The fire-eyed maid of smoky war

Lady Elea con Kasra schlief sich noch die Schrecken und die Erschöpfung der Ereignisse von ihrer Seele, als Amira ihre Schritte aus dem Palast Richtung Hafen lenkte. Noch immer lag dichter Neben über dem Vosk, floss wie saure Milch über den Fluss und vom Hafen aus durch die Gassen, und schwappte aus den Gassen in die heimelig beheizten Häuser, in denen die Flammen der Feuerstellen den nasskalten Atem der Natur fernzuhalten suchten. Längst verdichteten sich die zuerst zaghaft geflüsterten Gerüchte vom unheilsbringenden Tod des weißen Tabuk zu einem unheilvollen Brummen, das die Gemüter der Menschen in einen ängstlichen Spannungszustand versetzte und sie dort hielt. Ein jeder begann sich zu fürchten, das der Zorn der Priesterkönige das unheilvolle Schicksal selbst in Richtung seiner Tür lenkte, es anklopfen und über die Schwelle treten ließ um Unglück zu bringen, wo vorher Glück gewesen war.

Selbst die Rufe der frühen Händler auf dem Markt schien der Nebel zu dämpfen oder sie blieben auf halbem Wege in ihrem Halse stecken, da sie fürchteten durch lautes Rufen nicht nur die Aufmerksamkeit williger Käufer, sondern auch die des lauernden Unglücks zu erregen. Alle, die konnten, waren dem Aufruf der Kaste der Eingeweihten gefolgt. Wie Kinder hatten sie an Serenus Lippen gehangen, der mit weihevollem Blick den Tod des weißen Tabuk bedauerte und die Saat der Angst vor dem Zorn der Priesterkönige in die Herzen pflanzte, wo sie Wurzeln schlug und mit ihren Wurzeln die Herzen umklammerte und presste, bis ein jeder seine Opferzahlung geleistet hatte. In den nächsten Tagen sollte die Zeremonie in den Wäldern stattfinden um Turmus mit denen im Sardar auszusöhnen.

hammaren_001

Amira hatte die Hafenmeisterei noch nicht ganz erreicht, als ihr Blick auf einen der Nordmänner und eine Bond fiel. Die stämmigen Beine des Mannes erinnerten entfernt an Baumstämme und sicher war er schwer zu fällen, auch wenn das Gladius eines Rarius scharf war. Man erwartete Kasras Delegation zur Abholung der Infantin noch vor Sonnenuntergang und Amira und Cato gingen davon aus, dass die Nordleute ihrer stetigen Gewohnheit folgten und bis dahin die erbeuteten Tauschgüter in ihre Heimat, tief ins Thorwaldsland schaffen würden. Die frühen Schiffe waren um diese Zeit bereits ausgelaufen und so erfüllte die Anwesenheit der Nordleute Amira mit einer dumpfen Ahnung und ihre Nackenhaare stellten sich auf wie bei einer Giani, die Unheil wittert.

Amal, der Kajirus, der nach Ablauf der Wartefrist in Amiras Besitz übergegangen war, kam seines Weges. Das seidige lange Haar fiel dem Knaben über die Schultern und in all dem Grau verströmte er eine Art Heiterkeit, die so wärmend und beruhigend war wie eine heiße Honigmilch am frühen Morgen oder am späten Abend. Er kam dicht neben Amira zum Knien, so dass ihre Finger durch sein Haar streichen konnten um Halt und Ruhe zu finden, während sie ihr Wort an den Nordmann richtete.

