Alarm in Turmus und die Übernahme der Stadtkette

Amira musste nicht lange warten, bis sie Lady Tara kennenlernen durfte. Auf dem Weg über das Forum lief sei einer blau-gelb gekleideten, gut verschleierten Frau fast in die Arme, die sich offenbar auf dem Weg zum Palast oder zu einem der Zylinder befand. Wie sich recht schnell herausstellte, war es die junge Sklavenhändlerin, die just auf dem Weg war sich der Gefährtin des Administrators vorzustellen und um mit ihr ein Aufgabengebiet abzusprechen.

slaver_001

Rajaa, Kajira von Do-bar, fuhr etwas vorsichtiger mit dem Kehren der Treppenstufen zur Unterstadt fort, um Staubaufwirbelungen zu Ungunsten der Roben der Herrinnen tunlichst zu vermeiden. Die ersten Worte und Blick von Lady Tara führten Amira recht bald zur Überzeugung, dass die Priesterkönige den Schritt einer penibel genauen und sehr klugen jungen Frau nach Turmus gelenkt hatten. Eine Aufgabe war dann auch recht schnell gefunden, denn Amira versuchte bereits seit längerem die Verwaltung der Stadtkette zurück in versierte Hände zu geben. Ihre kleine Zucht hatte sie nach einigen Versuchen aus Zeitmangel wieder aufgegeben und so verband sie nicht mehr viel mit der Slavery – vom Führen des Registers mal abgesehen.

Eine Hand voll Mädchen befanden sich daher mehr oder weniger in Verwahrlosung, zumindest war ein Mangel an Erziehung und Führung zu beklagen. Sie dienten allen Freien in der Stadt und solange Amira keine Beschwerden hörte, schritt sie nicht zur Tat. Dazu war ihre Zeit zu kostbar. Freudig machte sie sich mit Lady Tara auf in die Unterstadt um ihr die Slavery zu zeigen und ihr einen aktuellen Auszug des Sklavenregisters zu überreichen. Auf dem Weg zur Slavery lasen sie ein verwahrlostes und verdrecktes Mädchen auf, das am Brunnen kauerte und auf einem Stück rohen Fisch herumkaute. Offensichtlich ausgehungert wie sie war, lag der Verdacht nah, dass sie herrenlos herumstreunte. Tara nahm sie gleich an die Ketten, nachdem die Inschrift am Kragen entziffert war. Sollte ihr Herr nicht auftauchen, würde sie nach einer Hand in den Besitz von Turmus übergehen. Lady Isabell schien ebenfalls neugierig auf das Innere der Slavery zu sein, so dass sie schließlich zu dritt die Stufen zum Hafenviertel hinunter nahmen. Die eingesammelte Kajira lief auf Wunsch vor ihnen, festgezurrt an einem Seil, das sicher in Taras Händen lag.

Die Slavery war in dem weitläufigen Gebäude untergebracht, das in Catos und Amiras Anfangszeiten in Turmus als Hafenmeisterei gedient hatte. Für die Sklavenaufbewahrung, Erziehung und Zucht war es leicht umgebaut worden und enthielt nun eine Art Empfangsraum, in dem sich auch die Küche befand sowie eine Ecke neben dem Herd, auf die jeweils die Kettenerste einen Anspruch hatte;  zum zweiten einen Kennel- und Schlafraum, zum dritten einen Aufzuchtraum und dann noch einen Trainingsraum sowie den im Moment leerstehenden großzügigen Privatraum eines möglichen Sklavenhändleres. Für Lady Tara kam es als Frau natürlich nicht in Betracht allein hier unten bei den Sklaven zu leben. Sie hatte eine sehr schöne Wohnung mit Terrasse und Blick auf den Tempel bezogen. Nahe des Palastviertels im sicheren Inneren von Turmus.

alarm_001

Leider wurden sie bei der Besichtigung des Schlaf – und Kennelraums von den läutenden Alarmglocken überrascht und das Gespräch verstummte abrupt. Ein Sumpftharlarion hatte sich in Hafennähe verirrt, entnahmen sie den Rufen der Krieger und verriegelten sicherheitshalber von innen die Tür. Sonderlich wohl fühlte sich niemand, eingepfercht in dem fensterlosen Raum. Besonders die beiden anwesenden Kajirae zogen sich zitternd in die Ecken zurück, als die Ladies anregten, man könne so ein hungriges Tharlarion sicher mit einer wertlosen Sklavin zufriedenstellen. Als sie den schuppigen Schwanz des Ungeheuers an der Hauswand entlang schaben hörten und das Tier kurz drauf einen Schrei ausstieß, der einem das Blut in den Adern gefrieren ließ, wich auch Amira von der Tür weg Richtung Wand. Tekko, der Schmied, der sich mit den Ladies im Raum aufhielt, bedauerte es aufrichtig seine Waffen in der Schmiede liegen gelassen zu haben.

alarm_004

Eine halbe Ahn verging bis das Biest sich zurück in den Sumpf verzogen oder getötet worden war, so genau vermochte Amira das nicht in Erfahrung zu bringen. Die Führung konnte fortgesetzt werden und zum Abschluss erhielt die Sklavenhändlerin eine aktuelle Version des turmischen Sklavenregisters.

Amira atmete auf und machte sich auf den Rückweg zum Palast. Kaum hatte sie auf dem Diwan platzgenommen wurde bereits der nächste Besuch gemeldet. Sir Do-bar wünschte Cato zu sprechen und deutete an, dass er auf seinem Erkundungsflug eine Entdeckung gemacht habe, die er melden musste. Wie Amira dem Gespräch zwischen Do-bar und Cato entnehmen konnte, war nah der Sümpfe eine Gruppe verdächtiger Subjekte ausgemacht worden, die sich im Kampf mit einer der stattlichen Felsenspinnen befunden hatten.

do-bar_001

Panter und der Enkel von Narn..

(mein Dank an Do-bar für den Schnappschuss)

Dahin die Hoffnung auf eine ruhige Ahn mit ihrem Gefährten. Amira blieb im Palast zurück und mit ihren Gedanken allein. Irgendwo da draußen waren ihre Söhne auf dem Weg ins Sardargebirge. Zum ersten Mal auf sich gestellt.

belnend_007

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: