Die weiße Robe

Die Sache mit dem entblößten Unterschenkel sollte noch Folgen nach sich ziehen, mit denen Amira im Traum nicht gerechnet hatte. Zurück im Palast hatte sie Greta den Schlitz im Rock sicherheitshalber schließen lassen, denn die Robe war teuer gewesen. Es handelte sich um feinstes weißes Tuch mit silbrig schimmernden Fäden in den bestickten Borten und der Schneider hatte es ihr als den neuesten Chic aus Ar angepriesen. So hatte sie zwar zuerst gezögert etwas zu tragen, an dem ihre Kastenfarben nicht erkennbar waren, war dann aber an ihrem weiblichen Sinn für alle Schöne gescheitert und der Versuchung unterlegen.

Natürlich würde sie es nicht wagen, diese Robe in der Akademie zu tragen, aber für ein Flanieren über die Palaststraßen bis hinunter zum Hafen würde schon niemand daran Anstoß nehmen – so hoffte sie heute. Leider hatte sie nicht mit Cato gerechnet, den sie am Hafen trat, und dem schon beim bloßen Anblick des weißen Tuchs am Leib seiner Gefährtin offenbar das Blut überkochte. Kaum hatten sie das Gespräch mit dem Krieger beendet, der möglicherweise in der Brigade anheuern sollte, der aber noch oder nicht mehr das Rot der Kaste trug, da packte er sie unsanft am Arm und zog sie in die Auktionshalle, die das nächste zu erreichende Gebäude am Hafen darstellte.

„Was trägst du da? Willst du in die Kaste der Händler eintreten oder soll ich dir einen Händler besorgen, der sich deiner erbarmt, Amira?“  Wut sprang aus einen Augen und seine Stimme klang schneidend wie ein vom Schmied Tekko frisch geschliffener Dolch. Sofort stellten sich Amiras Nackenhaare auf und sie wusste, dass es besser war, jetzt nicht auf Konfrontationskurs zu gehen. Barsch wies Cato sie an in den Palast zurückzugehen und auf ihn zu warten.

Das klang nach Strafe. Amira dachte an ihre letzte Strafe zurück. Die war viele Märkte her und hatte ihr eine zweiwöchigen Strafkragen beschert, den Verzicht auf allen Schmuck und Prachtroben und Nächte voller Kälte auf dem harten Holzboden. Diese würden ohne Zweifel noch beschwerlicher werden, denn der Palast hatte überall Steinboden. Das alles wegen der Farbe ihrer Robe? Die Tränen traten ihr in die Augen, während sie ihre Schritte zurück zum Palast trugen. In panischer Eile lief sie die Stufen hinauf bis ins Schlafgemach und zerrte sich die Errungenschaft vom Leib, auf die sie so stolz gewesen war, um sich eine blaue Robe überzustreifen. Sie war noch im Unterkleid, als Cato die Tür aufriss und zornfunkelnd im Durchgang stand.

„Wo ist der Fetzen?“

Amira seufzte und öffnete eine Schublade in einem ihrer drei Kleiderschränke und reichte ihm das feine Tuch auf ihren ausgestreckten Armen. Er nahm es und trug es zum Kamin.

„Zieh dich aus und erwarte deine Strafe.“

„Du willst mich schlagen wegen einer Robe?“, fragte sie entsetzt. Wie mechanisch begann sie sich wieder zu entkleiden und stand dann unschlüssig im Raum, während die Flammen zunächst am sorgsam und raffiniert geschneiderten Tuch leckten und es schließlich zu verzehren begannen. Verloren, das gute Stück!

Er packte sie und zog sie sich über die Knie, auf dem Bettrand sitzend. Eine Weile hatte er in den Schubladen suchen müssen, denn er hatte die Kurt seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr in die Hand genommen. Sie hielt den Atem an und klammerte sich ängstlich am Bettpfosten fest. Ihr Kopf hing nach unten und ihr Hintern war ihm hilflos ausgeliefert.

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„Nach dieser Erinnerung wirst du deine Kaste wieder zu ehren wissen, Amira con Turmus.“ Er hatte es kaum ausgesprochen, als der breite Lederriemen, der den Griff der Kurt darstellte, auch schon zum ersten Streich auf ihr Fleisch traf. Es sollten viele weitere folgen, bis ihr Hinterteil flächig gerötet und durchzogen von den breiten Striemen war, die ein Ledergurt zu veursachen im Stande ist. Nach dem ihr eigener kleiner Zorn und ihr Trotz der Flut der Tränen gewichen war, spürte Amira eine gewisse Erleichterung und ein Gefühl von Reinheit trat ein.

Katharsis, so hatte ihr Großvater gesagt, nannte das einige Gelehrte, die sich mit der Sprache der Barbaren beschäftigt hatten. Als Cato sich ihrer danach so bediente, als sei sie eine Kajira, durchströmte die Erregung sie heiß wie ein Lavastrom, der sich von ihrem glühenden Hintern ausbreitete bis in ihren Bauch und schließlich ihren ganzen Leib entflammte bis im Kopf keine Gedanken und keine Torheiten mehr übrig waren.

Anschließend stand er auf und ließ sie liegen,  erschöpft und vor Auflösung zitternd. Er wusch sich und warf ihr das nasse Tuch an den Leib.

„Es ist nun wieder gut. Wasch dich und kleide dich angemessen. Wir gehen in die Stadt.“

Ein spöttischer und zufriedener Blick lag in seinen Augen, als sie seinem Befehl Folge leistete. Gereinigt und in einer blauen Robe, die ihm zusagte, begleitete sie ihn an den Hafen. Er wollte sich nach bei Ruan nach der Gefahr erkundigen, die möglicherweise von den neu gesichteten Piraten auf dem Vosk ausging und schickte Amira derweil in die Teestube, wo sie es vermied, ihren glühenden Hintern über Gebühr zu belasten. Voskpiraten. Immer hatte es welche gegeben, dachte Amira bei sich. Was sollte an diesen schon anders sein? Turmus‘ Flussflotte würde sie besiegen und man würde ihre Köpfe auf Pfähle aufspießen wie man es immer getan hatte, damit sie von der Hafenmauer einen letzen langen Ausblick auf den Vosk genießen und anderen Gesetzlosen als Abschreckung dienen konnten.

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Der Abend in der Teestube sollte noch eine Überraschung bereit halten. Lady Talia traf ein – was nicht ungewöhnlich war – sollte sie doch möglicherweise einen Lehrstuhl in der Akademie bekommen nachdem Amira sie ausreichend geprüft und ihre Kenntnisse des Verwaltungswissens als genügend beurteilt hatte. Aber diesmal kam sie nicht allein um sich fortzubilden, sondern sie war in Begleitung ihres Gefährten. Amira spürte, dass etwas anders war als sonst. Die beiden waren unterwegs auf Reisen in Richtung des Heimsteins des Mannes, den Talia zum Gefährten genommen hatte, obwohl er als Schmied weit unter Stand war. Eine innere Stimme riet ihr dazu, auf diesem Thema nun nicht herumzureiten. Daher führte sie die beiden mit ausgesuchter Höflichkeit in eines der Gästequartiere im Zylinder der Schriftgelehrten. Morgen würde noch Zeit sein zu reden. Beide wirkten erschöpft, obwohl die Reise von Jort’s Fähre nach Turmus nicht weit war und selten beschwerlich.

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