Die cosische Ost – Stahl auf Stahl, Hass auf Hass

Amira fand die Notiz als sie dabei war, Catos Unterlagenstapel zu sortieren. Tag für Tag sah er sich vor der Aufgabe Unmengen von Anträgen und Anliegen zu sichten und zu entscheiden was davon wichtig und dringend war und was er weiter zurückschieben oder gar sogleich entsorgen konnte. Zuweilen half Amira ihm dabei, damit die Papierberge auf seinem Schreibtisch nicht überhand nahmen und eben just an diesem Morgen, fiel ihr ein Dokument in die Hände, das ihre Aufmerksamkeit fesselte. Das Siegel konnte sie nicht recht zuordnen, aber es war keines aus Kasra, obwohl es einen Fisch zeigte, nein, es war…..Amira überflog den Text und erstarrte. Cos?!

Die Depesche kündigte das Eintreffen einer cosischen Gesandten an und war unterzeichnet von Lurius con Jad selbst. Amira starrte auf die Signatur. Schlagartig begann sie zu frösteln, insbesondere als sie das Datum las. Eine Lady Ravenna con Jad würde noch heute eintreffen. Hatte Cato das Schreiben übersehen oder hatte er ihm tatsächlich keine Bedeutung beigemessen?

Sie legte die Depesche mittig auf seinen Tisch, damit er sie unter keinen Umständen ein weiteres Mal übersehen konnte und hastete nach oben um sich umzukleiden. Bei den Priesterkönigen, das war keine Kleinigkeit! Sie legte eine bequeme und dennoch prächtige Robe an und auch ihren schweren und repräsentativen Goldschmuck, während sie in Gedanken schon einmal die Kette möglicher Komplikationen durchging, die der Besuch von einer Gesandten aus Cos mit sich bringen konnte. Die zahlreichen Krieger aus Ar, die in Turmus in in der Brigade dienten, waren eine ernstzunehmende Bedrohung für die Gesandte. Und sie selbst war eine ernstzunehmende Bedrohung für den Frieden in Turmus. Was wollte Cos hier? Turmus war als Freund des alten Ar weit über die Grenzen der Voskregion bekannt. Amira seufzte und machte sich dann auf den Weg in die Stadt um Cato zu suchen.

khalid_001

khalid_003

Sie hastete über das Forum, die Stufen in die Stadt hinunter und ein Blick auf die schönen Vorhänge im Fenster zu ihrer rechten verriet ihr, dass Talia mit dem Einrichten der Wohnung gut vorangekommen war. Unten am Hafen anbekommen traf sie Lady Tara im Gespräch mit Claudius. Es ging wohl um Lady Elaine, die nach ihrer doppelten Gefährtenschaft für Amira zur unwürdigen Person abgestiegen war. So ließ sie sich eine Weile auf ein Gespräch mit Lady Tara ein, bis sich schließlich ein Schwarzgewandeter zu ihnen begab und sich als der ehemaligen Herr von Dana offenbarte. Er war gekommen um seinen Teil des Auktionsgewinnes abzuholen. Amira nahm ihn mit zur Hafenmeisterei und zahlte ihm seine Münzen aus. Während sie in ein interessantes Gespräch über den Umgang mit Vosk-Piraten gerieten, ertönte plötzlich vom Flussufer herauf ein Hilfeschrei.

talia_001

Es war Lady Talia gewesen, die von einer Vosk Schildkröte attakiert worden war und in die Heilerei gebracht wurde. Lady Florence hatte wahrlich alle Hände voll zu tun in diesen Tagen. Der Schwarzgewandete war inzwischen verschwunden und Amira setzte ihre Suche nach Cato fort.

Vor der Backstube trafen sie dann auch aufeinander, aber zu spät. Denn die Stimmen der Passanten kündeten bereits von der Ankunft eines Schiffes und der Tumult, der sich unten auf den Piers auszubreiten schien, ließ keinen Zweifel darüber, dass die Gesandte aus Cos eben im Begriff war, ihre Füße auf turmischen Boden zu setzen.

