Die ungezähmte Ubara der Lüfte

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Das Zentralfeuer wärmte die Mauern von Turmus bereits mit mehr Kraft als noch vor wenigen Hand. Schon jetzt suchten die Bewohner und Bürger in den Mittagsstunden gern schattige Plätze auf oder zogen sich in ihre Häuser zurück. Es versprach ein Jahr der Wärme zu werden, das die Früchte prall und reif werden und die Kornähren kräftig und voll werden lassen würde. Als Amira durch das Palasttor nach draußen trat, lag das Forum verlassen vor ihn. Wie mechanisch öffneten die Torwachen ihr den Weg und zogen die Lanzen, die sonst unbefugte oder allzu neugierige Eindringlinge fern hielten zur Seite, so dass sie zwischen den beiden Kriegern hindurch auf den säulengeschmückten Platz unter dem Triumphbogen treten konnte.

Die Kajira der Händlerin Brianna, Rose gerufen, gesellte sich nach wenige Ehn zu ihr, nachdem sie die Stufen empor gehuscht war. Die Straßen lagen noch verlassen in der Hitze des Mittags und kein Windhauch ging. Still und starr stand das Grün der Bäume, die die Böschung zur Oberstadt hin vor Erdabtragung schützen sollten und die Grashalme verharrten bewegungslos wie Rarii beim Appell. Das Schlagen von Schwingen und der große schwarze Schatten, der über den gepflasterten Platz mit dem Brunnen und dem Denkmal zu Ehren der gefallenen Rarii im Nordfeldzug zog, waren weiter nicht ungewöhnlich, befand sich doch auf dem Dach des Zylinders der roten Kaste der Tarnlandeplatz. Als Amira jedoch den Blick hob, zeigte sie nach oben und sagte überrascht: „Schau doch, Kajira. Ist das ein wilder Tarn?“

Tatsächlich landete der wilde Tarn direkt neben einem aus Turmus‘ Tarnstaffel auf der Stange, womöglich in Leidenschaft entbrannt. Amira und Rose schmunzelten, fasziniert von dem Schauspiel und noch völlig ahnungslos von dem Chaos, das in wenigen Ihn ausbrechen sollte. Im Anflug auf den Turm befand sich ein Krieger, namentlich Sir Ruan, der nach einem erneuten Erkundungsflug über das Delta in Vorbereitung auf die angesetzte Bergung des havarierten Schiffes, dort landen wollte. Ein ohrenbetäubens Kreischen des wilden Tarns kündete von beginnendem Unfrieden. Schließlich stieß die Ungezähmte hinauf in die Luft und lieferte sich mit dem überraschten Ruan und dessen Tarn einen wilden Tanz der Wut.

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Das Spektakel dicht über den Dächern von Turmus lockte nicht nur eine Menge Schaulustige herbei, sondern vor allem die anderen Tarnkrieger, voran Sir Do-bar, aus ihren Quartieren um die Ungezähmte aus der Stadt zu jagen und für Ruhe und Sicherheit zu sorgen. Die Ungezähmte jedoch zeigte sich zunächst uneinsichtig und stürzt im wilden Sturzflug hinunter auf die nun versammelte Menschenmasse, die kreischend auseinanderstob und ihr Glück in der Flucht in die umliegenden Gebäude suchte. Auch Amira und Rose hatten die Beine in die Hand genommen und waren geradewegs in die Halle der Krieger gelaufen um Schutz zu suchen vor dem wütenden und verirrten Tier. Die mysteriöse Händlerin mit dem roten Haar, die von Amira vor längerer Zeit den Auftrag erhalten hatte, die entführte Isabell wiederzubeschafffen, war unter den Verletzen. Blut durchdrang das Weiß des Ärmels an ihrer Robe und sie war blass. Sobald die versammelten Krieger, unter ihnen auch bereits die aus Jorts Fähre, Entwarnung gegeben hatten, brachte Amira die Händlerin zur nächstgelegenen Heilerei und überließ sie Jeans Obhut. Was auch immer sie zu bereden hatten, es musste nun warten.

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Die Stadt war in Aufruhr, aber der wilde Tarn hatte offenbar den Rückzug angetreten. Dennoch galt es Bürger zu beruhigen und die Ordnung wieder herzustellen. Eine Gruppe von Kriegern aus Turmus und Jorts Fähre machten sich schließlich wie geplant auf in die Sümpfe um das Schiff zu bergen, unter ihnen Sir Kintradim, der Hauptmann selbst. Für eine Weile ging alles wieder seinen geordneten Lauf, bis schließlich Sir Gerd an der Hafenmeisterei erschien und vom Scheitern der Mission berichtete.

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Die Ubara der Lüfte hatte sich ausgerechnet den Ausguck des Jortschen Schiffes als Nistplatz erwählt und sich nach ihrem Irrflug in die Stadt dorthin zurückgezogen. Nun verteidigte sie ihr Nest mit allen Mitteln, die ihr zur Verfügung standen und ihre Kräfte waren nicht eben gering, so dass Jorts schließlich auf Grund der vielen Verletzten davon Abstand nahm das Schiff zu bergen und heimzubringen. Neben dem wildgewordenen Tarn, der sein Nest verteidigte, kaum noch erschwerend hinzu, dass das Schiff auf Grund lag und allein mit Kriegerhänden ganz sicher nicht bewegt werden konnte.

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Dies alles hörte sich Amira ruhig an und nahm einen Schluck Ka-la-an aus ihrem Kelch. Erst als Ruan direkt vor der Hafenmeisterei mit tiefen Fleischwunden im Rücken, geschlagen von den Klauen des Tarns, zusammenbrach, enstand erneuter Tumult. Das Durcheinander am Hafen ließ es zunächst nicht zu, dass die herbeigerufene Lady Jean den Schwerverletzten angemessen versorgen konnte. Auch ihre Weigerung die näher gelegene Hafenheilerei zu betreten, in der die verreiste Lady Nienna mitterlerweile schaltete und waltete, trug nicht zu einem schnellen Vorgehen bei.  Amira, vor Sorge um Ruan bereits an der Grenze zur Hysterie, folgte schließlich den Männern Richtung Stadtheilerei, als sie ihren bereits bewusstlosen Kameraden dorthin trugen. Auch Sir Do-bar war nicht ohne Verletzungen davon gekommen. Neben ihm auf der Bank ließ sich Amira zum Warten nieder. Er wartete auf Behandlung, sie auf Nachricht über den Zustand von Ruan.

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