivilisten Angst und Unsicherheit ab. Mit dem Einsetzen von Seremides als Ubar würde in Turmus das Recht des Ubars gelten. Sein Wort würde unantastbar über allen möglichen Instanzen stehen und der Stahl der Krieger würde für die Umsetzung sorgen. Notfalls auch gegen den Willen von Bürgern und Bewohnern.

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Als auch die letzten Stimmen verklungen und die Türen hinter dem letzten Besucher ins Schloss gefallen waren, ordneten Cato und Amira in schweigendem Einvernehmen den Schreibtisch unten in der Halle. Vorerst würden sie im Zentralzylinder wohnen bleiben, denn Seremides bevorzugte sein Quartier im höchsten Punkt des Zylinders der roten Kaste.

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Comments
6 Responses to “Catos letzte Amtshandlung”
  1. Gerd sagt:

    Also ich habe vom turmusianischen Rat und von Cato mit viel mehr Widerstand gerechnet.

    Die Aktion finde ich aber klasse und ob du mir das jetzt glaubst oder nicht, bin ich OOC zwiegespalten und ein wenig traurig, dass Cato sein Amt nieder legen musste.

    Dabei war ich ja eigentlich mit einer derjenigen, der mit seinem RP wie wild darauf gepocht hat, dass der Rat endlich die Macht an die rote Kaste übergeben soll.

    Jetzt hat das bei mir irgendiwe ein OOC Schuldgefühl ausgelöst ^^

  2. Mithrandriel sagt:

    Das Ubarat ist ein weiterer, ebenso IC-(und BTB-)plausibler wie spannender RP-Kaissazug! Dennoch hoffen Mith (IC) und ich (OOC), dass Cato in sein Amt zurückkehren (können) wird. Denn ob Ihr wollt oder nicht: gerade die Ausgestaltung und Besetzung der führenden Ämter in Turmus tragen meiner Meinung nach wesentlich zur Identität von und zum Klima in/auf Turmus bei.

  3. Eilyg sagt:

    Dieser nun eingeschlagene Weg der turmischen Storyline bietet sehr viel Potential für weitere spannende und interessante Anschlussplots. So könnte, einen Erfolg gegen die Cosianer vorausgesetzt, dem dann siegreichen und gefeierten Ubar Seremides dieser Erfolg zu Kopf steigen, dieser zum Tyrannen mutieren und dann … *to be continued*

    Heil Seremides, dem neuen Ubar von Turmus! *grins*

    Sichere Wege und so …

    Turin

  4. neanarstrom sagt:

    Auch eine Niederlage von Turmus bietet extrem gutes RP-Potential. Ich bin schon ein paar mögliche Varianten beider Entwicklungen im Kopf vorausgegangen.
    Bei Sieg von Cos wird Cos das Problem aller Besatzer haben – wie hält man eine besetzte Stadt unter seiner Knute?
    Und für die Turmusianer – wie werden wir die Besatzer wieder los?
    Ich glaub bei beiden Varianten wird jede Menge Blut fließen…

    Wir müssen nur im Blick behalten, dass die Non-Action Spieler ihre Rückzugsmöglichkeiten behalten auf der Sim.

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  1. […] „Der Rat hat entschieden, Talia. Es wurde ein Ubar bestimmt, der für die Zeit der Krise die Geschick… Ich sah ihn überrascht an. „Ich werde es den Bewohnern und Bürgern, nach der Zeremonie verkünden.“ […]



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