Offenbar hatten die Nordleute sich noch in der Nacht beraten und waren zu dem Urteil gekommen, dass die Entführte aus Kasra von großer Bedeutung sein musste, wenn Turmus willens war einen derartigen Gegenwert an Auslöse aufzubringen. Und ebenso hielten sie es für wahrscheinlich, dass Kasra bald eintreffen und die junge Frau abholen würde. Die eigentliche Frage jedoch, die die Nordleute sich nun stellten, war, wie Turmus und Kasra miteinander verbunden waren. In dieser Frage, so spürte Amira, lag nicht nur Unbedarftheit, sondern auch der leise Anklang einer Drohung, die mit ihrem unheilvollen Zwischenton für Unbehagen sorgte. Der Zwischenton gewann an Lautstärke, als der Nordmann angab, dass Beowulf, offenbar der Anführer des Clans, erst noch entscheiden wolle, ob man abreisen oder hier auf die Kasraten warten wolle. Das Wort „warten“ entfaltete in Amira Kopf einen wahren Bildersturm und eine ohrenbetäubende Klangflut, in der Feuer und das Klirren von Schwertern ebenso tosten wie die Schreie von Verletzten und flüchteten Frauen und Kindern. Warten oder er-warten. Amira wagte es kaum, nachzufragen. Schließlich gab sie dem Nordmann und seiner Bond Amal mit, auf dass er ihnen die Händler am Markt zeigen sollte, die Kräuter und Öle verkauften, denn an beidem zeigten sie Kaufinteresse.

hammaren_004

In den frühen Abendstunden traf die kasratische Delegation ein. Schon früh hatten turmische Tarnreiter die ankommende Tarnstaffel unter kasratischem Wappen angekündigt. Lady Elea hatten man mittlerweile sicher in die Räume der Hafenmeisterei verbracht, so sie auf die Ankunft ihrer Eltern wartete. Aus dem grauen Dunst leuchtete die weiße Robe der Regentin hervor, als Amira aus dem Gebäude trat um die Ankommenden in Empfang zu nehmen. Wie nicht anders zu erwarten gewesen war, wurde ihre leuchtendweiße Präsenz umrahmt vom Blutrot der besten Krieger Kasras, unter denen sich aus ihr Gefährte Catellus, der Vater von Elea, befand.

Während Cato die Delegation in die Hafenmeisterei einlud, ließ Amira ihren Blick umherwandern. Von den Nordleuten war keine Spur wahrzunehmen. Auch über der Taverne schwebte eine ungewöhnliche Stille. Es war als habe der Wald die bärtigen, mit Fellen behangenen Riesen verschluckt und noch nicht wieder hergegeben. Eine zarte Hoffnung regte sich in Amira. Vielleicht lagen sie trunken in den Alkoven, betäubt und nicht zum Kampfe fähig. Oder sie waren bereits weitergezogen, weil besagter Beowulf es so beschlossen hatte.

hammaren_006 hammaren_008

hammaren_007

Während Elea zurück in den Schoß ihrer Familie überging und nach all den feindlichen Klängen nun eine zarte Melodie des Friedens zwischen Kasra und Turmus zu erklingen begann, wanderte Amiras Blick zu den kostbaren Fenstern des Versammlungsraumes. In Erwartung des grauen Nebels hinter den blaugemusterten, bleigefassten Prunkscheiben, verstrichen kostbare Ihn bis Amiras Denken dem, was ihre Augen wahrnahmen, Glauben schenken konnte. Feuer! Flackernde Flammen tanzten über den Hafenbecken, wo zahlreiche Schiffe angetäut lagen. Sie war aufgesprungen, bevor die Worte in ihrem aufgebrachten Tremolo der Angst über ihre Lippen sprangen wie Tabuks, wenn der Wald brennt. Feuer! Es brennt am Hafen!

Ein Trampeln von Schritten, hektisch raschelne Roben und Ausrufe des Entsetzens. Die Flammen leckten an der Nemesis, einem der Kriegsschiffe von Turmus. Rasch bildeten die Hafenbewohner eine Wasserkette um das Schlimmste zu verhindern: Das Übergreifen der gierigen Flammenfinger auf das Holz der anderen Schiffe. Das tosende Knirrschen und Knacken wurde jäh durchbrochen von dem Schrei einer dunklen, gewaltigen Stimme.
„ANGRIFF!“ Wie arglose Tiere waren sie in die Falle gelockt worden und taumelten nun wie panische Verrs am Hafen entlang, während die Nemesis brannte und Pfeile um ihre Köpfe surrten. Amira blieb einen Moment stehen und sammelte ihre Verstand: „Alle Frauen und Kinder in die Festung!“, dann rannte sie auch schon los, eben dorthin, nicht nur um den Schwachen und Verteidigungslosen Unterschlupf zu gewähren, sondern auch um Alarm zu läuten. Die Glocke schallte weit über den Hafen und die Stadt und kündete vom Angriff. Auf dem Arm und an den Händen zerrten Mütter ihre Kinder über die Zugbrücke Richtung Festung, während Amiras Herz so heftig pochte, dass die Brust ihr zur zerspringen drohte. Auch die Regentin Kasras und die Infantin waren unter denen, die den Schutz der Festung rechtzeitig erreichen. Erst als niemand mehr den Weg über den Seitenarm des Vosk heraufstolperte, ließ Amira das Tor schließen.