Amira sah sie bereits von weitem. Sie trug ein Gewand in schwarz und gold, das im Licht des untergehenden Zentralfeuers in Flammen zu züngeln schien, so fein und raffiniert waren die Stoffe gewoben. In ihrem Gefolge befand sich eine Pani-Sklavin in einem Gewand das kostbarer wirkte als das, was die einfachen Frauen in Turmus trugen, vielleicht sogar kostbarer als manches Gewand einer Hochkastigen.

ravenna_001

ravenna_002

Da Cato noch mit zu tun hatte, gab er ihr die undankbare Aufgabe die cosische Gesandte solange in ein Quartier zu führen. Amira unterdrückte ihren Zorn und beobachtet mit wachsendem Unbehagen, wie Lady Ravenna diese Nachricht aufnahm. Cato zog einen anderen Gesandten vor und ließ die Cosianerin am Hafen in der Obhut seiner Gefährtin stehen. Ravennas Blick sprach Bände und sie hielt auch nicht damit hinter dem Berg, was sie davon hielt. Innerhalb weniger Ehn glich die Stimmung unter den Versammelten einer gespannten Bogensehne und der Pfeil drohte jederzeit durch die Luft zu schnellen und jemandes Herz zu durchbohren. Voerst aber blieb es bei pfeilartigen Blicken, die umher flogen – vor allem zwischen der Gesandten und Claudius con Ar und Lady Tara, die ebenfalls aus Ar stammte.

Amira kam es vor als sei die Luft am Hafen um mehrere Grade abgekühlt und angesichts der in der Luft liegenden Spannungen machte sie sich eilig auf den Weg Richtung Stadttor, um Lady Ravenna hinauf in die Stadt zu bringen, weg von den neugierigen Augen und Ohren der vom Hass auf Cos erfüllten Schaulustigen. Sie sollten nicht weit kommen. Kaum hatte Claudius in vollem Maße realisiert, dass er eine Cosianerin vor sich hatte, zog er sein Gladius und stellte sich ihnen in den Weg.

ravenna_005

Da Ravenna nicht im gerinsten ihre spitze Zunge zügelte und Claudius‘ Stahl bereits in Richtung ihres Halses fuhr, blieb Amira nichts anderes übrig als sich zwischen die beiden Streitenden zu stellen, damit aus gegenseitigem Hass nicht warmes fließendes Blut wurde, das die Ritzen des Hafenpflasters flutete.

Ungläubig hörte Amira wie Ravenna säuselte „So tut was ihr tun müsst, Krieger aus Ar. Tötet mich doch, auch dann wäre meine Mission erfüllt! Ihr seid so wirr wie eure Kameraden, die im Vosk Delta in die Falle gingen…“

Amira sah Claudius in die Augen und schloss in diesem Moment mit ihrem Leben ab,  aber der Zufall sollte ihnen zur Hilfe kommen. Der Zufall war ein fremder Mann, der sofort Stahl zog und sich zwischen Claudius und die beiden Frauen warf, die er richtigerweise als in Lebensgefahr wähnte. Amira konnte gerade noch zur Seite springen, da schlug auch schon Metall auf Metall und die beiden Männer verfielen in einen erbitterten Schwertkampf, während Ravenna nur lachte.

ravenna_006

Amira presste die Kiefer aufeinander und wünschte fast, sie hätte Claudius sein Werk einfach vollenden lassen, aber Catos Anweisung war eindeutig gewesen. Also überließ sie den Kampf den Männern und führte Ravenna indessen weiter hinauf in die Stadt. Sie würde sie in einem Quartier im Zylinder der Schriftgelehrten unterbringen, wo sie hoffentlich in Sicherheit war. Auf dem Weg dorthin gelang es der cosischen Gesandten derart viele Bewohner und Bürger gegen sich aufzubringen, dass Amira schon auf halber Strecke der Schweiß ausbrach. Entsprechend groß war die Erleichterung, als sie endlich im Zylinder ankamen und die Tür hinter ihnen ins Schloss fiel.

Amira spüre ihren Pulsschlag im Hals pochen und ihre Wangen waren vor Wut gerötet über das unkluge Verhalten der Cosianerin. Sie selbst spürt die unbändige Versuchung der Frau die Finger um den Hals zu legen und das Leben aus ihr herauszupressen, damit der Quell der Arroganz und immerwährender Sticheleien endlich versiegte.

ravenna_007

Bevor sie sich zu einer Handgreiflichkeit provozieren lassen konnte, klopfte es erneut an der Tür und Sir Do-bar traf ein. Offenbar hatte Cato von dem Zwischenfall Kunde erhalten und hatte den Tarnreiter zum Schutz von Lady Ravenna befohlen. Erleichtert das Weite suchen zu können, ergriff Amira die Flucht, nicht ohne Ravenna mit ihrem Blick noch einmal eine Drohung zukommen zu lassen. Schon jetzt hatte Cos alles wahr gemacht, was sie je über die Arroganz des Insel-Ubarats gelesen und gehört hatte. Dieses Weib war eine Plage und verdiente nichts als den Kragen. Amira schlug die Tür hinter sich zu und machte sich auf die Suche nach ihrem Gefährten. Noch bevor er sich zum Gespräch mit Lady Ravenna begab, musste sie ihm unbedingt mitteilen, was alles auf dem Weg vom Hafen bis an den Zylinder vorgefallen war.

