„Der dümmste Bauer…

…erntet die dicksten Suls!“, scherzte Isabell.

Der Schwachsinnige hampelte um die Gruppe freier Frauen herum, unter ihnen auch Lady Tara. Einige Mädchen hatten sich eingefunden und kicherten zum einen über den Mann und zum anderen über das Entsetzen der freien Frauen angesichts des nach Boskdung stinkenden und verwahrlos wirkenden Mannes. Als er mit den Armen wedelnd auf Amira und Isabell zustürmte , wich sie entsetzt Richtung Mauer zurück, während er seine schmutzigen Finger an Isabell legte, die daraufhin vor Schreck kurz in Ohnmacht versank. Amira riss die Augen auf und überlegte fieberhaft was zu tun sei. Der Mann war offenbar nicht Herr seiner Sinne und Taten, aber er war groß und kräftig und es war keine Wache in der Nähe. Als sie die Finger an Isabells Schleier greifen sah, schrie sie entsetzt auf.

„Finger weg, Sir. Als Prätor weise ich euch darauf hin, dass die Entfernung des Schleiers gegen den Willen einer freien Frau einen Bruch unserer Gesetze bedeutet!“

Sie war bemüht Standhaftigkeit in ihre Stimme zu legen, aber ihr war durchaus klar, dass sie ohne Wachen kaum Handhabe hatte. Bevor der Mann verhaftet war, konnte er Isabell samt Schleier packen und wegtragen und Amira würde daneben stehen wie ein hilfloses Kind. Prätor hin oder her. Schließlich ließ der Mann sich von Farah und Dana, den beiden Kajirae Richtung Badehaus ziehen, wo sie zumindest Abhilfe schaffen konnte, was die Geruchsbelästigung anging. Bis dahin würde sich vielleicht auch eine Wache einfinden, die den Schwachsinnigen festsetzen konnte bevor er sich selbst oder anderen noch mehr Schaden zufügte.

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Der Tross freier Frauen begab sich in Gwendas Back – und Teestube wo es erst einmal galt die Nerven zu beruhigen. Unterwegs sammelte Amira noch eines der metallenen Klümpchen ein, mit denen der Mann um sich geworfen und gespielt hatte. Den Frauen hatte sie zunächst kein Wort glauben wollen als sie sagten der Mann habe Goldnuggets dabei. Aber dies war ohne Zweifel….Gold?! Ein Bauer dummer Bauer mochte dicke Suls ernten, aber Goldnuggets wuchsen nach Amiras spärlichen landwirtschaftlichen Kenntnissen keinesfalls auf dem Feld oder an Bäumen.

Während die Frauen noch am Tee nippten, kamen die Kajirae zurück um zu berichten. Der Mann war nun unter Kontrolle. Seine Gefährtin war aufgetaucht und kümmerte sich um ihn. Gefährtin?! Amira schüttelte sprachlos den Kopf. Ihrer Ansicht nach wäre es besser gewesen dem armseligen Leben einer solchen Kreatur möglichst schnell ein Ende zu setzen, aber sie war gespannt darauf, wie die Frau die Goldnuggets erklären würde, die sich im Besitz des Schwachsinnigen befanden.

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Bald darauf tauchten die beiden auf, die Frau recht zerknirscht und vollumfänglich bereit das Ordnungsgeld zu zahlen, das Amira ihrem nicht zurechnungsfähigen Gefährten auferlegte. Nach eigenen Angaben kamen die beiden aus Rarn, wo sie einen kleinen Hof bewirteten. Dort gäbe es eine alte Mine, in der sie jedoch nicht mehr schürften, weil sie voller Sleens war und überdies das Gold ihnen nur Unglück gebracht habe, erklärte die Frau. Amira versuchte herauszufinden, wo genau sich diese Mine befand, aber die Frau war nicht so dumm wie ihr Gefährte. Im Gegenteil, nach eigenen Angaben war sie mal Schriftgelehrte gewesen, bis dieser Schwachsinnige ihr das Leben gerettet hatte. Darum fühlte sich sich zunächst in seiner Schuld und  hatte ihn später lieb gewonnen. Amira erschauerte. Mit einem Schwachsinnigen auf einem Bauernhof leben war so ziemlich das letzte, dass sie sich für eine Frau wünschte.

Nachdem der Bauer auch in der Teestube wieder ungebührliches Benehmen zeigte, brach Amira in den Palast auf. Sie hatte Cato an diesem Tag noch nicht sprechen können um ihm dafür zu danken, dass er Amal nicht verkauft hatte. Sie fand ihn aber nicht im Palast, sondern oben in der Bibliothek, wo er versuchte ein wenig Ordnung in einige Schriftrollen zu bringen. Amira näherte sich ihm zaghaft, den sie wusste, dass er meist hier oben war, wenn er seine Ruhe suchte. Schließlich zog sie seinen Kopf an sich und bot ihm eine Massage im Badehaus des Palastgartens an, zu der er sich schneller überreden ließ, als sie zu hoffen gewagt hatte. Unterwegs wies er sie nochmal darauf hin, dass er den Sklaven keinesfalls in der Nähe seiner Töchter sehen wolle, was sie guten Gewissens zusagte. Die Mädchen würden bald in die Benimmschule bei einer anderen Schriftgelehrten gehen. Sie hatte an Lady Mithrandriel gedacht dabei. Und Amal konnte sie im Sklavenhaus unterbringen, so dass er nicht im Palast herumhing.

Als sie das warme Öl über Catos Schultern goss und ihre Finger dann damit begannen seine Muskulatur zu lockern, hellte sich seine Stimmung etwas auf. Amira hatte keine Ahnung warum er so angespannt war, aber sie gab ihr Bestes das zu ändern. Nichts war hier draußen zu hören. Das leise Plätschern des Wassers. Hin und wieder der Schrei eines Vogels. Das Rauschen des Windes in den Ästen der Bäume. Der Palast lag direkt an der hinteren Stadtmauer. Dahinter nichts als die bewaldeten Hügel des Umlandes von Turmus. Und hinter den Wäldern die ersten Ausläufer des Deltas. Für eine Ahn gelang es Amira an nichts weiter zu denken als Cato Vergnügen zu bereiten. Ob es ihr gelang die rabenflügelschwarzen Gedanken aus seinem Kopf zu vertreiben, vermochte sie nicht zu sagen. Hatte es schlechte Botschaften gegeben?

Als sie in die Stadt aufbrachen um sich den Bürgern zu zeigen, war er wieder der der souveräne Administrator, den sie alle kannten. Amira trug heute ausnahmsweise keine Robe in ihren Kastenfarben sondern eine neue Kreation der Schneiderin in weiß mit silberfarbenen Ornamenten und einer edlen Schärpe. Allerdings hatte sie nicht bedacht, dass die Robe je nach Bewegung ein Stück ihres Beines zeigte. Erst als Cato sie anstarrte und sie die Wut in seinen Augen lesen konnte, begriff sie. Verlegen stand sie nun still und leicht starr inmitten der Menge und hielt den Atem an, bis Cato sie schließlich zum Palast zurückführte.

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