What’s done can’t be undone.

Das Knarren der Tür. Holz reibt auf Holz. Die Stille einer zugefallenen Tür. Schritte, die sich entfernen. Catos Schritte.

Hinter ihr das stille Atmen von Sir Do-bar.

Allgegenwärtig das Brennen ihrer Handfläche. Der Schlag hatte Lady Ravenna auf die rechte Wange getroffen, denn Amiras Schlaghand war die linke Hand, auch wenn man sie zum Schreiben als Kind früh umerzogen hatte. Aber noch viel schmerzhafter war das Brennen in ihrem Inneren. Sie hatte sich provozieren lassen und die Diplomatin auss Cos geohrfeigt.

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„Was ich getan habe, war unwürdig, nicht wahr, Sir Do-bar?“ Sie wagte es nicht den Tarnreiter anzusehen, der von Cato den Auftrag bekommen hatte sie zum Palast zurückzugeleiten.

„Mir steht kein Urtei darüber zu.“ Er hatte eine Weile gebraucht um diese Antwort zu formulieren und Amira vermutete, dass er sie nicht mit seiner wahren Meinung aus der Fassung bringen wollte. Er war klüger als die meisten Krieger.

„Vielleicht sollte ich mein Amt niederlegen.“, flüsterte sie. Seine Rücksichtnahme linderte ihren Schmerz nicht. Sie hatte die Kontrolle verloren, das ließ sich nicht schönreden.

„Dann tut ihr sicher das, was das Weib will, Prätor. Und nun lasst mich meine Arbeit tun und euch in den Palast eskortieren.“

Sie spürte seine Unruhe. Vermutlich war ihm unwohl Cato in Gegenwart der cosischen Gesandten ohne Wache zu lassen. Amira teilte sein Gefühl, daher riss sie den Blick vom beruhigenden goldenen Kreis ab, der über dem Altar der Priesterkönige ruhte. Ausgerechnet im Tempel war es zu dem Eklat gekommen. In dem hohen Gebäude war es kühler als draußen auf der Straße. In diesen Tagen war die Hitze in Turmus so groß wie noch nie. Die Wärme zitterte zwischen den Wänden der Häuser, waberte durch die menschengefüllten Straßen und trieb den Leuten den Schweiß aus den Poren, selbst wenn sie nur herumsaßen. Die Feuchte vom nahen Delta tat ihr übriges dazu und vielerorts lagen die Nerven blank.

Nicht nur bei Amira.

Seit fast einer Hand kämpften die Rarii mit wütenden Protesten der Bürger gegen die Anwesenheit der cosischen Gesandten. Jemand hatte einen Pfahl vom Hafen vor den Zylinder der Schriftgelehrten gebracht und ein Schild war daran befestigt gewesen: Reserviert für Cos. Die Feindschaft, die man in Turmus dem expandierenden Cos entgegenbrachte, war allgegenwärtig und nicht nur unter den Arer Bewohnern verbreitet. Amira hoffte fürchtete, man würde die Frau lynchen, wenn sie auf die Idee kam einen unbewachten Schritt durch Turmus zu tun. Aber das tat sie selten. Die Gespräch fanden meist in ihrem Quartier statt. Und sie bestand meist darauf, dass sie den Cato allein in ihren Fängen hatte.

Amiras Gefühle glichen einem Herbsturm, der die Segel von Schiffen zerreißen und sie in die Tiefe reißen möchte mit seinem Toben. Es war nicht so, dass sie Cato nicht traute, aber sie fürchtete die Verschlagenheit von Ravenna wie bei noch keiner Frau zuvor. Es war nicht so, dass Ravenna wirklich schön war. Sie war schlank, elegant, trug edelste Roben, das ja – aber die Hässlichkeit ihres Inneren zog sich wie ein fauliger Nebel durch ihre Poren, drängte von innen nach außen und den Gestank ihrer blinden Überheblichkeit konnte auch das kostbarste Parfüm nicht abmildern.

Nur Dionyza nahm den Gestank der inneren Pestilenz nicht wahr. Amira zweifelte am Verstand ihrer Tochter. Vielleicht war in Dionyza zuviel von der gleichen Überheblichkeit herangewachsen. Obwohl Cato ein ernstes Gespräch mit Dionyza geführt hatte, spürte Amira, dass ihre Tochter ihnen beiden aus dem Weg ging, seit sie mit Lady Ravenna erwischt worden war.

Als sei dies alles nicht genug, erging sich Aeneas in aller Öffentlichkeit in Andeutungen. Außerdem hatte er eine nicht unerhebliche Anzahl von Schwertern bei Tekko geordert und etwas von cosischen Truppen gesagt, die bald schon vor Turmus stehen würden. Immer noch ging er in der Stadt umher als Sir Treiian aus Port Kar. Aber er ließ keine Gelegenheit aus, um Amira in Verlegenheit zu bringen.

Und dann hatte sie noch herausgefunden, dass Cato sie beschatten ließ. Er hatte das nicht mit ihr abgesprochen und sie konnte nicht einordnen, aus welchen Motiven er das getan hatte. War es zu ihrem Schutz? War es um sie zu überwachen? Traute er ihr nicht? Sorgte er sich nur?

Als sie im Palast angekommen waren, bat Do-bar sie noch einmal darum vernünftig zu sein und dem Befehl ihres Gefährten zu entsprechen. Im Gegenzug nahm sie ihm das Versprechen ab, auf Cato aufzupassen. Dann trennten sich ihre Wege. Amira sehnte sich danach, der engen viel zu warmen Robe zu entkommen. Zumindest eine Last, die abzustreifen sie an diesem Abend imstande war.

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