Augen wie ein Vosk Hai

Isabell platzte mitten in das Kennenlerngespräch zwischen Cato und Lady Florcence. Aber tatsächlich waren auch für Amira die Neuigkeiten derart aufwühlend, dass ein Warten unmöglich gewesen wäre. Lady Mithrandriel war offenbar auf der Rückreise von Lyros in die Hände von Piraten gefallen. Bei allem Bedauern über Lady Mithrandriels Schicksal wussten sowohl Cato als auch Amira keinen Rat, wie der vielversprechenden Schriftgelehrten aus Kassau geholfen werden konnte. Die Piraten der Thassa waren vielzählig und die Küstenlinie lang, die Sklavenmärkte entsprechend häufig und weit verstreut.

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Nein, so folgerte Cato, Lady Mithrandriel blieb nur die eine Chance, nämlich die Gesetzlosen von ihrem Wert zu überzeugen, so dass diese eine Lösegeldforderung an Turmus stellten. Gelang ihr dies nicht, würde sie wohl oder übel in einem Kragen enden und vermutlich würden sie sie nie wieder sehen. Diese Botschaft führte dazu, dass Isabell vor Kummer fast zusammenbrach. Obwohl Lady Florence erst am Anfang ihrer Ausbildung stand, gab man ihr die schwächelnde Isabell in Obhut.

Der restliche Tag stand im Zeichen der seltsamen Begegnungen. Ein Assassine versetzte Amira in Angst und Schrecken und führte ihr vor Augen welch leichte Beute sie und ihre Familie in einem Palast abgaben, dessen Rückseite von Wachen ungesichert war. Dies war jedoch nicht der Grund seiner Anweisenheit. Zu Amiras Erleicherung trug er kein Zeichen auf der Stirn, aber er hatte davon gehört, dass Amira mehrfach versucht hatte Kontakt zur schwarzen Kaste herzustellen. Da zur Zeit (noch) niemand aus dem Weg zu räumen war, betraute ihn Amira mit einer Überwachungsaufgabe. Nach dem Reinfall mit dem letzten Assassinen war ihr Vertrauen vorerst erschöpft und sie wollte erst sehen, ob er was taugte, bevor sie zu schwierigen Aufträgen überging. Ein Schatten, der über einen Schatten aus ihrer Vergangenheit wachte. Sie schmunzelte und lehnte sich zufrieden zurück.

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Der Assassine sollte nicht die letzte merkwürdige Begegnung des Tages sein. In der Teestube machte Amira Bekanntschaft mit einer Händlerin aus Port Kar, die nach eigenen Angaben in Turmus „im weitesten Sinne“ Handel treiben wollte. Es war nicht unüblich, dass man sich in Port Kar nicht um Kastenfarben scherte, aber das Auftreten der Frau mit den kohleschwarzen Augen, brachte im Handumdrehen Aufruhr unter die Bürger und Bewohner. Obwohl sie wenig sagte, sprach aus all ihren Worten und Blicken Verachtung für Turmus und seine Bewohner und obwohl Amira versuchte sich in Gelassenheit zu üben, beschlich sie das Gefühl einer nicht ganz fassbaren Bedrohung. Selbst Cato zeigte sich wütend über das Benehmen der Händlerin und drohte ihr mit Konsequenzen, wenn diese ihre Worte nicht mit mehr Bedacht wähle.

Amira beobachtet das Geschehen zunächst zurückhaltend. Ihr Instinkt sagte ihr, dass etwas nicht stimmte. Aber sie sagte sich auch, dass ein einzelnes Weib letztlich im Kragen enden würde, wenn sie sich allzu ungehörig aufführte. Dennoch, in ihrem Nacken stellten sich die Härchen auf, sooft sie der Frau in die Augen zu sehen versuchte. Schwarz und starr wie die eines Vosk Hais waren diese Augen.

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