Gold für eine Kajira

Amira machte sich auf den Weg an den Hafen. In einer Ahn würde Dana über den Block gehen und der Stadtkasse und damit auch Del-ka ein schönes Sümmchen einbringen. Sie hatte nicht vor mitzubieten, aber sie war  neugierig, wieviel das für zehn Kupfer eingekaufte einfache Mädchen nach zwei Wochen in Turmus und vor allem unter Berücksichtigung eines scheinbaren Mangels am Markt bringen würde. Bereits am Vortag hatten sich zahlreiche Heimsteinfremde in den Herbergszimmern eingemietet, die aus allen Nähten platzen. Daraus schloss Amira, dass es voll werden würde und wenn es voll wurde, musste man sich frühzeitig einen guten Platz sichern.

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Unterwegs am Brunnen traf sie Isabell und Talia, wobei sich erstere noch kurz in Haus zurückzog. Skvisa, die Kajira Bond, die Beowulf, der Altjarl der Hammaren, in seiner Altersvergesslichkeit offenbar zurückgelassen hatte, winkte sie mit sich zur Bedienung in Gwendas Teestube. Lady Jean war zurück von einer Fortbildungsreise und erkundigte sich vor der Stadtheilerei eben noch nach dem Beginn der Auktion und an wen sie sich wenden müsse um Informationen über das Blockmädchen zu bekommen.  Amira verwies die Heilerin auf Lady Tara und schmunzelte als sie Talias Magen neben sich grummeln hörte. Zügig setzten sie sich in Gang, so dass sie noch eine Kleinigkeit essen konnten, bevor sie sich ins Gedränge im Auktionshaus stürzten. Nebenbei erfuhr Amira, dass Talias Gefährte sich angesicht der unsicheren Reiselage dazu entschieden hatte, zunächst allein weiter zu seinem Heimstein zu reisen und Talia in Turmus lassen wollte, wo sie in Sicherheit war.

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Die Versteigerung übertraf alle Erwartungen. Insbesondere die turmischen Bürger warfen sich erstaunte Blicke zu angesichts des unkontrollierten Bietfiebers, in das einige anwesende Heimsteinfremde gerieten. Insbesondere zwei Nordmänner und ein Händler aus der Ferne taten sich hervor, so dass Amira nicht anders konnte als sich über den „Geschäftssinn“ der Bietenden lustig zu machen. Sie sah die Münzen bereits fröhlich klimpern, aber als die Kajira noch bekleidet war und die Gebote bei zwei Silber angekommen waren, schüttelte sie fassungslos den Kopf und ihre Augen begannen zu glänzen. Lady Tara verstand sich auf ihr Geschäft Ware zu präsentieren und einen Spannungsbogen zu erzeugen. Offenbar setzte sie mit ihren wohlgesetzten, anpreisenen Worten jedem Mann in der Auktionshalle das Wasser in den Mund. Lediglich die turmischen Männer – wie Amira zufrieden feststellte – ruhten in sich selbst und waren längst ausgestiegen. Dana sah nicht übel aus, konnte lesen und schreiben und war gefällig. Wie viele andere Mädchen auch.

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Eine halbe Ahn dauerte die Versteigerung an und am Ende bekam einer der Nordmänner den Zuschlag für einen Goldtarn! Amira nickte Lady Tara anerkennend zu und verließ die Auktionshalle dann. Das war wahrlich keine schlechte Gewinnspanne. Für zehn Kupfer hatte sie das Mädchen eingekauft und der Auktionserlös ging zur Hälfte an Turmus, die andere Hälfte an ihren ehemaligen Besitzer. Falls der nochmal auftauchen sollte.

Vor der Halle wartete überraschend Besuch aus Belnend auf Cato. Bo und Lady Nici warteten mit einigen Kajirae als Gastgeschenke. Da Amira der jungen Heilerin in Ausbildung, Lady Florence, noch ein Gespräch zugesagt hatte, ließ sie Cato mit dem hohen Besuch zunächst allein Richtung Palast ziehen. Sie nahm Florence mit in die Hafenmeisterei, wo man um diese Zeit ungestört war, denn der jungen Frau standen bereits jetzt die Tränen in den Augen. Es musst etwas geschehen sein. Amira nahm vom geheimen Pagavorrat aus dem Pult und schenkte Florence einen kleinen Becher voll davon ein.

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Florences Tante hatte sich gemeldet und Florence angewiesen in Turmus zu bleiben, denn das Dorf war offenbar abgebrannt und dem Erdboden gleich gemacht worden. Sie selbst befand sich auf Reisen und sah sich nicht in der Lage sich weiterhin um ihre Nichte oder deren Ausbildung zu kümmern. So blieb ihr nur die Inobhutnahme durch und die Ausbildung bei Lady Nienna. Für ersteres musste aber Sir Turin, Niennas Gefährte zustimmen. Amira wusste noch eine andere Lösung. Würde sich kein Vormund finden lassen, fiel diese Aufgabe automatisch dem Administrator zu. In jedem Falle, so beruhigte sie Florence, würde man dafür sorgen, dass sie ihr Studium würde beenden und ihren Lebensunterhalt bestreiten konnte. Auch eine kleine Wohnung wurde rasch gefunden. Gleich über der Hafenmeisterei, bestehend eigentlich nur aus einem winzigen Zimmer und einer Küche im Treppenhaus. Aber der Ausblick vom Balkon über den Hafen zauberte der jungen Frau ein Lächeln ins Gesicht und als Amira ihr den Schlüssel überreichte, sprach sie ihr nochmal Mut zu.

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Dann eilte Amira Richtung Palast. Sie war nicht nur neugierig darauf, welches Anliegen die Belnender nach Turmus geführt hatte, nein vor allem wusste sie, dass Cato auf eine Erklärung wartete. Man hatte ihm zugetragen, dass man Amira im Gespräch mit einer verdächtigen Person zwischen den Tempelsäulen beobachtet hatte. Aeneas! Noch war Amira unschlüssig, was sie Cato erzählen sollte. Die Wahrheit? Noch hatte sie ja nicht herausgefunden, warum Aeneas unter dem Namen Treiian nach Turmus gekommen und sich als Kapitän aus Port Kar ausgegeben hatte.

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Comments
4 Responses to “Gold für eine Kajira”
  1. Gerd sagt:

    Wie immer eine super Geschichte und die Versteigerung schön beshrieben.

    Trotzdem hat die ganze Aktion ein wenig Wehmut bei mir hervorgerufen, da wir dadurch eine Spielerin verloren haben. Auch wenn die Spielerin das so wollte, stimmt es mich ein wenig traurig.

    Gruß

    Gerd

  2. Luc (Zelmo) sagt:

    Oh, verlass dich drauf, dass der ehemalige Herr zum Abkassieren kommt – er hat sich gerade vor drei Tagen erst bei Cato über den Auktionstermin kundig gemacht und campiert mit seiner Erlaubnis vor der Stadtmauer. Hörte ich jedenfalls so. *hüstelt*

    Ach und nicht traurig sein, Gerd. Vor Turmus hat jemand anders eine Spielerin verloren, und davor wiederum jemand anders und davor auch 😉

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  1. […] versuchte schnell die Dinge mit Flo zu klären, erklang seine Stimme erneut. Er wolle zur Sklavenauktion gehen und würde mich dort umgehend erwarten. Seine Stimme lies keinen Widerspruch zu. Angst […]



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