Das Salz-Abkommen

Die Gefährtenschaftsfeier von Askyr und Lexx verlief friedlich, auch wenn Amira dezent über den ein oder anderen Gast hinwegsehen musste, der in Turmus offiziell nicht ganz so willkommen war. Aber eine solche Feier soll man nicht durch politisch motivierte Animositäten beeinträchtigen lassen. Im Gegensatz zu der Vergefährung Lexx‘ mit dem Händler aus Lyros seinerzeit war bei dieser Zeremonie durchaus Gefühl zwischen den zu Verbindenden erkennen.

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Nach wie vor war das Verbinden zweier Menschen für Amira eine der angenehmsten und willkommensten Kastentätigkeiten als Schriftgelehrte. Turmus als Stadt der alten Traditionen, der Saal des hohen Gerichts mit den hochen Bogenfenster und seiner erhabenen Schlichtheit, in dem sich in jedem Detail das Wappen von Turmus wiederfand – sei es als Fresko in der Wand oder in den Steinornamenten des Bodens – war für sie zur idealen Kulisse für Gefährtenschaftsschließungen geworden. Zu solchen Feiern wurden die Leuchter entzündet und erhellten den Saal mit dem warmen Licht von Kerzen. Kein Blumenschmuck. Keine Blütenblätter. Die Seele der Gefährtenschaft waren Schlichtheit, Demut und die Bewusstheit darüber, dass sie zum Nutzen der Kaste und des Heimsteins existierte und nicht Opfer persönlicher Eitelkeiten oder Launen werden durfte.

Amira, mittlerweile routiniert und gelassen bei Anlässen dieser Art, solange sie nicht eine gewisse Gästeanzahl überstiegen, hatte zwischendurch noch Zeit den einen oder anderen Blick mit Cato zu tauschen, der auf der ersten Bank im Saal Platz genommen hatte. Die Blicke zwischen Askyr und Lexx erinnerten sie in ihrer Wärme und Zuversicht an ihre eigene Feier in der Oase von Klima. Sie beide würden diesen Moment nie wieder vergessen, als die Priesterkönige ihre Wege nach langen Irrungen und Wirrungen doch noch zusammenführten. Amira hatte ihr Möglichstes gegeben ihrem Gefährten und ihrer Kaste viele Kinder zu schenken. Laertes sowie die beiden Mädchen Dionyza und Helena standen immer noch am Anfang ihrer Ausbildung. So viel mehr als lesen und schreiben hatten sie zu lernen. Das Lesen und Schreiben war – wenngleich nicht jedem gegeben – lediglich der Grundstein für den weiteren Zugewinn an Wissen und Weisheit. Drei Kinder für ihre gemeinsame Kaste und bei der letzten Geburt hatten die Priesterkönige wohl entschieden, dass damit Amiras Mutterpflicht genüge getan war. Der kleine Scipio – was aus ihm werden würde, würde sich erst noch zeigen mit der Entwicklung seiner Talente.

Nachdem Askyr und Lexx den Wein der Liebe geteilt und ihren Vertrag unterzeichnet hatten, setzte Amira ihr Siegel darunter und band das Dokument mit einem blauen Band aus reinster Seide zusammen. Die Schriftrolle würde sie Askyr nach den Feierlichkeiten überreichen, sobald er seinen Rausch ausgeschlafen hatte, der nun vom Paga oder von der Zuneigung zu seiner seiner Gefährtin herstammen mochte.

Amira und Cato saßen noch eine Weile den Festlichkeiten im Teehaus bei, dann war es Zeit sich für den Abend umzukleiden, denn hoher Besuch stand ins Haus. Lady Mithrandriel war es dank ihres diplomatischen Fingerspitzengefühls gelungen, die Insel Lyros als Salzlieferant für Turmus zu gewinnen. Als damals das Handelsembargo gegen Kasra im Raum stand, hatte Turmus die Finger gleich in mehrere Richtungen ausgestreckt um sich vom kasratischen Salz und dem üblichen Handelsweg unabhängig zu machen. Die Bemühungen betrafen sowohl die Oase von Klima, der sie in Freundschaft verbunden waren, wie auch die Insel Lyros. Auch wenn man zwischenzeitlich angenommen hatte, die Beziehungen zu Kasra würden sich wieder festigen, war nach dem Zurückhalten von Lady Isabell in den Stadtmauern Kasras, ein erneuter Keil zwischen die beiden Städte getrieben worden. Umso willkommener war nun der Abschluss des Salzabkommens zwischen den beiden Oberhäuptern von Lyros und Turmus – seine Erhabenheit Sultan Abima con Lyros sowie seine Exzellenz der Administrator, Sir Cato con Turmus. So stand es im Vertrag zu lesen. Auch jener war das Werk von Lady Mithrandriel und entlockte sowohl Amira wie auch Cato großes Lob. Niemals zuvor hatte Amira ein so gut durchdachtes und bis ins Details ausgearbeitetes Handelsabkommen zu Gesicht bekommen.