ravenna_013

Spät am Abend schließlich kam es zu der denkwürdigen ersten Begegnung zwischen Cato, dem Administrator von Turmus und der Gesandten des Lurius. Worte, die schärfer waren als die Schneide eines jeden Gladius, wechselten von einer Seite zur anderen. Cos wollte Turmus, daran bestand kein Zweifel. Und Cato war nicht dumm genug die Mär vom Bündnis zu glauben, nachdem er wusste, was Ar widerfahren war. Aber Ravenna war geschickt. Es kostet Amira jede Ehn Mühe und Disziplin sich zurückhaltend zu verhalten und Cato das Gespräch zu überlassen. Isabell unterlag dieser Anforderung mehrfach und mischte sich munter in das Gespräch ein, was zuletzt dazu führte, dass der Adminstrator Lady Ravenna ein Gespräch unter vier Augen am nächsten Tag anbot.

ravenna_011

In dieser Nacht schlief Amira schlecht. In ihren Träumen sah sie sich selbst an der Kette von Lurius con Jad, dem fetten Widerling und sie sah, wie die turmischen Mauern Stein um Stein abgetragen wurde wie einst die Mauern von Ar. Cato indes, sah sie sterbend im Bett liegen, vom Biss einer giftigen Ost, die man in seinen Unterlagen versteckt hatte.

Als sie sich am Morgen vom Laken erhob, war sie schweißgebadet.

Advertisements
Comments
13 Responses to “Die cosische Ost – Stahl auf Stahl, Hass auf Hass”
  1. Mithrandriel sagt:

    Wieder ein fantastischer „nealitischer“ Post, der die Stimmung des RP-Abends, von dem er handelt, bis ins Detail, bis in jede Emotion wiedergibt!

    Aus der Ferne ihrer Gefangenschaft, geplagt von Sorge, Sehnsucht und Angst, und doch ganz nah verfolgt Lady Mithrandriel die weiteren Schritt der cosischen Ost, die sich durch die Straßen und Gassen Turmus‘, duch die Gänge und Zimmer des Palastes und letztlich in so manches Ohr und korrumpierbare Herz schlängeln wird… zzzzzhh 😉

  2. Luc (Zelmo) sagt:

    Haha! Wie gut, dass nicht zufällig irgendwelche aus Cos stammenden Leute aus dem Süden anwesend waren… 😉

  3. Luc (Zelmo) sagt:

    Relevant wäre der Grund gewesen, aus dem er dort mal weg musste und aus dem seine Beziehung zur Insel speziell ist, aber… *winkt ab*

  4. Luc (Zelmo) sagt:

    Immerhin bestätigt das Verhalten der Gesandten etwas, das einem auf Cos in die Wiege gelegt wird – egal ob in Telnus, Jad, Temos oder Selnar: Das andere einen für überheblich und eingebildet halten *streicht sich durchs Haar*. Lurius aus Jad haust übrigens als Ubar in Telnus, woher Luc stammt und diese ärgerliche Geschichte mit dessen Cousine und deren Gefährten sowie einem Krieg zweier mächtiger Handelshäuser seinen Ausgang nahm, aber *winkt wieder ab*… Die Fischer von Cos sagen: Heute weht der Wind von hüben, morgen von drüben, und was interessiert die Thassa ob ein Tropfen Wasser in sie fällt.

  5. Luc (Zelmo) sagt:

    Gewiss wird in Bälde der künftige Legatus und Militärattaché im diplomatischen Korps der Städte und Oasen der Fayeenregion zu Gesprächen darüber eintreffen, wie sich diese und jene Dinge im einvernehmlichen und wechselseitigem Geben und Nehmen zum Vorteil aller Beteiligten darstellen könnten. 🙂

  6. Luc (Zelmo) sagt:

    Luc tanzt nicht. Inoffzielles beredet man sowieso nicht offiziell.

  7. Luc (Zelmo) sagt:

    Ach, diese Sache. Nee, die meine ich gar nicht. Die ist ja privat und – klärt sich 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: