Die Ruhe im Auge des Sturms

Nachdem Cato ihre erstgeborene Tochter vom Heimstein verbannt hatte, kehrten ein paar Tage der Ruhe ein.

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Der Basileus von Jesuil Jahesa-ia weilte als Gast in Turmus und beriet Cato als Kapazität unter den Baumeistern was das mögliche Vorhaben der Cosianer betraf. Seine Einschätzung war wenig optimistisch. Nicht nur wegen der erforderlichen Ressourcen, sondern vor allem auch wegen der Unwirtklichkeit der Umgebung und der feindlichen Kräfte, die einen hohen Einsatz von schützender Mannstärke erforderlich machen würden. Eine Mannstärke an Arbeitskräften und Kriegern, die den Bau des Kanals von Bila Huruma um ein Vielfaches übertreffen müssten. Im Gegensatz zu den Dschungeln von Schendi hatte man es hier nicht nur mit einem tropischen Waldgebiet zu tun, sondern mit Sumpf. Nicht unmöglich, aber nicht möglich, so schlussfolgerte der Basileus, im Alleingang und im Kampf gegen drei feindliche Kräfte im Delta: Port Kar. Die Rencer. Und das unbeugsame Turmus.

Sie saßen gemeinsam am Ratstisch. Cato, der Basileus und Lady Talia, die alles Wichtige für den Administrator protokollierte. Amira war später dazu gekommen und lauschte den Ausführungen ruhig. Nur wenige Momente nach ihr war der Admiral hinzugekommen. Es schien als würde die Einschätzung des Basileus Cato ein wenig beruhigen. Amira begannt allmählich sich mit dem Verlust von Dionyza abzufinden und versuchte den Genuss von Kalana zu vermeiden, von dem sie in den letzten Tagen zuviel getrunken hatte. Vielleicht war die Gefahr durch Cos doch nicht so groß wie angenommen. Und das befürchtete Bauvorhaben ohne ihre Hilfe so gut wie undurchführbar.

„Vielleicht wird Cos diesmal über seine Überheblichkeit stolpern und sich selbst das Genick brechen.“ äußerte sie hoffnungsvoll. Cato bewegte den Kopf nachdenklich hin und her.

„Cos ist nicht dumm. Ich glaube nicht, dass sie etwas tun ohne alternative Pläne, die uns womöglich noch nicht bekannt sind. Sie werden kein Vorhaben angehen, das undurchführbar ist. Wir könnten etwas übersehen haben bisher.“ erwiderte Cato.

Just in diesem Moment erhob der Admiral das Wort und beendete den Moment von Erleichterung und Beruhigung. Es schien als hätten sie richtig gelegen. Die letzten Tage hatten sie im Auge des Sturms verbracht.

Sein Bericht vom gemeinsamen Kriegertraininig in Jorts Fähre war alarmierend. Ein Rarius aus Cos war dort gewesen und hatte davon gesprochen, die Städte am Vosk bald wie Ta-Trauben pflücken zu wollen. Niemand sprach es zunächst aus, aber dann war es der Admiral, der sagte: „Wollen wir hoffen, dass Jort’s Fähre noch erkennt, wer Freund und wer Feind ist.“ Dass man dem Admiral gegenüber angedeutet hatte, dass Jorts Fähre Turmus bei einem Krieg nicht beistehen würde, weil man die Liga als reines Bündnis gegen Vosk Piraten betrachtete, beunruhigte den Admiral mehr als Amira und Cato. Jorts Fähre hatte sich seit jeher damit begnügt den Kopf in den Sand zu stecken. Das war nichts Neues und letztlich war es ohnehin besser sich allein behaupten zu können und sich mit der restlichen Liga gut zu stellen.

Alarmierend an den Neuigkeiten war das Auftauchen von Cosianern auch in anderen Städten am Vosk. Waren sie auf der Suche nach Verbündeten gegen Turmus?

Diese Befürchtung sollte sich am nächsten Tag bestätigen. Sir Janus kam von einer Reise aus Lydius zurück und berichtete dort den Heerführer der cosischen Streitkräfte gesehen zu haben. Lydius! Amira sank auf den Sessel und die Beine wurden ihr schwach. Dort würde Cos‘ Ansinnen ohne Zweifel auf fruchtbaren Boden fallen. Seit ihrer Flucht aus der Stadt am Laurius hatte die Feindschaft zu Lydius angehalten und sogar den Feldzug der Südtruppen gegen die Hammaren überstanden, bei dem man notgedrungen Seite an Seite gekämpft hatte.

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Als wären dies der bösen Neuigkeiten noch nicht genug, hatten die Amtsträger der Stadt sich neuerdings mit Bestechungsversuchen herumzuschlagen. Talia berichtete Amira von einer Händlerin aus Brundisium, die versucht hatte Isabell als Handelsprätorin zu bestechen. Und nun hatte sie es offenbar auch bei Talia versucht, die als Palastpräfektin ein lohnender Kontakt zu sein schien für die Kaste der Händler. Besagte Händlerin hörte auf den klangvollen Namen Livia Maxima Corolianus und die Spitze ihrer Zunge hatte sich bereits in der ganzen Stadt herumgesprochen.

Der Druck auf Turmus wuchs. Feinde von außen, die sich zu einem mächtigen Ring der Bedrohung zusammenschließen konnten. Und Kräfte, die versuchten die Ehre der Bürger auszuhöhlen und sie zu Marionetten des Goldes der Händlerkaste zu machen. Cato musste mit dem Hohen Rat sprechen. In Gedanken sah sie die Kastenersten der Hohen Kasten von Turmus vor sich. Flaminius für die Heiler. Seremides für die Krieger. der Wissende Serenus. Saphrar, der erste Baumeister. Belo, der nach Catos Ernennung zum Administrator der erste Schriftgelehrte geworden war. Alles ehrwürdige Männer mit großer Erfahrung. Keiner von ihnen zählte weniger als 160 Märkte. Der Kampf gegen die Korruption lag in ihren Händen und war auch eine Frage der Kastenorganisation. Ehre und Kaste waren die Grundlage von Turmus‘ Wohlstand. Das Festhalten an uralten Grundsätzen und Prinzipien. Sie durften nicht weichen.

Amira starrte auf die Karaffe mit Kalana und schüttelte den Kopf.

Viele Jahre lang hatte Cato regiert und sie hatte ihn mit allem unterstützt, was sie zu geben hatte. Es galt nun einen klaren Kopf zu bewahren. Wenn die Priesterkönige sie erneut prüfen wollten, so würde sie bereit sein.

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One Response to “Die Ruhe im Auge des Sturms”
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  1. […] der Admiral dann auch noch erzählte, dass ein cosianischer Krieger in Jorts Fähre gesichtet worden, war wisch die Erleichterung wieder reger Besorgnis.  Der Admiral, […]



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