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Nachdem die Delegation von Lady Mithrandriel am Hafen empfangen und Richtung Forum geführt worden war, wo Cato und Amira sie bereits erwarteten, nahmen alle Beteiligten in der Halle der Krieger Platz, die ausreichend Platz bot für den nun folgenden feierlichen Moment der Unterzeichnung. Neben dem Sultan und seiner Gefährtin waren auch Lady Trillian, Hofschriftgelehrte von Lyros sowie Sir Axonrass, erster Händler von Lyros anwesend. Amira und Lady Trillian fiel die Ehre zu, das Abkommen nach Unterzeichnung beglaubigen zu dürfen. Nachdem die Reden verklungen, die Signaturen gesetzt und das Abkommen besiegelt worden war, ging man zum informellen Teil des Abends über.

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Eine Stadtführung stand auf dem Programm und der Sultan, seines Zeichens studierter Baumeister, zeigte sich höchst angetan vom Gebotenen, was sicher auch daran lag, dass die Unterkünfte für die Delegation im Zylinder der Schriftgelehrten wenig an Komfort vermissen ließen. Amira selbst hatte die Einrichtung der Wohnungen überwacht und gleichermaßen für Behaglichkeit wie auch für stilvolles Ambiente gesorgt. Im Zylinder zu wohnen war nur den höchsten Gästen der Stadt und Schriftgelehrten gestattet, die entweder Rang und Namen hatten oder sich an der Akademie bildeten. Die hohen Bogenfenster, die sich im ganzen Gebäude fanden, ermöglichten einen Ausblick über ganz Turmus bis weit über den Vosk Richtung Tetrapoli und Ven, im Rücken der Zylinder lauerten die ersten Ausläufer des Vosk-Deltas, einer Gegend, in die sich niemand freiwillig verirrte, wenn er an seinem Leben hing.

Turmus prosperierte, obwohl es mit strenger Hand regiert und die Einhaltung der alten Traditionen durchgesetzt wurde. Oder sollte man sagen, gerade deshalb gab Turmus den Bürgern und Bewohnern die nötige Sicherheit. Turmus ruhte zum Trotze aller Verfallserscheinungen in so vielen Städten auf den drei Säulen Gors. Brachte man eine davon ins Wanken, kam alles aus dem Gleichgewicht und das Absinken in Korruption und Selbstsucht drohte. Beispiele dafür gab es genug. Die Werte und Ziele von Del-ka hatten sich als die richtigen erwiesen.

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Comments
3 Responses to “Das Salz-Abkommen”
  1. mithrandriel sagt:

    Zunächst einmal vielen Dank für die (blauen) Blumen, liebe Kastenschwester!
    Den gestrigen Abend empfand ich als harmonisches vor allem jedoch auch in höchstem Maße stimmungsvolles und erhebendes RP-Erlebnis. Und dafür gebührt besonders den Spielern aus Lyros Dank, die den Plot begierig aufgegriffen und engagiert gespielt haben (woran ich allerdings von Beginn an nicht den geringsten Zweifel hatte!). Selbst Axon, der, wie er mir IM schrieb, zu dem Zeitpunkt wegen Schichtdienst bereits 24 Stunden auf den Beinen war, ließ es sich nicht nehmen, an der Unterzeichnungszeremonie teilzunehmen. Das macht Lust auf mehr, und aus den Gesprächen wurde klar, dass nicht nur ich mich auf weitere gegenseitige Besuche freue.

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  1. […] kleinen Tochter dies nachsehen – Freude und Stolz mich hierzu drängen, sei erwähnt, dass das Handelsabkommen mit dem Sultanat Lyros im Rahmen einer feierlichen und der Bedeutung des Anlasses höchst würdigen Zeremonie zum […]

  2. […] Nach hektisch gemurmelten gegenseitigen Entschuldigungen erkannten sie einander schließlich an ihren Stimmen. Es war Lady Trillian aus Lyros. Lyros! […]



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