festung_001

Unter lautem Kettenrasseln senkte sich das Gitter. Hinter ihr das Weinen und Wehklagen der Frauen. Vor ihr der Hafen von Turmus und das Klirren von Schwertern. Cato war da unten. Und sie war hier oben. Wieder einmal hatte das Schicksal sie getrennt und vor Sorge war sie kaum in der Lage zu atmen. Endlos schien den versammelten Frauen die Ahn des Kampfes. Doch schließlich lag Stille über dem Hafen. Kein Klingenklirren war mehr zu hören, kein Kampfesschrei. Und ob sie nun versuchten durch das Tor etwas zu erkennen, der dichte Nebel verband ihnen die Augen, nahm ihnen die ersehnte Sicht. Gerade, als die Frage erörtert wurde, was nun weiter zu tun sei im Falle einer längeren Besetzung des Hafens, kam die Kajira von Sir Brom über die Zugbrücke gerannt und gab Entwarnung.

Die Nordleute hatten gesiegt, allein diese Nachricht ließ Amira das Schlimmste befürchten. Doch der Schrecken wurde gemildert, als die Kajira berichtete, dass es Cato gelungen war alle kasratischen Gefangenen freizuhandeln und die Nordleute zum Abzug hatte bewegen können. Bei den Priesterkönigen! In all dem Chaos hatte ihr Gefährte das Schlimmste noch abwenden können. Langsam bewegte sich der Tross von Frauen und Kindern über die Zugbrücke Richtung Hafen zurück. Frauen sanken ihren verletzten Gefährten in die Arme, Tränen flossen, aber neben all der Erleichterung brannten und schwelten die Überreste der einst stolzen turmischen Flotte. Die Nemesis und die Nykus waren in Teilen bereits zu Asche verbrannt, die in schwarzen Klumpfen auf den Wellen des Vosks trieb und die Spiegelung des Wasser in Schwärze ertränkte. Beißender Brandgestank machte das Atmen zur Qual.

festung_001 festung_002

festung_006

Sie mochten das Leben von Lady Elea gerettet haben, aber sie hatten einen hohen Preis dafür bezahlt. Amira suchte Catos Blick, in dem sich neben den tanzenden Flammen, die noch an einzelnen verbleibenden Planken leckten, die schiere Verwzeiflung spiegelte. Das weiße Tabuk. Wenn es Serenus nicht bald gelang, die Priesterkönige auszusöhnen, wäre das vielleicht erst der Beginn des Unheils. Von Krieg war die Rede. Von einem Krieg des Nordens gegen die Städte des Südens.

* Shakespeare, Henry IV

Advertisements
Comments
7 Responses to “The fire-eyed maid of smoky war”
  1. onolisicious sagt:

    nicht nur in Turmus ist es neblig, sondern auch in Neas Blog 🙂 Ich mag das neue Titelbild!

Trackbacks
Check out what others are saying...
  1. […] Gemüter der Bewohner. Das größte und längst nicht ausgestandene Unheil jedoch bescherten uns Nordmannen vom Clan der Hammaren, die eines Abends mit einer Gefangenen im Hafen an Land gingen. Wie sich herausstellte, handelte es […]

  2. […] Der Hafen qualmte ja noch als wir ankamen und wir erfuhren das die Hammaren die gesamte Flotte niedergebrannt hatten aus irgendeinem Zwist mit Kasra und der Tochter der Regentin.  […]

  3. […] Der Hafen qualmte ja noch als wir ankamen und wir erfuhren das die Hammaren die gesamte Flotte niedergebrannt hatten aus irgendeinem Zwist mit Kasra und der Tochter der Regentin.  […]



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: